Der Pubertist oder: Zeit der Entfremdung

Ein Mensch, der wirklich schwierig ist,
und das vermerk ich ohne Wonne,
das ist und bleibt der Pubertist –
einst war ich seine ganze Sonne…

Mein Mann beruhigt mich stets: „Laß los!
Auch dieses Alter gibt sich!“
Doch ich frag mich: Was mach ich bloß
Mit diesen fremden Einssechundsiebzig?

Will ich was, hat er niemals Zeit.
Die Zimmertür ist fest verriegelt.
Ernst schaut er, ohne Heiterkeit,
seine Lippen wie versiegelt.

Sind seine Kumpel zu Besuch,
hör ich ihn laut und herzhaft lachen.
Liegt denn auf mir ein böser Fluch,
bin ich auf mal ein mieser Drachen?

Der Blick ist kühl, er macht ganz zu,
ist wie die Türe ganz verschlossen.
Wo ist mein offener Junge hin?
Ach, wie hab ich den genossen…

Jetzt ist da dieses große Trumm,
samt Pickeln, Jeans und Überheblichkeit.
Geht weg und schau sich nicht mal um –
Ich denk: Jetzt ist es auch bei uns so weit.

Ich nöl, er geht die Wände rauf,
ich mecker und er knallt die Türe.
Er räumt nun mal kein Zimmer auf,
und ich werde zur Walküre.

Ich will Gehorsam, bin voll Zorn,
und er beharrt auf Eigen-Sinn.
Vor Wut schwillt dann auch ihm das Horn,
wir knallen's uns gegenseitig hin.

Und wenn ich dann recht traurig bin,
mag keine Mutter länger sein,
mich frag: Wo führt das alles hin?
Kommt er aufs Mal ins Zimmer rein.

Steht krumm, so Marke „Eierdieb“:
„Der Streit von vorhin tut mir leid!
Ich hab dich eigentlich ganz lieb,
und ich will nicht dauernd Streit!“

Da weicht das Herz mir wie die Butter
In der legendären Sonne.
Da bin ich gerne wieder Mutter –
und er ist wieder meine Wonne.

Dann nehme ich ihn in den Arm –
- er riecht schon wie ein Kerl nach Schweiß -
Genieß den Pubertisten-Charme
und denke: Fuffzehn! Watt’n Scheiß!




BUCHTIPP

Für Betroffene, oder wenn Ihr Betroffene kennt und ein Geschenk braucht: es gibt ein rasend komisches Taschenbüchlein (8 EU) über diese Spezies, es heißt:
Homo pubertensis. Tipps zum störungsfreien Umgang mit Heranwachsenden / von Ulla Atzert