Der Kahn

In einer Biegung im Fluss,
an einer versteckten Stelle,
liegt ein Kahn.
Der Kahn liegt da,
als warte er nur auf uns,
als wäre er nur für uns gerichtet,
der Wirklichkeit zu entfliehen
und einzutauchen in die Phantasie.

Eine Fahrt auf dem Fluss,
begleitet nur
vom zeitweiligen Ruderschlag
und dem Wasserkreisel der Libellen,
die ihre blaue Neonröhre
zuweilen im Wasser
zum Vibrieren bringen -
so hat es zumindest für mich den Anschein -
und auch der Fluss vibriert
unter der Last des Kahns -
von wegen Leichtigkeit des Seins:
Wir sind beladen
mit unseren Empfindungen
und dem romantischen Rest
einer Flucht,
die wir so oft geübt haben
in unseren Vorstellungen
und in den Sommerabenden am Fluss.

Und immer hat uns der Kahn
durch die Träume getragen
und wir sind
an der Sehnsucht entlag geglitten
und die Sehnsucht
wurde stärker und stärker,
mit jeder Biegung des Flusses.
Und immer haben wir geglaubt,
hinter der nächsten Biegung
müsste das offene Meer beginnen.

Aber dann kamen wieder
die Wellblechhütten.
Die Indiokinder
standen nackt davor
und winkten.
Auch für sie weckt der Fluss Sehnsucht -
und erstickt sie sofort
in der nächsten Biegung.
Ein Fluss
der unendlichen Windungen.
Irgendwann aber
verliert er sich im Meer.