Das zweite Kind, endlich eine Tochter...(18)
...und der erste Versuch trocken zu werden…
Meine Frau hatte natürlich Mutterschaftsurlaub genommen und wir kamen zu der Zeit noch recht gut miteinander klar. Ihr Frauenarzt, ein bekannter Professor, hat uns auch beruhigt, dass es da keine Gefahr für eine erneute Schwangerschaft besteht, solange sie stillt. Also haben wir uns relativ schnell wieder ausgelebt, und so kam es, wie es wohl kommen sollte, sie war recht bald schwanger. Aber diesmal sollte es ein Mädchen werden
Jetzt änderte sich irgendwie ihr Wesen, so kam es mir jedenfalls vor. Und ich hatte noch zusätzlich zu meinem Alkoholismus ihre Launen zu ertragen. Dass sie unter meinem Alkoholismus fast noch mehr litt, konnte ich erst viel später einsehen.
Dann war klar, es wird wirklich ein Mädchen, für mich etwas ganz Besonderes, nach meinen afrikanischen Söhnen. Ich war natürlich bei den Geburten dabei, und es waren echte Erlebnisse für mich.
Und dennoch wurde es immer schlimmer mit meinem Alkoholkonsum. Eines Morgens, ich hatte Frühschicht, saß ich an meinem Platz und eine Kollegin neben mir fand auf ihrer Position ein paar Faltblätter von AA. Unter anderem war auch der sog. Jellineck Fragebogen dabei, mit einer Menge Fragen. Überschrift….sind sie Alkoholiker?
Meine Kollegin hatte diesen Fragen beantwortet und kam zu dem Resultat, dass sie Alkoholikerin sei. Sie fragte mich dann auch, ob ich diesen Test mal machen wollte, und ich stimmte zu. Natürlich habe ich nur etwa jede dritte Frage ehrlich beantwortet, aber es half alles nichts. Ich war laut diesem Test ebenfalls ein Alkoholiker.
Jetzt wurde ich aktiv, habe meine Pause genommen, bin gleich in die Stadt zu einer Suchtberatungsstelle gefahren. Dort erlebte ich die erste Enttäuschung. Ich fragte nach einem Suchtberater und wollte sofort mit einem solchen reden. Aber denkste, ich könnte einen Termin in 3 Wochen haben. Ich will aber heute aufhören. Ja, dann hören sie doch auf, war die lapidare Antwort.
Komisch, die hatten doch tatsächlich n i c h t auf mich gewartet.
Zurück auf der Dienststelle fragte ich unsere Sekretärin, ob sie wisse, wo es hier meetings der AA gibt? Sie wusste es nicht, wollte es aber für mich raus finden. Dies geschah alles an einem Freitag. Am Abend dieses Tages trank ich mit meiner Frau noch eine Flasche Asti Spumante, d.h. danach gleich noch eine. Meine Frau hat davon vielleicht insgesamt ein Glas getrunken.
Aber oh Wunder, am nächsten Tag am Samstag habe ich keinen Alkohol getrunken, ja und am Sonntag auch nicht, und am Montag nicht. Am Montag Abend bin ich dann das erste Mal selbst und alleine ins AA meeting gegangen, welches unsere Sekretärin für mich raus gefunden hatte. Es war irgendwie wahnsinnig beeindruckend und..... ich fühlte mich zuhause,
angenommen und angekommen.
Eine Woche später war ich wieder im gleichen meeting, hatte die ganze Woche nichts getrunken, hatte auch die Psychopharmaka weg gelassen, und es ging mir gut. Diesmal war es noch beeindruckender im meeting, vielleicht auch weil ich noch mehr verstand. Ja dann kam das 3. meeting, und ich war immer noch trocken und ohne die gefährlichen Tabletten, also auch clean. Scheinbar ging es mir aber schon wieder zu gut...denn in diesem meeting fing ich an in meinem Kopf zu kritisieren und zu zweifeln. Ich dachte so manches Mal, ’also so schlimm war es bei mir ja noch nicht, was die da mit gemacht hat, und der da getrieben hatte, also so weit war ich ja doch noch nicht unten.’
Dann fiel mir ein, dass meine Frau am Freitag der gleichen Woche mit einer Nachbarin ins Theater wollte. Ja, so dachte ich, dann werde ich doch noch mal schauen, ob ich wirklich Alkoholiker bin. Der Freitag kam, ich war immer noch trocken, meine Frau ging ins Theater, und ich holte eine Flasche Wein aus dem Keller, oben hatte ich keinen Alkohol mehr. Dann holte ich einen Standspiegel aus dem Bad, stellte ihn vor mich hin und trank langsam das erste Glas Rotwein. Ich sprach auch mit mir, wobei ich mich natürlich im Spiegel beobachtete. Nachdem ich die Flasche geleert hatte und immer noch nicht lallte, auch meine Gesichtszüge noch nicht entgleist waren, holte ich eine zweite Flasche aus dem Keller.
Die trank ich dann noch ungefähr zur Hälfte und fühlte mich noch recht „normal“. Es war dann so gegen 1 Uhr als meine Frau nachhause kam und auch die Nachbarin mit brachte, so als Alibi, weil sie doch relativ spät kam. Der Nachbarin hatte sie natürlich erzählt, dass ich nicht mehr trank und zur AA ging, ja und dass sie richtig stolz auf mich war.
Ja sie kam rein und begrüßte mich richtig herzlich, bis ihr Lächeln gefror. “Du hast ja getrunken“, sagte sie und ihr Kinn klappte runter. Die Nachbarin verschwand nachhause, und ich versuchte meiner Frau klar zu machen, dass dies doch nur ein Test war, was sie natürlich zu Recht nicht glaubte. Ich versuchte dann noch eine Zeit lang kontrolliert zu trinken, was fast jedes Mal in die Hosen ging. Dann musste ich nur immer noch mehr trinken, um auch dieses schlechte Gewissen ruhig zu stellen. In diesen 17 Monaten habe ich dann auch noch einige der Dinge erleben müssen, die ich vorher noch nicht mit gemacht hatte.
Ja dieser sog. “Test“ hat mich dann noch mal 1 ½ Jahre meines Lebens gekostet. Scheinbar habe ich das dann wohl gebraucht….
das nächste Mal mehr….
Jetzt änderte sich irgendwie ihr Wesen, so kam es mir jedenfalls vor. Und ich hatte noch zusätzlich zu meinem Alkoholismus ihre Launen zu ertragen. Dass sie unter meinem Alkoholismus fast noch mehr litt, konnte ich erst viel später einsehen.
Dann war klar, es wird wirklich ein Mädchen, für mich etwas ganz Besonderes, nach meinen afrikanischen Söhnen. Ich war natürlich bei den Geburten dabei, und es waren echte Erlebnisse für mich.
Und dennoch wurde es immer schlimmer mit meinem Alkoholkonsum. Eines Morgens, ich hatte Frühschicht, saß ich an meinem Platz und eine Kollegin neben mir fand auf ihrer Position ein paar Faltblätter von AA. Unter anderem war auch der sog. Jellineck Fragebogen dabei, mit einer Menge Fragen. Überschrift….sind sie Alkoholiker?
Meine Kollegin hatte diesen Fragen beantwortet und kam zu dem Resultat, dass sie Alkoholikerin sei. Sie fragte mich dann auch, ob ich diesen Test mal machen wollte, und ich stimmte zu. Natürlich habe ich nur etwa jede dritte Frage ehrlich beantwortet, aber es half alles nichts. Ich war laut diesem Test ebenfalls ein Alkoholiker.
Jetzt wurde ich aktiv, habe meine Pause genommen, bin gleich in die Stadt zu einer Suchtberatungsstelle gefahren. Dort erlebte ich die erste Enttäuschung. Ich fragte nach einem Suchtberater und wollte sofort mit einem solchen reden. Aber denkste, ich könnte einen Termin in 3 Wochen haben. Ich will aber heute aufhören. Ja, dann hören sie doch auf, war die lapidare Antwort.
Komisch, die hatten doch tatsächlich n i c h t auf mich gewartet.
Zurück auf der Dienststelle fragte ich unsere Sekretärin, ob sie wisse, wo es hier meetings der AA gibt? Sie wusste es nicht, wollte es aber für mich raus finden. Dies geschah alles an einem Freitag. Am Abend dieses Tages trank ich mit meiner Frau noch eine Flasche Asti Spumante, d.h. danach gleich noch eine. Meine Frau hat davon vielleicht insgesamt ein Glas getrunken.
Aber oh Wunder, am nächsten Tag am Samstag habe ich keinen Alkohol getrunken, ja und am Sonntag auch nicht, und am Montag nicht. Am Montag Abend bin ich dann das erste Mal selbst und alleine ins AA meeting gegangen, welches unsere Sekretärin für mich raus gefunden hatte. Es war irgendwie wahnsinnig beeindruckend und..... ich fühlte mich zuhause,
angenommen und angekommen.
Eine Woche später war ich wieder im gleichen meeting, hatte die ganze Woche nichts getrunken, hatte auch die Psychopharmaka weg gelassen, und es ging mir gut. Diesmal war es noch beeindruckender im meeting, vielleicht auch weil ich noch mehr verstand. Ja dann kam das 3. meeting, und ich war immer noch trocken und ohne die gefährlichen Tabletten, also auch clean. Scheinbar ging es mir aber schon wieder zu gut...denn in diesem meeting fing ich an in meinem Kopf zu kritisieren und zu zweifeln. Ich dachte so manches Mal, ’also so schlimm war es bei mir ja noch nicht, was die da mit gemacht hat, und der da getrieben hatte, also so weit war ich ja doch noch nicht unten.’
Dann fiel mir ein, dass meine Frau am Freitag der gleichen Woche mit einer Nachbarin ins Theater wollte. Ja, so dachte ich, dann werde ich doch noch mal schauen, ob ich wirklich Alkoholiker bin. Der Freitag kam, ich war immer noch trocken, meine Frau ging ins Theater, und ich holte eine Flasche Wein aus dem Keller, oben hatte ich keinen Alkohol mehr. Dann holte ich einen Standspiegel aus dem Bad, stellte ihn vor mich hin und trank langsam das erste Glas Rotwein. Ich sprach auch mit mir, wobei ich mich natürlich im Spiegel beobachtete. Nachdem ich die Flasche geleert hatte und immer noch nicht lallte, auch meine Gesichtszüge noch nicht entgleist waren, holte ich eine zweite Flasche aus dem Keller.
Die trank ich dann noch ungefähr zur Hälfte und fühlte mich noch recht „normal“. Es war dann so gegen 1 Uhr als meine Frau nachhause kam und auch die Nachbarin mit brachte, so als Alibi, weil sie doch relativ spät kam. Der Nachbarin hatte sie natürlich erzählt, dass ich nicht mehr trank und zur AA ging, ja und dass sie richtig stolz auf mich war.
Ja sie kam rein und begrüßte mich richtig herzlich, bis ihr Lächeln gefror. “Du hast ja getrunken“, sagte sie und ihr Kinn klappte runter. Die Nachbarin verschwand nachhause, und ich versuchte meiner Frau klar zu machen, dass dies doch nur ein Test war, was sie natürlich zu Recht nicht glaubte. Ich versuchte dann noch eine Zeit lang kontrolliert zu trinken, was fast jedes Mal in die Hosen ging. Dann musste ich nur immer noch mehr trinken, um auch dieses schlechte Gewissen ruhig zu stellen. In diesen 17 Monaten habe ich dann auch noch einige der Dinge erleben müssen, die ich vorher noch nicht mit gemacht hatte.
Ja dieser sog. “Test“ hat mich dann noch mal 1 ½ Jahre meines Lebens gekostet. Scheinbar habe ich das dann wohl gebraucht….
das nächste Mal mehr….
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