Es passiert sicherlich vielen, dass sie gerade mit irgend etwas beschäftigt,
mehr oder weniger unmotiviert auf die Uhr schauen, die Zeit registrieren und
sich dann, völlig panisch werdend daran erinnern, dass sie eine Verabredung
haben. „Oh Gott! Wo ist die Zeit geblieben?“ So in etwa reagiert man dann. Und
tatsächlich, die Zeit ist einfach verloren gegangen. Abgelaufen. Wie die Eieruhr
(Sanduhr) meiner Oma, die ich als Kind, wenn ich meine Großeltern in der
Kupferstraße in Aachen am Lousberg besuchte, immer beobachtete. Die Zeit
verrinnt einem vor den Augen.

Gerade eben ist noch Sommer und gefühlte Tage später ist schon Weihnachten. „Ist
das Jahr schon wieder vorüber!?“ Eine Mischung aus Feststellung und
Verwunderung. Immer wieder erwische ich mich dabei, dass ich diese oder jene
Veränderung in meinem Leben plane, so als stünde ich noch am Anfang meines
Lebens, so als hätte ich noch alle Zeit der Welt. Eben gerade las ich von einem
Buch, was ein amerikanischer Jugendlicher schon mit 17 Jahren geschrieben und
veröffentlicht hatte, welches Jahre lang ganz oben auf amerikanischen
Bestsellerlisten stand. Da dachte ich daran, dass ich mit 17 auch sehr viel
geschrieben habe. Aber mehr so, als wäre das gestern gewesen. „Oh Gott! Wo ist
die Zeit geblieben?“ Und meinen Bestseller habe ich immer noch nicht
geschrieben, geschweige denn veröffentlicht. Not sold one time.

Ich sitze im Auto und höre einen Song und fühle mich jung. „I can feel it,
coming in the air tonight. Oh Lord..” Und im Fernsehen ist Phil Collins ein
älterer Herr und seine Fans sind alle mitgereift. Rock oder Popkonzerte mit 40,
50, 60jährigen im Publikum befremden mich immer noch – obwohl die Musiker
mindestens genauso alt sind. Da sieht man es, Jahrzehnte sind vergangen, ohne
dass man wirklich weiß, wo sie geblieben sind. Nicht, dass ich das bedaure oder
der Zeit nachtraure. Ich staune halt, wie der kleine Junge vor 40 Jahren in der
Küche meiner Oma, wie die Zeit vor eines Auge verrinnt.



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