Die meisten von uns haben Vorstellungen von einem "idealen" Partner im Kopf, der wirklich zu uns passen würde, den wir lieben könnten und von dem wir geliebt werden wollen. Manchmal begleiten uns diese Vorstellungen ein Leben lang, auch wenn sie im Laufe der Zeit, immer mal wieder überdacht und verändert werden.
Kaum einer findet ihn, den "idealen Partner", behaupte ich hier mal kühn. Viele Kompromisse werden eingegangen, weil man sich unsterblich verliebt, den Partner durch die rosarote Brille gesehen hat und sich erst nach und nach heraus stellte, was passt und was nicht!
Das innere Bild vom idealen Partner, die Vorstellungen, die man sich von ihm gemacht hatte, werden zwar nicht gänzlich revidiert oder gar aufgegeben, aber man muss einsehen, dass Träume, Phantasien über ihn oftmals mit der Realität nicht in Einklang zu bringen sind.
Man macht also Abstriche und Zugeständnisse, weil man mit dem Partner zusammen bleiben möchte und die positiven Aspekte eindeutig überwiegen - oder man trennt sich wieder und beginnt sich erneut auf die Suche. Manch einer beschließt, auch für immer Single zu bleiben.
Was beeinflusst, was bestimmt nun unsere ganz subjektive, individuelle Suche nach dem idealen Partner? Welche bewussten und unbewussten Bilder haben wir im Hinterkopf, welche frühkindlichen Prägungen haben dieses Bild beeinflusst, bestimmen oft ganz unbewusst unsere Suche?
Viele Frauen bestätigen, dass es das Bild, die Person des Vaters sind, die ihre Vorstellungen bei der Suche nach einem Mann, der ihr Mann sein soll, mitbestimmen.
Und in der Tat ist es der Vater, der der erste Mann im Leben eines Mädchens, einer Frau ist. Die Beziehung zu ihm, die erfahrene oder verweigerte Liebe und Zärtlichkeit, prägen ihre Wünsche und Bedürfnisse im späteren Leben bei der Suche nach einem passenden Partner.
Er ist der erste Mann, den das kleine Mädchen kennen lernt, der es auf den Arm nimmt, zärtlich mit ihm schmust, mit liebevollen oder auch strengen Worten zu ihm spricht, der es ansieht und von ihm angesehen wird. Dem kleinen Mädchen prägen sich unauslöschlich sein Bild, sein Duft, seine Gestalt, die Wärme seiner Hände, der Klang seiner Stimme ein. Das wird sie ihr Leben lang begleiten. Die Sehnsucht, diese Nähe wieder zu spüren, wird sie in sich tragen, selbst wenn der Vater mitnichten der "ideale" Vater gewesen ist, sie vielleicht auch in vielerlei Hinsicht hat darben lassen.
Je mehr sie "gedarbt" und um die Liebe des Vaters oder auch der Mutter gebuhlt hat, desto größer wird ihre Sehnsucht nach dem "idealen" Partner sein, der sie auch für die in der Kindheit erfahrenen Entbehrungen und Zurückweisungen entschädigen soll.
Oft wird einer Frau das erst in höherem Alter bewusst, wenn sie sich klar macht, was sie sucht, welche Wünsche sie umtreiben und welche Sehnsucht geblieben ist, die bisher kein Partner wirklich auf Dauer hat stillen können.
Ein realer Mann hat es schwer, mit dem unbewusst verinnerlichten Bild des Vaters einer Frau konkurrieren zu müssen.
Eine erwachsene Frau muss sich früher oder später von dem Wunsch verabschieden, diese in der Kindheit erfahrene oder auch entbehrte Liebe bei einem Partner zu finden, auf einen Mann zu treffen, der ihrem Vater ähnlich ist.
Und doch bestimmen dieses unbewusste Bild, diese Vorstellungen und Wünsche ganz entscheidend eine erste Begegnung mit einem noch unbekannten Mann mit, der ein potentieller Partner sein könnte.
Wir umschreiben das mit der so genannten "Chemie", die stimmen muss, dem "Funken" der überspringt, der "Liebe auf den ersten Blick", dem Phänomen, dass wir einen Menschen, "riechen" können, er uns auf Anhieb sympathisch ist und liebenswert erscheint oder eben auch nicht!
Psychologen behaupten, dass sich die gegenseitige Anziehung oder Ablehnung insbesondere zwischen den Geschlechtern schon in den ersten sieben Minuten entscheidet, aufgrund unserer individuellen biologischen Prägung und unseren
frühkindlichen Erfahrungen.
Spontane Abneigung lässt sich nur schwer revidieren. Aber als ebenso trügerisch kann sich die spontane Anziehung, die sog. "Liebe auf den ersten Blick" heraus stellen, die dann auf Dauer doch nicht für eine harmonische Beziehung taugt.
Jede/r von uns hat sicherlich so seine Kriterien bei der Suche nach einem passenden Partner, mit dem er eine dauerhafte Liebesbeziehung einzugehen bereit ist.
Auch die Ansprüche an diese sind so unterschiedlich wie wir Menschen nun einmal selbst es sind.
Der eine möchte und kann auf Dauer nicht allein sein, dem anderen sind seine Freiheit, Selbstbestimmtheit, seine Autonomie wichtige Güter, die er auf keinen Fall aufzugeben bereit ist.
Kompromisse muss jeder von uns eingehen, wenn er nicht allein bleiben möchte.
Nur in wie weit man sie einzugehen bereit ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Manch einer verabschiedet sich frühzeitig von seinen Träumen und Wünschen, lebt genügsam oder frustriert mit dem "nicht-idalen" Partner zusammen. Andere träumen, wünschen ein Leben lang und hoffen bis ins fortgeschrittene Alter, doch noch ihrem "Seelengefährten" zu begegnen und sind nicht bereit, sich mit weniger zu begnügen.
Dazwischen trösten sie sich zeitweise mit nicht so idealen Partnern, die sie ein Stück weit auf ihrem Lebensweg begleiten "dürfen".
Und ist es nicht überhaupt "legitim" und in Ordnung, dass wir uns "passende" Menschen für unser Leben wählen, die uns in den verschiedenen Phasen unseres Lebens ein Stück weit begleiten, uns nahe stehen, uns Freunde und Partner sind?
Leben heißt Veränderung, nicht Stillstand! Wir Menschen verändern, entwickeln uns und dementsprechend auch unsere Wünsche und Bedürfnisse.
Zu erwarten, dass ein Mensch, nämlich der "ideale Traumpartner", sie uns ein Leben lang und auf Dauer erfüllen möge oder könnte, wäre töricht und unreif, auch wenn sich unser "inneres Kind" danach sehnt. Lieben, d.h. annehmen mit unseren Stärken und Schwächen, müssen wir uns zunächst selbst und auch selbst dafür sorgen, dass es uns gut geht. Je mehr wir dazu in der Lage sind, desto weniger bedürftig werden wir nach der Liebe und Zuwendung eines "idealen" Partners lechzen!
Natürlich gibt es Menschen, mit denen wir uns ein Leben lang verbunden und von denen wir uns geliebt fühlen und die uns immer nahe stehen. Das können Eltern, Geschwister, Kinder, Freunde und manchmal sogar auch ein Partner sein.
"Wer suchet, der findet!" behauptet eine Volksweisheit.
Bei mir war es bisher stets umgekehrt: Ich wurde gefunden!
Nicht immer hat sich dieses "Gefundenwordensein" auf Dauer als tragfähig heraus gestellt. Und so habe ich manche Menschen auch wieder verloren, während einige geblieben sind. Aber Qualität kommt ja bekanntlich vor Quantität!
Wie schrieb mir schon meine Großmutter in mein Poesiealbum:
"Vielen teile deine Freuden. Allen Munterkeit und Scherz. Wenig Edlen deine Leiden, Auserwählten nur dein Herz!" Nicht immer habe ich das beherzigt, aber
doch immer öfter!
P.S. Wer irrtümlicherweise vermuten könnte, dies wäre als "Belehrung" gedacht, dem sei gesagt, dass dies mitnichten meine Intention ist. Ich "fabuliere" aus Lust an der Freud und hoffe auf interessante, weiter führende Beiträge und einen regen Erfahrungs- und Gedankenaustausch.
Bild: "Der ideale Gatte" (Theaterplakat)
