Vor den großen Ferien warteten besonders viele Personen vor meinem Zimmer. Innerlich war ich schon auf den Urlaub eingestimmt, und es kostete mich viel Überwindung, jedem zuzuhören. Doch schließlich hatte ich es geschafft. Als ich schon meine Unterlagen zusammenräumte, klopfte es an meiner Tür. Herein kam eine Mutter, die ich schon von den letzten Jahren her kannte. "Die hat mir gerade noch gefehlt!", schoss es mir durch den Kopf. Gewöhnlich spricht diese Frau lange über alles mögliche, nur nicht über die schulischen Angelegenheiten ihres Sohnes. Jedesmal war es schwierig gewesen, das Gespräch zu einem Ende zu bringen.
Ich wollte ihr schon sagen, dass die Sprechzeit beendet sei. Da fielen mir Gottseidank alle meine guten Vorsätze ein, die ich morgens gefaßt hatte. Deshalb nahm ich mir vor, jetzt ohne innere Hast und Voreingenommenheit dieser Frau zuzuhören. Für mich überraschend kam sie jedoch ohne lange Umschweife auf ihre großen Sorgen mit ihrem Sohn zu sprechen. Als alleinerziehende Mutter fühlte sie sich oft überfordert. Sie begann zu weinen. Ich hörte ihr eine Stunde zu, die wie im Nu verging. Schließlich entschuldigte sie sich, mich so lange aufgehalten zu haben. Ich versicherte ihr, dass es wichtig war, ihre Nöte ausgesprochen zu haben und bot ihr an, darüber im Gespräch zu bleiben. Im Rausgehen sagte sie: "Wissen Sie, ich habe sonst niemanden, der mir zuhört."
