Der 3.Oktober 1990 in Bayern

 

Im Frühjahr 1990 gab es ein Herum-Ge-Eiere: wann soll der Nationalfeiertag der Wiedervereinigung festgelegt und erstmals begangen werden…

Der 17.Juni war mit in der Auswahl, aber diesen traurigen Tag des mutigen, aber nicht unblutigen Aufstandes wollte man nicht mit einer fröhlichen Farbe übermalen.

Der 9.November… der Mauerfall… das ging auch nicht gut… die Kristallnacht… das gäbe Ärger …

Der 3.Oktober wurde es dann… aber diese Entscheidung fiel schon recht spät im Jahr…

Ich hatte für mein Team schon im Januar Karten für den Zirkus Roncalli in München gekauft: Vorstellung am 2.Oktober… diesmal.statt eines Ausflugs nach Kloster Andechs.

Wir gingen gut essen, dann in den Zirkus… ich liebe Zirkus und habe von früher Kindheit an eine besondere Affinität zur Zirkusarena, da ich mit 5 Jahren (um Disziplin zu lernen !!) Elevin in einer Zirkusschule sein durfte. Mit einer Riesen-Begeisterung. Leider nur solange, bis die Schule anfing.

             Nach Roncalli sollte es noch in eine Bar gehen…

aber ich gab meiner Sekretärin Geld und sagte: „Macht Ihr 6 Euch einen vergnügten Abend und trinkt noch was auf das Wohl unseres Landes und auf unser gemeinsames Wohlergehen… ich muß heim… um Mitternacht die Live-Übertragung am Brandenburger Tor sehen…“

Ich glaube mich zu erinnern, daß das in Bayern gar keinen besonders interessierte… und mein Team auch nicht… aber die Chefin wollte es eben so …  und basta…

Zu Hause war ich allein -  mein damaliger Lebensgefährte auf Geschäftsreisen.

Ich stand vor dem Fernseher um Mitternacht, als das Feuerwerk am Brandenburger Tor gezündet wurde,  und heulte Rotz und Wasser – ein Sektglas in der Hand… sang die Nationalhymne… unglaublich kitschig, aber das war mir egal… mich sah ja keiner…

Am nächsten Tag berichteten meine Leutchen, daß sie sich noch einen netten Abend gemacht hatten, und ich gab zu, daß ich vor dem Fernseher geflennt hatte. Sie schauten mich verwundert an, denn mich hatte in all den Jahren noch keiner jemals in Tränen gesehen. … und zum Flennen war dieser Anlaß doch auch nicht gerade … das dachten sie, aber sagten es natürlich nicht.

„Des hätt´s jetzt a net braucht… die Wiedervereinigung“, sagte mein Techniker… „kost´ oans asse Steuerzahler  oan Hafn  Goid…“

„Denkt mal an all die Millionen, die wir an die Entwicklungsländer jedes Jahr zahlen…mit manchmal zweifelhaftem oder gar keinem Erfolg … und dann haben wir für unser eigenes Vaterland kein Geld übrig? Eine Schande wäre das doch, oder etwa nicht?“  sagte ich einen Ton heftiger als ich eigentlich wollte.

„Na, ja… is scho wahr,“  meinten die anderen dann… aber es klang mehr nach:

Du hast schon recht und wir  haben unsere Ruhe, als wirklich überzeugt.

Dann habe ich erzählt, wie das so war… die Reisen durch die „DDR“, die Repressalien, was ein IM ist und was es sonst noch alles an Schikanen und Gemeinheiten gab… die Geschichte, wie meine Eltern verunglückten in der „Ostzone“ … sie lauschten jetzt sichtlich ergriffen… und dann setzten wir uns um den Tisch herum und öffneten eine und bald die zweite und dritte  Flasche Wein…

„Mei, des hoabn mer oi net wußt … oder du viellei? So g´sehn… ja da müsn ma scho was doan mitnand… des is scho kloa.. net?“

… und ich? Ich  war zufrieden, so richtig zufrieden, wie schon eine ganze Weile nicht mehr …