Der November ist da! Habt ihr sicherlich auch schon bemerkt.
Mit ihm Nebelschleier, Nieselregen und die ersten Fröste treiben die Blätter von den Bäumen.
In Feldern und Wäldern kehrt diese gewisse Stille ein, diese ruhige, lautlose Stille. Die uns, wie bei ganz dichtem Nebel, Schauer über den Rücken jagt.
Die Stille die uns sagt, bleib einen Moment stehen und halte Rückschau auf Vergangenes.

Ich sage dazu immer, in meinen Seelenschubladen Ordnung schaffen, einfach alle Schubladen auskippen und dann alles wieder an den dazugehörigen Platz räumen.
Das kann mitunter den ganzen November dauern, da liegen die Ziele zwischen den Beziehungsdurcheinander. Unerfüllte Sehnsucht klammert sich an alten Erinnerungen.
Ängste weichen einem neuen Gefühl, was grad geboren wurde, einfach nicht aus.
Ordnung machen braucht unsere ganze Kraft.

Ihr werdet euch wundern, was dort endlich mal ans Tageslicht darf. Für einiges ist kein Platz mehr und darf getrost aussortiert und dem Restmüll zugeführt werden.
Anderes wird mit Samthandschuhen ganz still wieder in die Schublade für liebe Erinnerungen gelegt.

Doch da ist der eine Tag im November der mein Leben sehr verändert hat. Der Tag, der den November nicht zum Monat der Trauer macht.
Ohne diesen Tag wäre vieles sicher anders. Der 9. November, den Tag wo abends in den Nachrichten verkündet wurde, das die Menschen der DDR ausreisen dürfen!

Ich war zu dem Zeitpunkt bei meiner Oma, einer Frau die zwei Weltkriege erlebt hat und 40 Jahre DDR erlebte, von lieben Verwandten getrennt und plötzlich alles im Umbruch. Es war ein unbeschreibliches Gefühl an einem Stück Geschichte teilzuhaben.
Schaue ich auf diese Zeit zurück erscheint der November mit seiner Stille und Trauer, wie eine Zeit zum Kraft sammeln. Eine Zeit des Umbruchs und des Neubeginns, oder die Stille vor dem Sturm.
Wenn es diesen einen Tag im November nicht gegeben hätte, wäre meine Heimat jetzt nicht hier in NRW, ich hätte einen lieben Menschen >>nicht<< kennen gelernt und mein Kind wäre ein anderes geworden oder nie geboren. Stellt euch mal vor, was ein Tag alles verändern kann!

Drum liebe ich diese Stille im November, das Rasten und durchatmen der Natur. Das Zeit stehen zu bleiben vermag. Vorschau und Rückschau. Auch die Endlichkeit sehen und ihr mit straffen Schultern entgegengehen.
Unter den welkenden Blättern treibt neues Leben aus und wartet von uns entdeckt zu werden.

Lasst uns den November genießen, mit allen Sinnen
Annett B.