Da lernen sich zwei kennen … Erste kleine Käbbelei über Mail, die sie schmunzelnd überstehen … Es folgen Telefonate … Erstes reales Wort-zu-Wort-Abtasten … prickelnd … schön … könnte ja gerne ewig so weitergehen … Aber, die Frage der Fragen lässt nicht lange auf sich warten: „Wann sehen wir uns, denn ich bin geil auf dich?!“
Hmmm, eiskalte Dusche oder eher: Lieber gestern als heute?
Irgendwie sitzt frau da vielleicht zwischen zwei Stühlen … Auf der einen Seite sagt der Teufel: „Womit hast Du ein Problem?“ Während auf der anderen Seite der Engel sagt: „Nimm dir bloß nicht die schöne Zeit bis zum Höhepunkt … Alles hat eben seine Zeit …“
Hat es das wirklich?
Jeder weitere Austausch zwischen dem Neuen und ihr wird von Tag zu Tag intensiver, was vielleicht sogar logisch ist, denn da sind zwei Menschen, die neugierig auf sich sind. Der Engel hüpft und freut sich, kann er sich doch entspannt zurück lehnen und muss mit dem Teufel nicht in einen Disput treten. Während der Teufel immer wieder anklopft und sagt: „Nun gib dir mal einen Ruck, ich brauche schließlich Futter für die Hölle …“
„Betrachte ihn doch einfach als deinen neuen, zukünftigen Ex-Freund, dann hast du auch kein Problem damit, was geschehen könnte …“, stichelt der Teufel weiter.
Ah, ja, denkt frau, so kann man es natürlich auch sehen …
„Außerdem“, ereifert sich der Teufel, „kann dir morgen ein Dachziegel auf den Kopf fallen, und was haste dann? Da schauste an der Seite vom Engel von oben herab und siehst den Neuen sich mit ner anderen vergnügen …
Schluck … ist eben auch eine Sichtweise …
„Also, also“, mischt sich der Engel ein, „wer wird denn gleich den Teufel an die Wand malen?“
„Ne, auf Gemälde von mir stehe ich nicht“, entgegnet der Teufel, „ich will die Beiden hier in der Hölle, und zwar schnell … nach diesem Rausch muss eh erst mal der Vulkan zur Ruhe kommen. So schicke ich sie dir anschließend mal zur Verschnaufpause in den Himmel! Kannst sie dann auf die Wolke Nr. 7 setzen und Nebel wegschlürfen lassen, damit sie gleich wieder in die Hölle wollen …“
„Mir wäre es aber lieber, wenn sie schön langsam voran gehen, denn nur die Unbefleckten kommen in den Himmel“, entrüstet sich der Engel, „Ausgebrannte kann ich hier oben nicht gebrauchen …“
„Stopp, vielleicht habe ich ja auch noch eine Meinung“, versucht frau ihren Engel und Teufel zu beruhigen. „Die da wäre?“ fragt der Teufel neugierig. „Na ja, ich habe halt viel zu tun, da sind Verpflichtungen …“
„Papperlapapp, komm zur Hölle, anstatt Gründe zu suchen unbefleckt zu bleiben“, entrüstet sich der Teufel.
„Wer redet denn hier gleich vom Ziel? Es kann sich doch auch einfach erst einmal alles entwickeln“, entgegnet der Engel, „außerdem finde ich die Sichtweise, dass der Neue gleich als zukünftiger Ex gesehen wird sehr traurig …“
Nun wird der Teufel richtig ungehalten: „Was kann es Schöneres geben, als die Tiefe der Hölle auszuloten?“ Der Engel hält dagegen: Was kann es Schlimmeres geben, als eine einzige Fahrt zur Hölle und darin verbrennen, weil es keinen Weg zum Himmel gibt?“
„Herr im Himmel“, schimpft das Teufel.
„Na, na, na“, sagt der Engel.
„Die Hölle von gestern, ist Asche von gestern, die Hölle von morgen bringt vielleicht nur Sodom und Gomorrha … aber die Hölle im Hier und Jetzt, die frisst dich auf. Lieber einmal aufgefressen, als nie gegessen …“
„Wer sagt denn, dass es so kommen muss? Was lange währt, wird ewig …“, entgegnet der Engel.
„Kruzifix, was will ich mit der Ewigkeit, wenn ich die Hölle haben kann?“
Der Engel lacht und sagt: „Was schnell verbrennt, ist schnell verraucht …“
Kommt man da auf einen grünen Zweig? Irgendwie nicht, oder? Was nun?
Da meldet sich das Gewissen und sagt: Man begehrt, was man täglich sieht …“
Wie einfach ist doch das Leben …
Sarah
