Ein Samstagmorgen.
Heute darf ich im Bett bleiben, so lange ich will.
Doch um 8.00Uhr treibt es mich aus den warmen Federn. Der baldige Sonnenaufgang lässt sich schon erahnen, färbt sich doch der Morgenhimmel bereits rot.

Ab ins Bad, Badewasser einlaufen lassen und mein morgendliches Vollbad genießen.

Mein Liebster nennt diese Zeit, in der man nur mit sich und seinen Gedanken beschäftigt ist, im warmen Wasser relaxed, „die Blaue Stunde „.
Da fliegen die Gedanken und heute habe ich mich gefragt: „Hast du dich selber gefunden ?“

Da kann ich mir selbst nur antworten: „ Na ja …..ich bin auf dem Weg.“

Und schon stellt sich die nächste Frage: „Wie war dieser Weg?“.

Die Reise der Gedanken in die Vergangenheit beginnt. Gefühle werden hervorgeholt und zugelassen. Ich lasse mein Leben revue passieren.

Marlies als Mutter, ambivalent würde ich mich beschreiben. Doch ich bin gerne Mutter von 4 Kindern geworden.
Da war aber auch immer der intensive Wunsch nach „ Arbeitengehen“. Und so wurde dieser irgendwie ins Lebensnetz eingewoben und auch gelebt.
Viele Jahre die Enge einer zu kleinen Wohnung erlebt und Wünsche nach Vergrößerung fortgeschickt. Bis sich diese erfüllen konnten, habe ich in den Tagträumen gelebt. Mir vorgestellt, die Nachbarwohnung wäre auch mir, im Geiste einen Durchbruch gemacht und die Wohnung eingerichtet.
Als Traumtänzerin die Leichtigkeit und Fülle erspürt, die das wahre reale Leben nicht bieten konnte.
Heute weiß ich, das sind Überlebensmechanismen….und Wünsche erfüllen sich…fragt sich nur wann.
Dann ein Haus, ein Garten, die ersten Kinder schon erwachsen und die Erkenntnis, am wohlsten fühle ich mich, wenn mein Partner, mein mittlerweile Exmann, ausserhäusig unterwegs war, auf Geschäftsreise.
Das Gefühl, jetzt bekomme ich erst richtig Luft.

Ausreichend Luft habe ich mir auf meinen einsamen Fahrradtouren um die Nase wehen lassen. Schon da konnten die Gedanken gut fliegen….und als Träumerin stellte ich mir vor, wie fühlt es sich an verliebt zu sein, führte Gespräche mit dem imaginären Geliebten.
Und das Wissen: „ Ich brauche Liebe ! „

In der Ehe konnte ich sie schon lange nicht mehr geben und erwarten. Die Entschuldigung am Ausharren in dieser Beziehung waren zwei minderjährige Kinder, die mich noch brauchten und die Gedanken: ……so schlimm ist ja alles nicht…..ehrlich gesagt….wir leben halt eine harmonische Zweckgemeinschaft.
Doch diese Stimme hielt mich in der Erstarrung.
Anderes zeigte mir das Leben…..Krankheit, Heilung auch durch Tanz und Musik. Altes Wissen, Weisheiten, Sprüche und Verse …..und irgendwann gab es kein Aufhalten mehr…das Puppenstadium wollte beendet sein…..wachsen und entwickeln war das Lebensthema….sich dem Schmerz, Loslassen, Trennen und der Zukunftsängste stellen.

Und heute, an diesem Samstagmorgen, kann ich mir die „ blaue Stunde „ in der Badewanne genehmigen, bin nun das zweite Mal umgezogen, jetzt in eine viel zu große Wohnung, meistens allein. Mittlerweile habe ich eine kätzische Mitbewohnerin….mein Exmann wollte sie nicht mehr. Hier gehen meine Freundinnen ein und aus. Meine Kinder kommen gerne zu Besuch. Im 7. Stock fühle ich mich dem Himmel so nahe.

Und da gibt es noch etwas.
Nun führe ich wirkliche Gespräche mit dem Liebsten….keine Tagträume, sondern Wirklichkeit. Gebe und nehme Liebe…..so wie wir es brauchen. Und spüre die Fülle und die Leichtigkeit des Seins, verbunden mit dem täglichen Kampf um Lebenserhalt, Gesundheit und dem Lebensaufgaben meistern.

Und da fällt die Erkenntnis sehr leicht, ausgestreckt in der Badewanne, umspült vom warmen Wasser:

Ich bin auf dem Weg zu mir selber……ich werde mich finden.

Marlies