Nun wurde es ernst! Sie konnte doch nicht mit diesem jungen Burschen…sie hatte sich schon viel zu viel gefallen lassen, das ging doch nicht!

„Ich..ich muss noch arbeiten!“

Sonderlich energisch klang ihre Stimme nicht. Leider hörte man ihre Verwirrtheit, ihren Kampf mit sich selbst heraus. Besonders er! Mit diesem leicht spöttischen Lächeln sah er sie an. Wieder hatte sie das Gefühl, er sähe bis in ihren Kopf, in ihre Gedanken, ihre Gefühle.

Trixi ahnte, warum er jetzt auf dem Bauch im Sand lag und ihr, mit auf die Hände gestütztem Kopf zusah, wie sie, völlig konfus,  ihr Strandkleid überstreifte, in die Sandalen schlüpfte und sich eiligst mit ihrer Tasche entfernte. Das war eine Flucht.

Trixi war noch keine fünfzig Meter entfernt, da rief sie sich schon ins Gedächtnis, dass sie nicht mehr fliehen wollte. Wie viel war von ihren Vorsätzen geblieben? Wie weit ließ sich diese Spielerei verantworten?

*Vor wem musst du die denn verantworten?*

+Vor dem eigenen Stolz. Du willst doch nicht wieder als Spielzeug für jemanden fungieren? Der kann doch jede Frau haben, was will der wohl mit dir?+

*Obwohl es sich bestimmt lohnen würde. Der weiß genau, was er tut!*

+Ja, und du doch auch, oder?+

Fast hatte Trixi das Gefühl, Pro und Kontra säßen, für jeden sichtbar, auf ihren Schultern bei diesem Streitgespräch

Bis zum nächsten Morgen hatte sie sich wieder beruhigt. Das Wetter war gut, doch nicht mehr so strahlend wie den Tag zuvor. So ging sie mit dem Fernglas den kleinen Trampelpfad entlang zum Meer, blieb aber auf der Wiese, um die Vögel am Strand nicht zu verscheuchen. Etwas weiter links floss ein schmaler Bach über den Strand in die Wellen. Sein Bett war voller kleiner Kiesel, die wie eine Insel im Sand aussahen. Die beginnende Flut schob sich ständig weiter ans Ufer und die Kiesel klackerten  in zahlreichen Melodien zum Takt der sich nähernden Wellen. Eifrige kleine Steinwälzer pickten flink die Steine nach Insekten ab, bevor das Wasser ihre Nahrungsquelle gänzlich bedecken konnte. Silbermöwen patrouillierten über den Schaumkronen und trugen Beute in die entgegen gesetzte Richtung der Steilküste, dahin, wo der Leuchtturm stand. Natürlich war Trixis Neugier zu stark. Wozu die Jacke holen, es war warm und sie wollte nur bis zu der Ecke gehen, nur mal eben sehen, was dahinter lag.

Sie entdeckte eine malerische Bucht, die leider kaum Sand zwischen den Steinen hatte. Hinter der Biegung war es unten am Strand fast windstill. Dicke algenbewachsene Steine lagen hier im Sand und zahlreiche Vögel trippelten dazwischen herum, labten sich an den Schnecken und Sandwürmern. Auch hier machte sich die nahende Flut bemerkbar. Steine, die kurz vorher noch aus dem Wasser schauten, waren plötzlich davon bedeckt, doch die Vögel kamen automatisch immer näher. Sandregenpfeifer, Austernfischer, Nebelkrähen, alle wollten sich noch satt fressen, bevor der gedeckte Tisch im Atlantik verschwand.

Viel zu spät wurde ihr klar, dass die windstille Bucht mit der abgenagten Lehmkante, die gut 2 Meter hoch recht steil zum Strand abfiel, zur Falle geworden war. Die beiden Seiten, die weiter zum Wasser lagen, wurden schon von den Wellen umspült und die Bruchkante hinter ihr zeigte auch deutliche Spuren von Wellen, die ihr jetzt schon bis vor die Füße rollten. Die kurze Strecke senkrecht zu klettern war leicht, zumal auch einige Vorsprünge zu sehen waren. Viel Zeit blieb nicht.

Die Wogen kräuselten sich vom Wind und die Wellen schlugen kraftvoll an den Strand. Sie hatte schon die Hälfte geschafft, als sich der heraus stehende Stein, auf dem sie stand, mit einem Plopp aus der Wand löste und sie mit sich riss. Mit dem Hintern zuerst landete sie Gottlob auf einem sandigen Stück, was eine übermütige Welle spontan als Aufforderung verstand. Bevor sie sich auch nur zur Seite drehen konnte, schwappte das Nass fröhlich gluckernd über ihrem Kopf zusammen. Noch im Fallen erkannte sie die Komik der Situation  und lachte. Unter Wasser recht unpassend, denn sie spürte schnell, dass dieses Wasser eiskalt, sandig und von hohem Salzgehalt war. Sie spuckte ein Stück Alge aus und schüttelte den Kopf über ihre eigene Dummheit.

Da sie nun eh tropfnass war, watete sie durch das Wasser zu einer Stelle, in der dicke Steine fast wie Treppen aus der hellen Erde schauten. Bevor sie diese erreichte, musste sie eine Rinne durchqueren, in der das Wasser ihr bis an die Taille reichte. Die mächtige Welle kam natürlich genau im falschen Moment, schlug gegen die steile Wand, prallte daran ab und kam nun von vorn, packte das um ihren Hals hängende Fernglas und knallte es gegen ihre Stirn. Spuckend dachte sie, dass dieses Wasser Hände hatte! So schnell sie konnte kletterte sie an den dicken Steinen empor. Oben empfing sie eine steife Brise. Der Wind versuchte  Eisblumen auf ihre Knochen zu malen, ihre Zähne klapperten wie Kastagnetten beim Flamenco.

Ganz in der Nähe schaute das Wellblech eines Daches aus der hügeligen Landschaft. Ob sie sich da trockene Kleidung leihen konnte? Es war ja so etwas wie ihr Nachbar. Das Haus war eher eine komfortablere Hütte, die sie unverschlossen und menschenleer vorfand. Wenigstens blies ihr der kalte Wind nicht mehr so durch die tropfnassen Maschen des Strickpullis, der wie ein Sack an ihr herunter hing. Auf einer Kiste entdeckte sie eine Cordhose und einen der typischen Troyer. Handtücher lagen frisch und gefalten neben einer Waschgelegenheit. Schnell zog sie sich aus, rubbelte mit den Handtüchern, die mit Weichspülern nie in Berührung gekommen waren, gegen ihre Gänsehaut an. Der Himmel wurde dunkel und einer der typischen Schauer klatschte seine dicken Tropfen gegen das Fenster. In dieses Prasseln mischte sich das Geräusch von schweren, schnellen Schritten, die sich der Hütte näherten. Flink sprang sie hinter den Vorhang, der die kleine Bettnische vom übrigen Raum trennte und spähte durch ein Loch im Gewebe.

Als hätte sie es geahnt! Mit einem gälischen Fluch warf er die Türe hinter sich zu,  riss sich sofort den Pullover vom Körper, ließ sich auf den kleinen Schemel fallen, zog die patschnassen Stiefel von den Füßen und pellte sich aus den klebenden Jeans. Entweder trug der keine Unterhosen oder er hatte sie gleichzeitig mit der Jeans ausgezogen. Sein Hintern stellte sämtliches Können der Bildhauer von griechischen Statuen in den Schatten. Als er mit schnellen Schritten zur Nische eilte, schloss sie dummerweise ihre Augen, ohne zu wissen, warum eigentlich. Sehe ich dich nicht, siehst du mich nicht? Er wollte aber nur die Cordhose und den Pulli, den sie schon auf der Kiste neben der Bettnische entdeckt hatte.

Er rubbelte sich gerade die Beine ab und streckte ihr seinen knackigen Hintern entgegen….nur einmal drauf klatschen….mühevoll widerstand sie der Versuchung. Er stieg in die Cordhose und warf sich das Handtuch über die Schulter, während er aus dem Fenster gen Himmel sah. Wasser tropfte ihm aus den Haaren auf seine breiten Schultern, rollten wie Tränen die goldbraune Haut auf seinem Rücken herunter. Mit beiden Händen strich er sich das Haar über den Kopf in den Nacken und umschlang es mit einem Lederriemen. Er griff nach dem Pullover und stockte mitten in seiner Bewegung. Wie in Zeitlupe bückte er sich nach Etwas, das am Boden lag. Ihre Kleidung! Natürlich lag das weiße, blütenbestickte Set aus HB und Slip in seiner Hand als er wieder aufrecht stand.

Gemächlich kam er zum Vorhang, schob ihn ein Stück zur Seite und schien zu wissen, wen er vorfinden würde.

„Meine Loge, deine Bühne…“ flüsterte er dicht an ihrem Ohr und sah dabei aus wie ein Tiger vor dem Beutesprung. Er machte eine einladende Handbewegung zur Raummitte. Als sie zögerte, fügte er mit funkelnden Augen hinzu

„Gleichberechtigung….die wollt ihr doch immer, oder?“

„Äh, ich bin noch aus der Generation, wo Frauen den Kavalier in einem Man erwarten…“ ihre Stimme zitterte.

„Gibt es die noch? Ich bin wohl keiner. Was würde so ein Kavalier denn nun tun?“

*Mich küssen und anschließend ins Bett schleppen*

+das wirst du ihm nicht sagen!+

Es fiel ihr schwer,  klug zu antworten

„Er böte mir die trockene Kleidung an, damit ich nicht erfriere!“

„Der würde dann  nackt vor der Dame rumlaufen und lieber selber erfrieren? Kein Wunder, dass Kavaliere ausgestorben sind!“

Sie musste lachen. Humor hatte der auch noch.

 *Wenn er weiter so da steht, die Strahlen der gerade mal wieder scheinenden Sonne wie einen Heiligenschein um seinen Superbody drapiert, kann es gut  möglich sein, dass mir Methoden einfallen, die ihn wärmen.*

Ihre Gedanken standen im  Gegensatz zu der eher abwehrenden Haltung ihres Körpers.

„Im Sinne der Gleichberechtigung möchte ich um eines der zwei trockenen Kleidungsstücke bitten. Im Gegenzug darfst du gern die beiden nassen Teile weiter in der Hand halten“.

Er kam noch einen Schritt näher und der Blick aus diesen grünen Augen ging ihr prickelnd unter die Haut bis auf die Knochen. Er hob ihre Unterwäsche langsam bis vor seine Nase und sog ihren Duft tief ein. Ein Finger seiner freien Hand strich ihr die Haare aus dem Gesicht, folgte der Kontur ihres Kinns, wanderte über den Hals, streichelte den Rand ihres Schlüsselbeins, glitt runter bis zum Brustbein und stoppte am Rand des Vorhangs, den sie mit beiden Händen wie ein Schild über ihren Brüsten zusammen hielt.