Der Fluch des Wohlstandes
Es ist schlimm…….., was der Wohlstand aus Menschen macht!
Gestern war ich in einem Land, das war reich, das war so reich, dass keiner mehr leiden musste. Überall blühte es, an den Häusern, den Straßen, und überall strahlte die Ordnung und Sauberkeit in das Gesicht des fremden Betrachters.
Ich wanderte durch die Straßen und war tief beeindruckt von der Welt, die ich hier sah.
Und von all diesen Eindrücken ermüdet und etwas geschwächt, suchte ich Erholung in einem nahen Waldstück. Kaum dort angekommen, traf mich der Schreck wie ein Blitz.
Ich sah Menschen spazieren gehen mit ihren Kindern, mit ihren Hunden, doch die Hunde liefen frei herum und die Kinder wurden an Leinen gehalten. Kaum hatte ich die ersten Meter hinter mir, da schrie mich auch schon so ein angeleinter Balg an und der Vater an seiner Seite zog mit einem kräftigen Ruck an der Leine und sagte freundlich zu mir: “Der tut nichts.” Doch das Kind brüllte wie besessen auf mich ein und streckte seine klebrigen Hände nach meinem Hosenbein aus. Angeekelt lief ich weiter.
Plötzlich war es nicht mehr so sauber. Mir schien, als würde der ganze Dreck aus der Stadt hier herumliegen. Und bei genaueren Hinsehen erkannte ich, dass der Waldboden mit Unmengen von gebrauchten Windeln und Taschentüchern übersät war. Und so als würde mir der Beweis dazu noch fehlen, kam doch eine Mutter mit einem Zehnjährigen an mir vorbei, riss direkt vor meinen Augen dem Kind die Hosen vom Leib und genüsslich frönte der Spross seinen natürlichen Bedürfnis.
Ab und zu sah man auch frei laufende Kinder und ich dachte mir, dass das doch unverantwortlich ist von den Eltern.
Diese Bälger wühlten mit ihren verschmierten Gesichtern in den herumliegenden Windeln und Haufen herum und kläfften jeden an, der nur ansatzweise in ihre Nähe kam.
Ich gesellte mich zu einigen Hundebesitzern, die mir sympathisch erschienen, vernünftig eben, und wir kamen auch sofort ins Gespräch. Man erzählte mir, wie schlimm es in den letzten Jahren geworden ist mit den Kindern.
Riesige Bälger werden in winzigen Wohnungen gehalten, ohne ausreichend Auslauf oder Bewegung.
Hemmungslos zerren Eltern ihren Nachwuchs durch die Wälder, wo sie sie frei herumlaufen lassen. Obwohl das doch strikt verboten ist. Aber wer hält sich schon an Gesetze, wenn es ihm gut geht? Und selbst die Anordnung, dass frei laufende Kinder sofort zu erschießen sind, wenn sie in Wäldern oder Parks ohne Begleitung angetroffen werden, hat bislang nichts geholfen.
Die Hunde, die ängstlich an den Beinen ihrer Herrchen und Frauchen klebten, taten mir leid.
Sie sahen allesamt verhaltensgestört aus und man erzählte mir auch, dass etwa 80 % aller Hunde an Depressionen leiden, von manischen Zuständen gequält werden und nicht selten im Selbstmord den einzigen Ausweg sehen, um endlich wieder frei und spielerisch durch Wald und Flur zu rennen, um die Welt ohne Angst und ohne schwere Verletzungen entdecken zu können.
Ich muss hier weg! Und auf dem Weg zu meinem Auto erzählte mir noch eine ältere Hundebesitzerin, dass es erst gestern wieder zu einem schlimmen Vorfall gekommen ist: Zwei Kampfkinder haben sich ohne Grund und Anzeichen auf einen kleinen Pudel gestürzt, ihm das Gesicht zerkratzt und zerbissen und ihm die Kehle zugeschnürt. Die zu Hilfe eilende Mutter der beiden wurde dabei von den im Blutrausch befindlichen Kampfkindern zerfetzt und ebenfalls getötet.
Und erst als die Polizei mit Schusswaffen dem schrecklichen Treiben ein Ende setzte und die Kinder erschoss, fiel das zerfetzte Fleisch der Mutter aus den triefenden Mäulern ihrer eigenen Kindern.
Es ist doch schlimm, was der Wohlstand aus Menschen macht!
Torsten Lämmerhirt
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