Vor ein paar Jahren, wir hatten den Garten noch nicht, lagen mein Herzblatt und ich in Liegestühlen auf dem Balkon und lauschten der Natur. Vögel sangen, Grillen zirpten, ab und an flog eines der kleinen Flugzeuge vom nahen Sportflugplatz über unsere Häuserreihe und dann ging es los!

Ein Frosch hatte es sich im Teich unseres Nachbarn gemütlich gemacht und irgendwie hörte sich das Motorbrummen der kleinen Flieger in seinen Ohren wohl wie Konkurrenz an. Jedenfalls quakte der Frosch, so laut er nur konnte. Dies wieder missfiel dem Nachbarn, der im Garten unter dem Sonnenschirm stets seinen Mittagsschlaf hielt, täglich, wenn das Wetter es zuließ. Nun liegen unsere Häuser genau gegenüber einer Grundschule, drei Häuser weiter ist ein Kindergarten mit großem Spielplatz davor. Jeder kann sich das Lachen und die Rufe der Kinder vorstellen, auch die Eltern, die ihre Kinder in die Einrichtungen bringen, hupen gern zum Abschied, was wohl zu vermehrtem Spieltrieb oder höherer Konzentration der Kleinen beiträgt.

Eine Mutter ist besonders genial! Sie fährt ein nur zweitüriges Auto und trotzdem schafft sie es, bis zu SIEBEN mal dieses „Rums“ zu erzeugen, das eine zufallende Autotür eben mit sich bringt. Diese Geräusche scheinen unseren Nachbarn nicht zu stören, doch dieser Frosch war ihm ein Dorn im Auge, äh, im Ohr!

Irgendwann öffnete ich träge ein Auge, weil es unten im Garten platschte. Der Nachbar stand mit einem Kescher am Rande seines Zierfischteiches, der wunderschön mit rosa und weißen Seerosen bestückt war, um mit besagtem Teil den Frosch zu fangen. Der Hüpfer fand das wohl sehr lustig, denn der Tonfall seiner Stimme wurde höher.

„Na toll,“ meinte mein Schatz kopfschüttelnd und wies dezent mit dem Finger zum Nachbargrundstück, wo der genervte Mann einen Fuß  zwischen die gerade blühenden Wassergladiolen gestellt hatte, um den mittig sitzenden Frosch aus dem Wasser zu bekommen.

Gut 30 Minuten später stand der gute Mensch mit einer Anglerhose in seinem Teich. Einige Gladiolen sahen recht geknickt aus und ich konnte auch schon die Unterseiten so mancher Seerose erblicken. Von oben fand ich die irgendwie dekorativer!

Mit List und Tücke lockte der Frosch lärmend den armen Mann immer tiefer ins Wasser. Ein langgezogenes „Uuuuuhhhh,“ zeugte davon, dass der Wasserstand des Teiches die Höhe der Anglerhose zumindest knapp überschritt. Nun flog die Gummibuxe zur Seite und todesmutig stand man(n) im kühlen Teichwasser, doch der Frosch hatte einfach keinen Bock auf dieses Netz und sprang geschickt darüber weg oder sogar heraus.

Nach einer Weile hörte es sich an, als sprängen Delfine zwecks Kunststücken aus dem Wasser, denn Herr Nachbar warf sich nun auf den armen Quaker. Nach geschätzten vier Stunden ein Ruf des Jubels…er hatte das Tier gefangen! War es nun mein bitterböser Blick oder die in die Hüften gestemmten Fäuste, die unseren Nachbarn dazu brachten, den Frosch nicht zu töten, sondern in einem Glas zwischen zu lagern, sich in trockene Klamotten zu werfen um  den Weg dann mit seinem Gefangenen zum kleinen Teich hinter dem Kindergarten anzutreten.

Sein Teich sah recht erbärmlich aus. Die schönen Seerosen waren teils abgerissen, teils vom aufgewühlten Schlamm verschmutzt, lagen immer noch mit der Unterseite nach oben treibend auf den ebenfalls umgeklappten Blättern. Die abgetretenen Büschel der stolzen Wassergladiolen schrien zum Himmel und der sonst so gepflegte Rasen hatte einige Schlammpfützen abbekommen, weil der Kescher mehr Schlick als Frosch beförderte.

Mit seligem Grinsen räumte unser Nachbar seinen Garten  auf und legte sich zufrieden unter den Sonnenschirm, der gar nicht mehr benötigt wurde, weil die Sonne inzwischen knapp über dem Horizont stand. Ich blickte mitleidig auf das Chaos im Teich, das wohl eine Weile brauchen würde, um in Ordnung zu kommen. Im Augenwinkel sah ich eine Bewegung! Etwas hüpfte in langen Sätzen von der Gartenpforte über die Wiese bis in den Teich. Ich starrte auf das Wasser und zaghaft erklomm ein Hüpfer das einzig verbliebene, nicht umgekrempelte Seerosenblatt.

„Quaaaaarrrrrrrk!!!“

Der Nachbar sprang so schnell auf, dass sein Stuhl umkippte. Er konnte ebenso böse gucken wie ich vorher, denn mein lautes Lachen passte ihm wohl nicht! Wie unsinnig, gegen die Natur zu kämpfen!