Hospizhelferin: Wenn ich dich auch nicht verstehen kann, will ich wenigstens noch etwas mit dir besprechen, solange es noch geht.
Tod: Und das wäre?
Hospizhelferin: Könntest du beim Sterben nicht auf so manche Extreme verzichten?
Tod: was sind denn für dich Extreme?
Hospizhelferin: Wenn z.B. ein hochintelligenter Mann im Kopf so verwirtt wird, dass er sich wie ein kleines Kind benimmt, daneben benimmt. Und wenn er das in lichten
Momenten selber merkt, wie er sich dann schämt! Oder eine schöne Frau, die in ihrem Schoß, mit dem sie Leben geschenkt hat, fürchterlich stinkende tumore hat. oder wenn kleine Kinder sterben...........
Tod: wem sagst du das. Ich könnte mir die Antwort einfach machen: Das ist das krankheitsbedingt. Aber auch für mich ist das oft unheimlich schwerr. Du kannst dir Begleitungen aussuchen, ich muss zu allen.
Hospizhelferin: Oder diese furchtbaren Schmerzen und seelischen Todeskämpfe, geht das nicht anders?
Tod: Ich muss zugeben: manches könnt ihr ja inzwischen selbst in eurer Palliativmedizin und Palliativpflege. Da seid ihr ja ganz schön erfolgreich, Menschen noch letzte erfolgreiche Lebensqualität zu geben. Aber bildet euch nciohts ein, ihr mögt noch so viel lindern, erträglich machen, beruhigen, ihr kommt weiterhin an eure Grenzen, auch wenn ihr sie weiter verschiebt.
Tod: Jetzt habe ich noch eine Frage an dich: wie hälst du es mit der aktiven Sterbehilfe? wie, wenn bei dir jetzt alle Schreckensbilder zutreffen?
Hospizhelferin: Na ja - es hört ja keiner zu.Mit Sterbehilfe ist ja nicht bei uns - Aber ehrlich gesagt - der Wunsch danach ist mir nicht fremd: selber frei den Zeitpunkt zu bestimmen zu können.
Tod: Du willst mich also nicht normal kommen lassen?
Hospizhelferin: Ich wäre entgegenkommend, würde dir doch Arbeit abnehmen.
Tod: Aber du weißt nicht, was dir dann entgeht. Das ist anders als der Kaiserschnitt bei der Geburt, wenn das Kind geholt wird, weil dernatürliche Weg lebensgefährlich versperrt ist. beim Sterben ist der natürliche Weg nie versperrt. Lebensgefahr besteht ohnehin. und selbst auf der letzten Wegstrecke kannst du innerlich noch gewinnen, dein Leben noch anders sehen im Entschwinden, und frei bist du auch, wenn du dich entscheidst, mich kommen zu lassen, egak wann und wie.
Hospizhelferin: Jetzt redst du, als würdst du ein Seminar für Hospizhelfer leiten, aber wenn ich einfach nicht mehr kann?
Tod: Ich wollte noch nie einen Menschen unnötig lange quälen,das ahbt ihr Menschen erfunden: lebensverlängernde Maßnahmen, und für dich wird es leichter als für die Menschen um dich herum, die dein Leiden nicht mehr mit ansehen können. Aber um die mußt du dich nicht mehr sorgen, die leben doch weiter.
Hospizhelferin: Das weiß ich auch, aber die meinen es doch gut mit mir.
Tod: Das können sie dir auch anders zeigen als mit der Sterbehilfe, die sollen mich vertrauensvoll machen lassen. Dazu bin ich doch da.
Hospizhelferein: Allmählich bekomme ich immer mehr Angst vor dir.
Tod: Ich hätte auch Angst vor mir, Achtung wäre mir allerdings lieber, wovor hast du denn die größte Angst?
Hospizhelferin: dass ich umsonst gelebt habe, dass z.B. die ganze Hospizarbeit für mich keinen Sinn hatte. Da haben wir vielleicht anderen einen richtigen Weg gezeigt, wie man die Ängste vor dem Sterben abbauen kann, schaffen es aber selber nicht, da komme ich mir vor wie ein Wegweiser, der anderen den richtigen Weg zeigt, ihn aber selbst nicht geht.
Tod: Vielleicht hast du dich etwas übernommen oder überscätzt. Das Allerschwerste bei eurem Sterben ist für mich, dass ihr nicht wisst und wissen könnt, wie es eigentlich geht.Es ist wie bei eurer Geburt, da wusstet ihr auch nicht, wie es geht, aber ihr musstet durch.
Hospizhelferin: Das magst du richtig sehen, aber nach der Geburt kam das Leben, nach dem Sterben, was kommt dann? Das könntest du mir wenigstens verraten. Vielleicht geht es mir dann besser.
Tod: Ich bin zum schweigen verpflichtet, du würdest mir ohnehin nicht glauben. Aber ich nehme a, du hoffst oder fürchtest einiges.
Hospizhelferin: Natürlich, irgendein Leben danach muss es für mich geben, ewiges kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen.Himmlisch oder höllisch kann es sein, das wird wohl auch meiner Lebensbilanz abhängen. Bisher hilft mir da noch mein Glaube, obwohl ich oft genug erlebt habe, dass er einen noch abhanden kommen kann, und ich habe erlebt, dass Menschen ohne Glauben auch gut und bewusst ihr Sterben angenommen haben.
Tod: Auf das Thema Glauben habe ich bei dir lange gewartet, damit tut ihr euch wohl in der Hospizbewegung ein bisschen schwer. Aber für mich ist es schon schwer verständlich, dass sogar die Christen so große Probleme mit mir haben. Euer Jesus ist zwar auch eines erbärmlichen Todes gestorben, aber er ist doch auferstanden, als bisher einziger Mensch wieder gekommen, daran glaubt ihr doch. Letztlich hat der mich doch klein gekriegt, auch mir meine Grenzen gezeigt, dass ihr immer noch und trotzdem so große Angst vor mir habt, will mir nicht in den Kopf.
Hospizhelferin: Mein Liebe , so einfach ist das auch nicht, wenn du Angst hast, hast du Angst, hat doch Jesus am Ölberg und am Kreuz auch gehabt, durch diese Todesangst musste er zunächst durch wie wir alle, die Auferstehung und damit die Hoffnung kam später. Aber du ahst Recht, die Hoffnung dürfen wir vor lauter Angst nicht verdrängen. Jetzt habe ich eben spontan "Mein Lieber" zu dir gesagt, ich zu geben, das Gespräch mit dir hat mir schon etwas geholfen. Allmählich wäre ich bereit, mit dir zu gehen.
Tod: Ich lasse dir noch ein bisschen Zeit, um das, was wir jetzt besprochen haben, den anderen weiterzu erzählen.
Der Tod und die Hospizhelferin Teil II
Szenen zu einer nah gehenden Beziehung - zum Nacherleben, Nachdenken und Aussprechen
Hat Ihnen der Artikel gefallen?
Ja, gefällt mir
Kommentare zum Artikel