In der Adventszeit nervten mich Kollegen, die keine Geschenkideen für ihre Frauen hatten.

Ich war nicht besser dran und fragte Anne, die beste Freundin meiner Frau, um Rat. Selbstverständlich wusste sie, was meiner Frau Freude bereiten würde.
„Ein Lieb-hab-Bär!“

 


Natürlich verstand ich „Ein Liebhaber,“ zumal ich mich in der Plüschtierabteilung kein bisschen auskenne.

Ich war sprachlos und tausend Gedanken rasten durch meinen Kopf. Ich war so von Fragen und Selbstzweifeln gefangen, dass ich das Lachen am anderen Telefon wie durch eine Wand hörte und erst nach mehrmaliger Aufforderung antworten konnte.

 


Natürlich fand die Freundin meiner Frau es ungemein witzig, mich so in die Irre zu führen. Später konnte ich mitlachen, doch die Momente nach diesen eigentlich harmlosen und nur falsch verstandenen Worten waren schlimm, zumal ich mir keiner Schuld bewusst war.

 


Wie leicht man mit den Flauschviechern seine Mitmenschen herein legen kann, zeigte sich beim familiären Weihnachtsessen.


„Oma, setz dich doch zu Heikes Lieb-hab-Bär auf das Sofa. Da hast du es bequem!“


„Wie? Die läd ihren Liebhaber knallhart zu Weihnachten ein?“


„Nein, Oma, das brauchte sie doch nicht! Der wohnt seit Heiligabend  hier!“


„Junge! Das lässt du dir gefallen? Was ist aus dir geworden?“


„Ach Oma, der Pauli  ist wirklich prima. Den habe ich ihr doch selber besorgt!“


Oma starrt mich an. Ich kann ihre Gedanken lesen. Ihre Diagnose schwankt zwischen Hörigkeit und Irrsinn. Unsere Tochter klärt Oma auf, bevor sie einem Herzkasper erliegen kann.

Ich bekomme den für Oma typischen Klaps in den Nacken und einen ihrer Sprüche über Männer, deren Entwicklung dem Alter arg nachhinkt.


Beim Kaffee erzählt Anne haarklein von meiner Sprachlosigkeit.

 


„Der war geschockt, “ grinst sie und alle amüsieren sich auf meine Kosten. Nein, nicht alle!

 


Meine Frau sieht mich an und ich weiß, dass sie weiß, wie schlimm der Gedanke für mich war, dass ich abgelöst werden soll, sie nicht mehr glücklich ist mit mir.

 


Spät am Abend, als alles aufgeräumt ist und wir endlich Ruhe haben, nimmt sie Pauli vom Sofa und erklärt ihm laut


„Über dich habe ich mich sehr gefreut, denn du bist ein süßes Vieh! Doch mit seiner Reaktion hat er dir den Rang abgenommen!“

 


Geschenke kaufen kann jeder, die Erkenntnis, dass bestimmte Verluste schrecklich wären, sind viel wertvoller und aussagefähiger als jede Liebeserklärung mit Worten…sagt sie!

 


Muss man erst geschockt werden um zu erkennen, dass nicht alles selbstverständlich ist, dass es nie schaden kann, zu fragen, zu beobachten und sich viel mehr Zeit füreinander zu nehmen?

 


Wenn ich auch wenig Wert darauf lege, endlich erwachsen zu werden, will ich doch erinnert werden, wo die Priorität im Leben liegt. Notfalls durch Schocktherapie.