Eine davon erlebte Petra, wie sie mir gestern erzählte. Petra ist seit ein paar Jahren geschieden und lebt mit ihrer halbwüchsigen Tochter und einer wirklich süßen Katze alleine. Ich hatte den Eindruck, dass sie bisher ganz zufrieden mit ihrem Single-Leben war. Was jedoch nicht ausschloss, dass sie manchmal mit dem Gedanken spielte, es noch einmal mit einem neuen Partner zu versuchen. Der neue Nachbar, sie schätzte sein Alter auf ungefähr 50, war ebenfalls geschieden, aber nicht auf der Suche, wie er ihr erzählte. Na ja, nett fand sie ihn trotzdem, warum auch nicht.

 

Immerhin ist er ein Katzenfreund und besitzt einen rot-weiß gemusterten Kater, was ihn in den Augen seiner Nachbarin noch interessanter machte. Was ich gut verstehen kann. Männer, die keine Katzen (oder andere Tiere) mögen, hätten auch bei mir keine Chance. Nicht nur Petra, auch ihre Katze mit dem passenden Namen Mimi fühlte sich auf eine gewisse Art und Weise zu den neuen Nachbarn hingezogen. Das ist ja nichts Ungewöhnliches. Weder bei Katzen noch bei ihren Menschen.

 

Paul, der nette Nachbar mit den grauen Schläfen und Petra kamen auf diese Weise ab und zu ins (rein nachbarschaftliche) Gespräch. Katzenhalter tauschen sich nun mal liebend gerne über ihre Samtpfoten aus. Es gab viel zu erzählen, wie sie mir lachend erklärte. Vor einer Woche hatte Mimi keine Lust mehr auf das heimische Futter, auch wenn es in erster Linie aus Sheba bestand, ihrer absoluten Lieblingssorte. Also machte sie sich (mal wieder) auf den Weg in Nachbars Garten. Bei einem ihrer Ausflüge dorthin hatte sie die Katzentür entdeckt. Katzen sind schlau, wie jeder weiß.

 

Willi, der rot-weiße Kater von nebenan, begnügte sich mit dem Futter der Marke Aldi, wie Paul seiner Nachbarin Petra stolz erzählt hatte. Na ja, auf jeden Fall fraß die dreiste Mimi den mit dieser Sorte gefüllten Teller ratzeputz leer. Willi befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einer seiner täglichen Wanderungen durch fremde Gärten, also konnte nur Petras kratzbürstige Mimi die Übeltäterin sein, andere Katzen gibt es nicht in der Umgebung.  In den nächsten Tagen wiederholte sich das Spiel. Paul lag auf der Lauer und erwischte Mimi bei ihrem Mundraub.

 

Petra bot ihm an, Kater Willi bei ihr vorbeizuschicken, um sich zu revanchieren. Leider wurde daraus nichts. Bei einem Versuch wandte sich Willi mit einem irgendwie hochnäsigen Gesichtsausdruck, wie Petra fand, ab und begab sich zu seinen gewohnten Aldi-Leckerbissen. Ich konnte mir denken, wie die Geschichte enden würde, und so war es auch: Als Wiedergutmachung hatte Petra Paul zum Abendessen eingeladen. Seitdem sind die beiden Katzenfreunde ein Paar und haben schon darüber gesprochen, (vielleicht) zu heiraten. Schade, dass die Trauzeugen nicht Willi und Mimi heißen können, überlege ich gerade. Verdient hätten sie es...

 

 

 

 

Foto: pixelio

Michael Oswald