Der kleine Ort in Kalifornien feiert sein Stadt-Jubiläum und hat sich herausgeputzt. Dave freut sich auf die Abwechslung, er ist hier aufgewachsen, sieht gut aus und ist inzwischen 22 Jahre alt. Die körperliche Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern hat ihm zu einem kräftigen, männlichen Körper verholfen. Seine Eltern betreiben zusätzlich einen Groß- und Einzelhandel für Saatgut und allerlei Geräte, die in der Landwirtschaft gebraucht werden.

Dave ist ein Mädchenschwarm und manche der Kleinstadtschönheiten könnte sich ein Leben an seiner Seite gut vorstellen. Dave hat allerdings ein Geheimnis. Seit etlichen Jahren weiß er, dass er sich sexuell zu Männern hingezogen fühlt. Erfahrungen auf diesem Gebiet hat er jedoch kaum; sicher es gab da diese Geschichten mit den gleichaltrigen Nachbarn, nach viel Alkohol ... sie sprachen hinterher nie wieder darüber. Dave will nicht, dass man ihn für schwul hält und hat des- halb Affären mit Mädchen - das fällt ihm nicht schwer, aber besonders aufregend findet er den Sex nicht.

Es wird langsam dunkel ... der erste Tag des Jubiläums neigt sich dem Ende zu; es wird getanzt, getrunken und gelacht; da sieht Dave diesen Fremden ... „Dark As Night Were His Eyes (...) And With One Smile, He Stole My Heart ...“ Daves Herzschlag erhöht sich, warum fallen ihm plötzlich diese Zeilen aus einem alten *MOTOWN-Song ein? Jetzt sieht der Fremde kurz zu Dave herüber, um sich dann wieder der Tochter des Apothekers zuzuwenden und mit ihr zu flirten.

Dave merkt, wie sich seine Nackenhaare aufrichten ... was geschieht mit ihm? Unauffällig bewegt er sich in Richtung Tanzfläche, an dessen Rand der Fremde steht und sieht angestrengt in eine andere Richtung, um dann doch wieder hinzusehen. Der Blick des Fremden erwischt Dave, wie ein Blitzschlag und hält ihn fest. Kaum merklich nickt der Mann zum Gruß mit dem Kopf und wendet seinen Blick sehr, sehr langsam ab.

Daves Herz schlägt jetzt „bis zum Hals“ ... wer ist das, was sucht der hier? Dave fühlt sich magnetisch von dem Fremden angezogen und taxiert ihn aus den Augenwinkeln: Groß, schlank, dunkle Haare, fast schwarze Augen, durchtrainierter Körper (ein prominenter Leistungssportler?), der Mann dürfte wohl so Anfang 30 sein. Dave hat sich unmerklich näher herangeschoben und kann jetzt die Stimme hören, sie klingt sehr tief, leicht rauh und hat einen ausländischen Akzent. So jemanden hat Dave hier noch nie gesehen, die Haut des Fremden hat einen leicht dunkel schimmernden Glanz und läßt den Mann aussehen, als habe er nicht nur weiße Vorfahren.

„Hi Dave!“ Die Stimme klingt sehr männlich, selbstbewußt und „bedrohlich?“ Dave hat das Gefühl seine Beine würden unter ihm wegsacken. „Woher kennen Sie meinen Namen?“ stammelt er. „Von Esther, mit der ich mich gerade unterhalten habe, sie hat ihn mir verraten.“ Dave fühlt sich plötzlich wieder, wie ein kleiner Junge, dem die Worte fehlen. „Was halten Sie davon, wenn wir zusammen ein Bier trinken und Sie mir dann ein wenig von diesem netten Ort, seinenen Bewohnern und Ihnen erzählen, Dave?“ Dave merkt, wie ihm die Röte ins Gesicht steigt; „natürlich, gern“, erwidert er.

„Ich bin übrigens Sergé“, stellt sich der Mann vor, „ich komme aus New Orleans und bin auf der Durchreise“. Die ganze Zeit über hat die alte Gladys, die viele im Ort für etwas verwirrt halten, die beiden nicht aus den Augen gelassen, jetzt spuckt sie fast unmerklich aus und wendet sich ab. „Was halten Sie davon Dave, wenn Sie mir erst ein wenig die Umgebung zeigen, es soll da doch diesen interessanten Krater geben, der als Touristen-Attraktion im Reiseführer steht?“ Dave versagt fast die Stimme, als er leise antwortet: „Na klar, mach‘ ich.“

Die beiden Männer gehen langsam zum Parkplatz, ein offener schwarzer Porsche wird von Sergé angesteuert. Dave geht wie in Trance auf den Wagen zu und steigt ein. Der Motor startet und der Porsche setzt sich langsam im Bewegung, während der Fahrt sprechen die beiden Männer kein Wort. Schließlich ist der Krater erreicht, der Wagen hält und Sergé schaut seinem Beifahrer in die Augen. „Wollen wir aussteigen oder erst einmal sitzenbleiben, Dave?“ Dave flüstert: „Erst einmal im Wagen bleiben ...“

Was an diesem Abend zwischen den beiden Männern geschieht, wird Dave nie jemandem erzählen. Aber die Worte: „Es wird nichts ge-schehen, das Du nicht auch willst ...“ brennen sich für immer in Daves Gedächtnis ein. Und dann ist da noch etwas: Nie hätte Dave geahnt, dass er einmal soviel ungehemmte Lust verspüren würde und ... er schämt sich kein bißchen dafür.

Am nächsten Tag ist der Fremde genauso spurlos verschwunden, wie er aufgetaucht war. Dave ist einerseits traurig, andererseits aber auch erleichtert ... niemand würde je „davon“ erfahren! Einige Zeit später stellt Dave beim Blick in den Badezimmerspiegel fest, dass seine, bisher unbe-haarte, Brust plötzlich eine starke Behaarung aufweist und er hatte außerdem gar nicht bemerkt, dass auch Beine und Arme plötzlich behaart sind, bis ihn Esther anspricht: „Dave, Du siehst irgendwie verändert aus, so männlich, ich könnte mich glatt in Dich verlieben, aber ... da gibt es wohl bei Dir schon jemand anderen?"

Dave stammelt erschrocken: „Nein, niemanden!“ Esther lächelt wissend und antwortet nur: „So, so ...“

Später - Dave lebt längst zusammen mit seinem Freund in einem dieser renovierten Bürgerhäuser in San Francisco - besucht er seine Eltern. Da spricht ihn die alte Gladys an und redet ziemlich wirres Zeug: „Junge, damals bei diesem Stadtfest - ich wollte Dich warnen, aber Du warst plötzlich verschwunden ... ich kenne den Mann mit dem Du weggegangen bist. Vor 40 Jahren habe ich ihn schon einmal gesehen ... er sah damals genauso aus, er ist um keinen Tag gealtert. Ich sage Dir Junge, das war der ...... Dave bekommt eine Gänsehaut und dreht sich abrupt um, „Blödsinn!“ stößt er keuchend hervor, „das war ein Geschäftsmann aus New Orleans, der auf der Durchreise war.“

Plötzlich hat Dave den Geruch dieses Fremden wieder in der Nase, diesen aufreizend männlichen Geruch, der ihn damals so ‚willenlos‘ und gleichzeitig so glücklich! machte .... In diesem Augenblick klingelt Daves Handy: „Hi Dave, bin gerade in Eurer Gegend, wollen wir uns sehen? ...

Aus dem offenen Fenster des örtlichen Drive-Inn ist der dröhnende Beat einer alten MOTOWN-Scheibe zu hören: „*Ooh ... ooh, dark as night were his eyes (...) and with just one smile, he stole my heart (...) I’m really in danger (...) it’s love with a stranger“ In diesem Moment nähert sich im Schritt-Tempo ein schwarzes Porsche-Cabriolet. Dave wendet den Kopf und ... bekommt weiche Knie ...

E n d e

© Jamerson akas Knüppel