Der Junge nervte mich...

"Mir fiel sofort dieser Fünftklässler ein, als ich das neue Monatsmotto unserer Jugendgruppe las: 'Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.' Dieser Junge fiel oft negativ auf. In der Pause kam er meist zu uns Älteren und fiel uns durch sein abstoßendes Benehmen wirklich auf die Nerven. Ich wußte zwar, dass er vorher im Internat war, auch dass seine Mutter gestorben war. Er suchte Kontakt, das war klar, aber auf diese verletzende Art bewirkte er das  Gegenteil.

Jedoch drängte es mich innerlich, etwas für diesen Fünftklässler zu tun. Ich nahm mir vor, auf ihn zuzugehen, ihm freundlich zu begegnen, ihm vielleicht ein Lächeln zu schenken oder sowas. Doch irgendwie klappte es nicht. Ich sah ihn kaum und wenn, dann immer nur von weitem.

Der Monat verging, und ich war enttäuscht, dass ich mein Vorhaben nicht verwirklicht hatte.

Doch dann - am letzten Wochenende des Monats - war an unserer Schule ein 'Tag der offenen Tür'. Unsere Klasse hatte einen Stand, und wir verkauften Waffeln und Kuchen.

Gegen Mittag sprach mich eine Freundin an: "Hier sind zwei Fünftklässler. Die wollen zwei Stück Kuchen, aber sie haben nur Geld für eines. Was machen wir denn da?" Als ich aufblickte, stellte ich fest, dass mein 'Kandidat' dabei war.

Das war meine Gelegenheit! "Ach, das kriegen wir schon hin", antwortete ich und zwinkerte meiner Freundin zu. Sie verstand und war einverstanden.

"Sucht euch zwei Stück aus", lud ich die beiden Jungens ein. "Ja, das geht?", fragten sie verwundert. Schneller, als wir schauen konnten, griffen sie zu und  verschlangen die Kuchenstücke. Als wir sahen, wie ihre Augen leuchteten, boten wir ihnen auch noch kostenlos zu trinken an.

Auf dem Nachhauseweg kamen sie eigens noch einmal an unserem Stand vorbei, um sich bei uns zu bedanken. Und ich meinerseits bedankte mich bei Gott für diese Gelegenheit, denn ich war froh und hatte eine unbeschreibbare Freude in meinem Herzen." 

T.S.  (17 Jahre)

*  Name geändert