Die Begegnung mit ihm ist häufig. In Kirchen, Gemäldegalerien, an Gebäudefassaden oder als Brunnenfigur hat ihn wohl jeder schon einmal gesehen. Auch wenn das Sondersignal eines Feuerwehrautos unsere Aufmerksamkeit erregt, sind die Blauröcke in seinem Namen unterwegs.
Die Rede ist vom Heiligen Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehr.
Wer war dieser Mann, der noch heute so gegenwärtig ist und dessen Spuren in der Nähe von Linz an der Donau sichtbar werden?
Wir müssen uns dazu weit in die römische Geschichte zurückversetzen.
Ein Teil des heutigen Bundeslandes Oberösterreich war im Jahr 300 nach Christus eine römische Provinz namens Noricum.
An der strategisch wichtigen Mündung der Enns in die Donau lag die Garnison- und Zivilstadt Lauriacum. Aus Lauriacum wurde im Laufe der Jahrhunderte Loriaca, Loraha und schließlich Lorch, heute ein Vorort von Enns, die mit Stadtrecht seit 212 älteste Stadt Österreichs.

Hier lebte vor 1700 Jahren Florianus, ein hochrangiger Beamter, Kanzleivorstand des römischen Provinzstatthalters. Zu dieser Zeit regierte in Rom Kaiser Diokletian, ein unerbittlicher Christenverfolger. Das Christentum war etwa 300 Jahre nach dem Tod des Jesus von Nazareth eine sich ausbreitende illegale religiöse Vereinigung, die im Widerspruch zur herrschenden Staatsreligion der Römer stand. Diese gründete sich vor allem auf die Hauptgötter Jupiter, Juno und Minerva. Da die Christen die Verehrung und Opferrituale für diese Götter ablehnten, stellten sie auch den göttlichen Machtanspruch des Imperators in Frage und waren damit eine Gefahr für Rom.

Auch Florianus war zum Christentum übergetreten und bekannte sich Kraft seines Amtes und hohen gesellschaftlichen Ansehens öffentlich dazu. Eine Herausforderung, die nicht geduldet werden konnte, zumal er mit dieser Haltung für viele Mitchristen Vorbild war, sie in ihrem Religionsbekenntnis bestärkte und neue Glaubensgefährten warb.
Er wurde vor Gericht gestellt und sollte in einer öffentlichen Zeremonie am Altar des Tempels von Lauriacum den heidnischen Göttern dass Opferritual erweisen und damit seinem neuen Glauben abschwören. Florianus wusste, welch große Hoffnung die Christen in seine Standhaftigkeit legten und weigerte sich, seine Überzeugung zu verraten. Schon diese Haltung hätte sein Todesurteil besiegeln können. Doch fürchteten die Richter den Protest des Volkes und schickten Florianus in die Verbannung. 40 seiner Mitchristen aber wurden verhaftet und in einem langwierigen Prozess zum Tode verurteilt.

Als Florianus von den Verhaftungen erfuhr, kehrte er nach Lauriacum zurück, um mit seinem Einfluss den Glaubensgefährten zu Hilfe zu kommen.
Doch auch er wurde eingekerkert, gefoltert, erneut vor Gericht gestellt und am 3. Mai 3004 mit einem Stein um den Hals, vor den Toren der Stadt, von einer Brücke in die Enns gestürzt. Seit 1989 steht an dieser Stelle ein zwölf Meter hohes Kreuz.
So endet die authentische Leidensgeschichte des Römers Florianus.

Die Legende berichtet weiter, dass eine Witwe namens Valeria den ans Ufer gespülten Leichnam barg und ihn auf ihren Ochsenkarren lud, um den Märtyrer in der Wildnis zu begraben. An einer Quelle gingen die Tiere nicht mehr weiter und wurden getränkt.
Das Wasser dieser Quelle, des „Florianibründerls“, am Ortsrand der kleinen Marktgemeinde Sankt Florian, ist noch nicht versiegt und soll nach Meinung der Einheimischen Augenleiden heilen. Der Autor konnte sich während seines kurzen Aufenthaltes überzeugen, das an dieser Quelle gläubige Menschen ihr Gesicht benetzten und Gefäße füllten, um die Daheim gebliebenen an dem Wasser teilhaben zu lassen.
Gesichert ist, dass etwa 10 Jahre nach dem Tod Florianus’, mit der Einstellung der Christenverfolgung durch Kaiser Konstantin und der Anerkenntnis des Christentums als neue römische Staatsreligion, die erste Begräbnisstätte nahe dem „Florianibründerl“, bereits ein Wallfahrtsort mit einer kleinen Holzkirche war. Daraus hervorgegangen ist auf dem Boden der Marktgemeinde Sankt Florian ein Augustiner-Chorherrenstift, welches nach seinem Neubau im 16. und 17. Jahrhundert zu einem der prachtvollsten Sakralbauten des österreichischen Barocks zählt.

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Bemerkenswert ist besonders für Musikfreunde, dass in der Stiftsgruft 1896 der berühmte Komponist Anton Bruckner beigesetzt wurde. Richard Wagner bezeichnete ihn als den bedeutendsten Symphoniker nach Beethoven.

Für Floriansjünger dürfte interessant sein, dass sich neben dem Stift das größte Feuerwehrmuseum Österreichs befindet, mit tausenden beeindruckenden Exponaten, vom ledernen Löscheimer bis zur modernen Dampfspritze.

Wo aber fand der Heilige Florian seine letzte Ruhestätte? Als um 480, mit den Auswirkungen der Hunnenkriege, die Römer viele Provinzen aufgeben mussten, nahmen die christlichen Romanen ihre Heiligtümer und auch die Gebeine des hoch verehrten Florianus mit nach Rom. 1183 kamen diese dann nach Polen, wo sie noch heute in der altehrwürdigen Floriankirche zu Krakau ruhen.

Etwa 8 km von der Marktgemeinde Sankt Florian entfernt, befindet sich Lorch, das ehemals römische Lauriacum. In der dortigen St. Laurenz Basilika fand man 1960 bei Grabungsarbeiten im Innenraum die Reste früherer Kirchebauten und eines heidnischen Tempels, der bis in die Zeit des Heiligen Florian zurückreicht. In den freigelegten unterirdischen Gängen der Vorgängerbauten, die besichtigt werden können, lagen an einer besonderen Stelle die Gebeine von Menschen. Die Archäologen gingen davon aus, dass es sich um die sterblichen Reste der 40 Christen handeln könnte, die zusammen mit dem Heiligen Florian im Jahre 304 den Martyrertod erlitten. 1962 wurden die Gebeine an der Universität Wien nach gründlicher wissenschaftlicher Untersuchung als echte Reliquien aus dieser Zeit bestätigt.
Auch wurde ein steinerner Opferaltar mit Inschriften gefunden. Es war nahe liegend anzunehmen, dass an diesem Stein Florianus seinem Glauben abschwören sollte

Als im Jahr 1968 die Grabungen abgeschlossen waren, überführte der Kardinal von Krakau eine Reliquie des Heiligen Florian nach Österreich, damit sie bei der Weihe des neuen Hauptaltars der St. Laurenz Basilika zusammen mit den Gebeinen der 40 Christen in den Altarblock eingemauert werde. Wie im Leben, so war nun nach mehr als 1500 Jahren die Leidensgemeinschaft der Lorcher Martyrer über den Tod hinaus wieder hergestellt.
Die St. Laurenz Basilika gilt mit dieser Historie als Wiege des Christentums in Österreich und Bayern. Es gibt im mitteleuropäischen Raum keinen Sakralbau, der auf so identische Weise christliche Geschichte widerspiegelt und dem solche Traditionen zuerkannt werden.
Dieses Zeugnis des Urchristentums veranlasste Papst Johannes Paul II im Jahre 1988 zu einem Besuch der einmaligen Kultstätte.

Im frühen Mittelalter wurde Florian Heilig gesprochen und ist seitdem einer der wichtigsten Schutzpatrone der katholischen Kirche. Durch das Martyrium des Ertränkens wird er angerufen bei Überschwemmungen und gegen Feuer. Die Ikonographie zeigt ihn als römischen Soldat mit einem Mühlstein und einem Wasserkübel, aus dem er Wasser auf ein brennendes Haus gießt.

Warum ist es so aufschlussreich, sich mit den Schutzheiligen zu beschäftigen, egal ob als gläubiger Christ oder ausschließlich als geschichts- und kulturinteressierter Mensch?
In dieser Thematik offenbart sich oftmals römische Geschichte und die Schicksale von Menschen, die bis in den Tod Ihrer Überzeugung treu blieben. Wer als Tourist christliche Sakralbauten oder die Gemäldegalerien der alten Meister besucht, in katholischen Regionen kunstvolle Pestsäulen auf Stadtplätzen oder Brückenstatuen bewundert, wird überall auf Schutzheilige treffen. Nur wer diese Figuren und Bilder und die Attribute mit denen diese Personen unverwechselbar sind zu deuten weiß, erkennt Zusammenhänge, die ohne dieses Wissen verborgen bleiben.

Schutzheilige gibt es für viele Berufsstände und Lebenssituationen. Durch die Heiligsprechung wurde und wird in ihnen noch heute eine besondere Nähe zu Gott gesehen. Dadurch gilt ihr Anrufen als Fürsprache bei Krankheit oder der Abwendung von Gefahren. In den Bergbauregionen, so auch im Erzgebirge, ist die Heilige Barbara die Patronin der Bergleute. Auch sie wurde das Opfer ihres christlichen Glaubens, aber das wäre schon wieder eine neue Geschichte.