"Im ersten Moment war ich etwas überrascht. Unsere Kinder hatte einen Nachmittag bei ihren Großeltern verbracht. Als ich kam, um sie abzuholen, saßen sie ganz einträchtig alle auf dem Sofa bei einem jungen Mann aus Mosambik, den meine Schwiegereltern zum Kaffeetrinken eingeladen hatten.

    "Die sitzen schon den ganzen Nachmittag da", meinte die Oma. "Sie haben auch schon alles geklärt, wissen alles über seine Familie, warum seine Handflächen weiß sind, warum er solche Haare hat und warum er überhaupt so schwarz ist."

    Die Vertrautheit der Kinder übertrug sich auf mich. Sie hatten auch die Idee, Jules - so hieß der junge Mann - zu uns nach Hause zum Weihnachtsfest einzuladen. Er wohnt schon seit einigen Jahren im Studentenwohnheim.

    Die Kinder begannen sofort, begeistert zu basteln. Wir wollten ihm die Familie sein, die er hier nicht hat und die er so sehr vermißte.

    Am Heiligen Abend war die Überraschung und Freude groß, denn nicht nur wir hatten uns auf ihn vorbereitet, sondern auch er hatte sich ganz auf uns eingestellt, auf unser deutsches Weihnachtsfest.

    So waren wir gegenseitig die Beschenkten. Er hatte für jeden von uns ein Geschenk, jedes liebevoll verpackt. Zusammen gingen wir in die Christmette, für ihn ein besonderes Geschenk, weil er Weihnachten so noch nie erlebt hatte.

    Im kommenden Sommer, wenn seine Verlobte aus Afrika herkommen kann, möchte er hier heiraten. Vor kurzem hat er uns gefragt, ob wir stellvertretend für seine Familie die Hochzeit mit ihm feiert könnten."   A.B.