Er saß wie gelähmt. Mit trockenem Mund. Kalter Schweiß bildete sich auf seiner Stirn. Er wusste, er war der Nächste. Gleich würden sie ihn holen. Seine letzte Stunde hatte geschlagen. Der Schweißfilm breitete sich auf seinem ganzen Körper aus. Er begann zu beten. Das erste Mal in seinem Leben. Zu allen Göttern dieser Erde bat er um Hilfe. Tief im Inneren wusste er, das diese ihm nicht zuteil werden konnte…

Sein Körper befand sich im Alarmzustand. Zum Schweiß gesellte sich eine Gänsehaut, die ihm gleichzeitig die Nackenhaare hochstellte. Seine Augen starrten auf die Tür. Nicht fähig, den Blick zu wenden. Sein Atem flach und unregelmäßig. Das Herz raste, sein Puls flatterte. Sein Körper schwer wie Blei. Es schnürte ihm die Kehle zu und er litt unter massiven Schluckbeschwerden. Sein Mund völlig ausgetrocknet…

Er entwickelte fast überirdische Fähigkeiten. Fuhr seine Sensoren aus. Besonders sein Hörsinn schlug Alarm. Er hörte ihre Schritte. Ihre Stimmen. Sie kamen, ihn zu holen. Die Tür öffnete sich. Sie geleiteten ihn zu dem Ort, vor dem er sich so fürchtete. Der sein Ende bedeutete. Er sah ihn direkt vor sich. Überdimensional stand er vor ihm: der Stuhl. Dieser Stuhl, der ihn unbarmherzig zu sich rief. Ihm befahl, von ihm Besitz zu nehmen. Er folgte willenlos diesem Ruf…

Halb liegend, halb sitzend. Wie von Stahlklammern, die eine Flucht unmöglich machten, gefesselt. Ein stinkendes, zitterndes Häufchen Elend. Ein ganzer Kerl von fast zwei Metern. Über ihm dieses grelle Licht, in das er magisch angezogen und geblendet hineinstarrte. Nur abgelenkt, von diesem widerlichen Geruch, der sich in seiner Nasenschleimhaut ausbreitete und auch nicht durch die Flimmerhärchen gefiltert wurde. Erneut packte ihn nackte Angst…


Sein Schicksal war nun endgültig besiegelt. Die Pforte zur Hölle stand weit offen – da hörte er eine Stimme, lieblich und klangvoll. Zarter Duft hüllte ihn ein, eine zarte Hand lag auf seiner und er vernahm diese Worte: „Bitte, weit öffnen Herr Möller, so schlimm ist es doch gar nicht -


schließlich haben Sie ja schon lang genug gewartet“.


Fotograf: Torsten Lohse, Bildquelle Pixelio
Text © Doris Sponheimer