In meinem Beruf benötigte ich bis vor Jahren keinen Computer. Heutzutage läuft ja ohne überhaupt nichts. Nun, die Firma ließ sich nicht lumpen und spendierte der ganzen Abteilung ein 3 Tage-Einführungsseminar besonderes für unser spezielles Softeware-Programm mit dem wir es in Zukunft zu tun hätten, in einem schönen teuren Tagungshotel.

 

Wird ja ein kostenloser Urlaub, der Hotelprospekt war sehr vielversprechend, abends schönes Buffet, mit den Kollegen einige Drinks an der Bar und das Schwimmbad, die Sauna, ja, das alles wollte ich voll genießen, das bißchen Kurs tagsüber, na ja, umsonst gibt es nichts.

 

Das Zimmer war okay, der Kurs ging um 9.00 Uhr nach einem tollen Frühstück los. Wer noch nie! mit einem PC zu tun hatte, der wurde wie ich eiskalt erwischt. Innerhalb von Minuten prasselten Informationen wie ein Hagelschauer auf mich ein. Nach zwei Stunden Dauerbeschuß schaltete mein Gehirn auf Überlastung. Worte wie: User, Browser, Open office, Tools, Disc, Taskleiste, Systemsteuerung, Modemopition, Laufwerk, what you see is what you get, Host, Scanner, Firewall usw. usw. kamen einfach nicht zu der Stelle durch, wo mein Gehirn sonst abspeicherte. Das Einzigste, was es noch registrierte war der Satz des Seminarleiters: Wir sehen uns jetzt um 14. Uhr nach der Mittagspause.

 

Das Essen kühlte mein überlastetes armes Gehirn etwas ab. Mit neuem Mut zum zweiten Teil des Tages. „Also bauen wir auf, auf dem, was wir heute morgen gelernt haben“ "  ..wie was aufbauen?" Ich hatte nix zum Aufbauen. Folglich bemühte ich mich auch nicht weiter und begann auf meinem Notizblock Männchen u.a. zu malen, um beschäftigt auszusehen. Am Ende des ersten Tages erhielten wir das Gehörte als schriftliche Zusammenfassung.

 

Anstatt das Schwimmbad, die Sauna, geschweige denn die Bar zu nutzen, saß ich auf meinem Zimmer und versuchte, nachzuvollziehen, was ich so tagsüber hätte lernen sollen. Irgendwann gegen Morgen muss ich eingeschlafen sein.

 

Beim Frühstück sprach ich vorsichtig die Anderen an: wie sie denn so den Kurs fänden? Ob sie Verständnisschwierigkeiten hätten? Nö! Niemals? Wieso? Alles easy, total prima. Aha, also war nur ich die Blöde, die nix begriff. Außer einem Kaffee und einem halben Apfel brachte ich keinen Bissen runter.

 

Aber das nächtliche Büffeln hatte sich gelohnt. Der da vorne sprach plötzlich mehr nicht von böhmischen Dörfern, sondern ich konnte sogar auf dem PC das tun, was er uns zu tun auftrug, und ich nahm all meinen Mut zusammen, als ich mich einmal völlig „verfranste“, da kam er an meinen Tisch, erklärte mir ausführlich, welche Schritte ich falsch gemacht hatte und ich hatte es „gefressen“. Wieder saß ich abends auf meinem Zimmer und büffelte, allerdings gönnte ich mit vor dem Einschlafen ein schönes heißes Bad in der großen Wanne mit Sprudelfunktion und ein Piccolo aus der Minibar.

 

Das Frühstück am nächsten Tag genoß ich auch. Ich begann, dem Kurs folgen zu können, kapierte,  was der Seminarleiter vortrug und tippte munter auf meinem PC. Abends gönnte ich mir sogar eine Runde im Schwimmbad bevor ich wieder aufs Zimmer zum Lernen ging.

 

Bei der Abschlussprüfung war ich unter den 5 Besten! von 40!

 

Wieder im Büro, die neuen PCs waren angeschlossen, der Schock! Der Bildschirm zeigte nicht das gewohnte Bild, wo waren lustigen Bildchen, die mich in Programme führten, die Häkchen, die ich anklicken konnte? Wo waren die Lesezeichen, die mich leiteten? Wo war die Leiste, wo man Drucken, Schriftgröße, Unterstreichen usw. auswählen konnte? Wie sollte ich ins Internet? Nix da, was nun?! Wie sollte ich das Programm, das ich zu beherrschen gelernt hatte, das aber nur als Disc mitgeliefert wurde in den PC bringen? Zu allem Überfluss kamen jetzt die Kollegen zu der „Besten“ und fragten um Rat, weil sie noch weniger wussten, als ich.

 

Jetzt konnte nur noch Einer helfen! Mit meinem 12jährigen Sohn saß ich abends vor seinem PC und ließ mir erklären, wie ich ein Programm runterlade, ich schrieb es mir auf einen Zettel, weil mein Gehirn wieder begann, auf überlastet schalten zu wollen.

 

Ich schaffe es bis heute einfach nicht, eine freundschaftliche Beziehung zu dem Ding aufzubauen, ich kann es benutzen, aber in regelmäßigen Intervallen legt es der jeweilige PC darauf an, seine Überlegenheit mir gegenüber deutlich zu demonstrieren, er „stürzt“ ab, „hängt sich auf“ und wenn die Tücken der Software ihm nicht reichen, dann greift er zu härteren Methoden: überhitzter Akku, durchgebrannte Festplatte, kaputte Kabel, Kühler, der den Geist aufgibt, Internet, das streikt, seltsame Fehlmeldungen, die ich nicht begreife, usw.

 

Nein, ich werde ihn nie lieben können, er, der mich um einen schönen Erholungsurlaub in einem 5 Sternehotel gebracht hat.