Der Rosengarten.
Samstag früh auf der Avenue della morte.
Welcher Garten darfs denn sein, fragte der Kassierer und Philippe antwortete, der Rosengarten.
Fffffff, pfiff der Kassierer still vor sich hin, gleich das teuerste Stück, aber wie Sie wollen, mein Herr, das macht dann 300 Pesetas.
Philippe zahlte ohne eine Regung und erhielt den Umschlag mit dem Code.
Gehen sie vorsichtig damit um, wenn Sie ihn verlieren gibt es keinen Ersatz. Ich weiß murmelte Philippe, grüßte und verließ das unscheinbare Büro der Träume.
Den mitleidsvollen Blick des Kassierers bemerkte er nicht.
Zwei Stunden später.
Philippe betritt die Rezeption des Stundenhotels zum einsamen Glücke, bucht Zimmer 117 und öffnet die Tür, nachdem er den Code aus dem Umschlag eingegeben hat.
Das Hologramm aktiviert sich und Gertlinda winkt ihm zu, komm her Philippe, komm, riech mal. Sie hält ihm eine frisch gepflückte Rose entgegen, hmmmm, was für ein Geruch, ich könnte darin baden, Du nicht auch Geliebter ?
Komm, halt mal, sagt sie zärtlich zu ihm, er greift zu, aua.
Du Dummerchen, natürlich haben Rosen Dornen, komm, laß, schmerzt es schlimm ?
Ihre Lippen küssen die kleine Wunde, streicheln seinen Kopf, bevor sie spitzbübisch lachend davonrennt, komm doch, komm doch.
Philippe rennt hinterher, erreicht sie auf dem Hügel, umfaßt ihre Taille und drückt sie schmerzhaft, allen Frust von sich ablassend, an sich.
Hui, bist Du aber stürmisch heute, wehrt Gertlinda leicht ab, komm, laß uns durch den Garten schlendern.
Erst jetzt schaut Philippe sich um und erschrickt ob der Schönheit der Landschaft. Paradiesisch angelegt führen Wege durch ein Meer von Blüten, Pflanzen, Bäumen und Wiesen.
Zwei, drei Flüsse schlängeln sich durch diese makellos schöne Landschaft, senden, getroffen vom Licht der Sonne, Strahlen in die Augen des Betrachters, machen trunken vor Wonne, vor Lust, da drin zu baden, zu schwimmen, das andere Ufer zu erkunden.
Am Horizont glitzert das Meer, dessen Blau nahtlos in einen strahlend blauen Himmel übergeht.
Über all dem ziehen Schäfchenwolken, bilden bizarre Gebilde, zu reizen, zu erkunden, was Dies oder Jenes wohl darstellen möge.
Erschrocken erwacht Philippe aus seinem Tagtraum, Gertlinda ?
Hier, ruft sie aus einiger Entfernung, komm hilf mir, wir sammeln Blütenblätter, Rosen, Salbei, gerne auch Thymian und Minze, das schütten wir dann in das Bad und lassen es uns gut gehen, einverstanden ? Oh ja, nickt Philippe versonnnen und fleißig sammeln Beide Unmassen von Blüten, mal in sich versonnen, mal sich neckend und liebkosend, bis sie eine kleine einsame Thaihütte erreichen. Du, das muß es sein flüstert Philippe, aber ja doch mein Schatz flüstert sie, das ist es, erinnerst Du Dich noch ?
Ja, haucht Philippe, damals, als wir noch jung waren ...
Ach komm, wehrt Gertlinda ab, sooooooo alt sind wir nunne auch noch nicht.
Los, komm und fröhlich kichernd rennt sie bis zur überdimensionalen Badewanne, welche fast den gesamten Raum einnimmt, schüttet zuerst die Blüten aus ihrem großen Weidenkorb hinein, danach aus dem Seinen, dreht sich um und beginnt ihn langsam, vorsichtig, ganz zart von unten nach oben hin auszuziehen, immer wilder werdend, bis sie ihn packt und in das flauschige Blütenbett stößt.
ERROOOOOOOR, ERROOOOOOOR, ERROOOOOOOR, ERROOOOOOOR, ERROOOOOOOR, ERROOOOOOOR ..., laut schrillt die Ansage durch das kahle Zimmer 117, Philippe weiß nicht, wie ihm geschieht, Schläuche, Tücher, Tentakeln, Membranen, Sensoren hängen an ihm herum, sein Kopf steckt in einem geschlossenem Taucherhelm, der von grellen Blitzen, wabbernden Nebeln, giftig grün, rot, gelb durchzuckt, durchstrahlt, durchdrungen wird.
Aus dem Nebel stößt ein fratzenhaftes, grinsendes Medusengesicht auf ihn zu. Die Augen blitzen, werden ihn marmorieren, gleich, Gertlinda ...
... Puhhhhhh, stöhnt die Dispatcherin Jana, DAAAAAS ging ja gerade so noch einmal gut.
Wie geht es Ihnen ?
Leicht benebelt, schwindelig, faßt Philippe sich an den Kopf.
Wie geht es Ihnen, hallo, hören Sie mich ???
Jaja haucht Philippe, doch, doch, es geht schon.
Ok, hören Sie, wir hatten einen Serverabsturz, gehen Sie runter zur Rezeption, wir stellen Ihnen einen Gutschein aus. Den können Sie innerhalb eines viertel Jahres bei uns einlösen. Haben Sie mich verstanden ?
Jaja, Philippe erhebt sich, leicht taumelig noch, will das Zimmer verlassen, halt, halt, irritiert dreht er sich noch einmal um.
Vergessen Sie das nicht, freundlich lächelnd reicht sie ihm seine Atemschutzmaske.
Das brauchen Sie heute sicherlich, wir haben Smogwarnstufe IV.
Philippe schüttelt nur leicht, unmerklich den Kopf.
Der Rosengarten
Der Rosengarten.
Eine kleine Erzählung.
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