Heute besitzt die Dame des Hauses ebenso ein Auto wie der Herr. Beide Fahrzeuge müssen gewartet werden. Die Dame nutzt gern eine Werkstatt, der Herr des Hauses wirft diesen Wucherern natürlich nicht sein sauer verdientes Geld in den Rachen und wartet sein Fahrzeug selber.
Sie fährt schnurstracks zur Firma Brassel und Murks, erklärt dort mit unschuldigem Gesichtsausdruck, dass sie leider den fälligen Ölwechsel um knapp 12.000 Kilometerchen verpennt habe und muss nur ihren Schlüssel einem südländisch wirkenden Burschen aushändigen, der vorgestern noch in den Kindergarten ging.
Dieser Bursche fährt elegant ihren Wagen über die Grube und ist ihrem Blick entschwunden, da ein Kaffee nach Wahl im Aufenthaltsraum neben der Werkstatt wartet.Gerade schlürft sie am letzten Drittel ihres Milchkaffees und hat auch die Blödzeitung mit dem leicht öligen, schwarzen Rand noch nicht durchgelesen, steht der junge Bursche schon vor ihr.
„So, fertig!“
„Schon? Sie sind ein Zauberer!“
Mit Erstaunen sieht die Dame, dass der junge Mann verlegen wird bei so viel Lob. Seine Ohren werden knallrot, was doppelt zählt, weil es bei dunklen Hauttypen schlecht erkennbar ist.
Der Bursche, der (fast?) ihr Enkel sein könnte, beginnt sie zu reizen. Sie schenkt ihm einen ihrer ganz tiefen Blicke und freut sich wie Bolle, weil der junge Mann nun so konfus ist, dass er fast über seine eigenen Beine stolpert. Als er ihr bei der Übergabe des reichlichen Trinkgeldes auch noch zwei Reihen blendend weißer Zähne zeigt, sind ihre Gefühle nicht mehr rein mütterlich.
„Wäre gut, wenn Sie nach 15.000 Kilometern den nächsten Ölwechsel machen lassen. Sie wissen ja, es geht ganz schnell, “ erklärt der junge Mann und sieht sie mit Augen, dunkel wie Zartbitterschokolade, an. Sie nickt und steigt schnell ins Auto.
Nun ist sie konfus. Flirtet der mit ihr? Der Gedanke beschäftigt sie bis in die Nacht. Ihre Finanzen sind um 65 Euro geschrumpft, was auch mit dem Trinkgeld zu tun hat.
Männer machen alles selber.Sie fahren ins Zubehörgeschäft, werden ca. EUR 70,- für Öl, Filter, Ölbinder, Reinigungscreme und einen Duftbaum ausgeben.
Dann suchen sie zusammen, was Mann so braucht. Natürlich ist der Behälter für Altöl voll. Anstatt ihn zur Tankstelle zu bringen, wird Mann das Öl in ein fix ausgehobenes Loch im Garten schütten.
Dann gönnt Mann sich erst mal eine Flasche Bier.
Um das Fahrzeug aufzubocken, muss Mann vorher 30 Minuten lang die Klötze dafür suchen, wird sie unter Sohnemanns Tretauto finden.
Vor lauter Frust wird eine weitere Flasche Bier geöffnet.
Auto aufbocken, Ablasswanne unter den Motor schieben. Mist, wo ist der 16er Schlüssel? Nach einer Stunde wird Mann die Suche aufgeben und den verstellbaren Schlüssel verwenden, die Ablassschraube lösen und sie in die Wanne mit dem heißen Öl werfen, dass es spritzt, er wird sich dabei mit Öl beschmieren, die Sauerei aufputzen und bei einem weiteren Bier beobachten, wie das Öl abläuft.
Die Suche nach der Ölfilterzange wird er aufgeben, den Ölfilter mit einem Schraubendreher einstechen und abschrauben. Darauf erst mal ein Bier. Der Kumpel taucht auf. Er wird die Bierkiste mit ihm zusammen leeren. Ölwechsel verschiebt Mann auf morgen.
Nächster Tag: Ölwanne voll mit Altöl unter dem Fahrzeug vorziehen, Bindemittel auf das Öl streuen, das während dieses Arbeitsvorganges verschüttet wurde. Bier - nein, das wurde ja gestern getrunken.
Mann wird zum Getränkemarkt gehen, Bier kaufen, den neuen Ölfilter einbauen, dabei einen dünnen Ölfilm auf die Zylinderkopfdichtung aufbringen, bevor er den ersten Liter Öl in den Motor einfüllt.
Nun muss es schnell gehen, denn plötzlich fällt ihm die Ablassschraube ein. Schnell die Schraube in der Ablasswanne suchen, die mit dem Altöl zusammen im Garten entsorgt wurde.
Er wird erst mal ein Bier auf den Stress trinken, das Loch wieder ausheben, nach der Schraube suchen, indem er das ausgehobene Erdreich siebt und den ersten Liter frischen Öls auf dem Boden der Garage wiederfinden.
Darauf muss er ein Bier trinken und beim Anziehen der Ablassschraube mit dem Schraubenschlüssel abrutschen und sich die Fingerknöchel an der Karosserie anschlagen.
Mit wüsten Flüchen haut er nun den Kopf auf die Bodenfliesen und schleudert den Schraubenschlüssel weg. Der Schmerz überdeckt den am Fingerknöchel. Neue Flüche folgen, weil der Schraubenschlüssel die an der Wand angepinnte Miss Dezember in die linke Brust getroffen hat.
Nun braucht der Mann erst mal ein Bier, wird Hände und Stirn reinigen, dann vorschriftsmäßig verbinden um den Blutfluss zu stoppen.Darauf ein Bier, besser zwei. Vier Liter frisches Öl werden eingefüllt, darauf ein Bier.
Nun kann er das Auto von den Böcken ablassen, einen der Klötze dabei kaputtmachen, das Fahrzeug zurücksetzen, danach Bindemittel auf das verschüttete Öl streuen.
Die Arbeit verlangt nach Bier.
Bei der Probefahrt wird er auf die Seite gewinkt und wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss verhaftet. Das Fahrzeug wird abgeschleppt, er muss Kaution stellen, sein Fahrzeug vom Polizeihof abholen.
Ausgaben: Teile: EUR 70,-, Anzeige wegen Trunkenheitsfahrt: EUR 200,- Abschleppkosten: EUR 150,- Kaution: EUR 200,- Bier: EUR 30,-
Gesamt: 650 EURO
PS. Sorry Jungs, aber ihr erwartet doch nicht ernsthaft, dass wir Frauen in dieser Satire schlecht abschneiden?
