Der Faschingsnarr- oder "Das andere Ich"

Was ziehe ich an- wer will ich sein?
Die Wirkung soll groß sein, der Aufwand klein.
Ne Perücke, ne Brille, die Federboa um,
so lauf ich zwischen den Narren herum.
Es wird viel gelacht und etwas getrunken,
hab vielen Leuten zugewunken,
die waren erstaunt, mich so zu sehen,
ansonsten sie ohne Gruß an mir vorüber gehen.

Jetzt hab ich Mut, ich fühle mich froh,
warum ist es nur sonst nicht so?
Ich sehe diesen Mann,
er sieht mich an,
ich lächel zurück,
welch ein Glück!
Nun geh ich noch lang nicht nach Haus,
die Perücke zieh ich erst später aus.

Am nächsten Tag bin ich noch am schweben,
könnte die Welt aus den Angeln heben.
Ich seh ihn wieder, der Fasching ist rum,
das Verkleiden war gar nicht so dumm.
Doch nach drei Wochen war das Träumen vorbei,
dann war ich ihm einerlei.
Im wahren Leben wird wenig gelacht,
und alles zu kompliziert gemacht.

Ich möchte geliebt sein,so wie ich bin,
doch viele haben nur das "Eine" im Sinn.
Wo ist der Mann, der meine inneren Werte liebt
und mir das Gefühl der Geborgenheit gibt?
An Fasching da schlüpf ich in ein anderes "Ich",
vielleicht treffe ich dieses Jahr sogar Dich?
Aber bitte keinen Faschingsscherz!
Ich suche Dich, mit Hirn und mit Herz!

von Christel Jakob