Leidgeprüfte Freundinnen hatten mich bereits gewarnt:"Auch Du spielst irgendwann nicht mehr die Hauptrolle an seiner Seite und musst Deinen Platz mit einer Zweit-Frau teilen." Lange Zeit war ich immun gegen solche Schwarzmalereien, die ich mir aus einem persönlichen Zärtlichkeits-Defizit der Betriffenen erklärte. "Er fummelt ständig an ihr herum", jammerten sie. Na da war doch offensichtilich, was da lief...beziehungsweise nichts mehr lief. Und jetzt, jetzt kann ich mich in den Reigen der Leidensgenossinnen einreihen, hat es mich auch erwischt. Ausgerechnet die Reise in die Stadt der Liebe wollte er zu dritt antreten: Er, ich und sie. Bei aller Aufgeschlossenheit für moderne Beziehungen... mit diesem Gedanken konnte ich mich nur schwer abfinden. Aber nach Paris wollt ich nun mal auch ganz gerne.
Unglaublich aber wahr: Er fummelte während der Autofahrt tatsächlich ständig an ihr rum und sie konnte partout ihren Mund nicht halten. Ständig sagte sie ihm, wo es lang ging. Das hätte ich mit mal erlauben sollen. "Rechts, links, scharf rechts. "Ich tat als ob ich schliefe, war mir aber ganz sicher, dass es da gerade um die Erforschung erogener Zonen ging. "Sie haben ihr Ziel erreicht", frohlockte die blöde Kuh schließlich. Na bitte, wusste ich´s doch.
Ich hielt mich in den folgenden Tagen schwer zurück. Sollte er sich doch mit seiner Neuen vergnügen. Insgeheim hoffte ich frelich, dass sich hinter der großen Klappe dieser Tussi nicht viel Grips verbarg und meine Stunde kommen würde. Und sie kam! Nach einer paar Tagen Paris (Stadt der Liebe - haha) sollte es wieder nach Hause gehen. Nur die Laber-Schlampe wollte auf Teufel komm raus nicht damit rausrücken, wo es denn lang ging. Ich reagierte auf die spontane Stummheit mit Taubheit. Soll er doch sehen, wie er zurecht kommt mit ihr. Aber alles Fummeln, Drücken und gutes Zureden ("Komm´wir fangen noch mal von vorne an") half nicht. Wir landeten mitten im Berufsverkehr, mitten in Paris, mitten im Chaos. Als er tobte "Gleich schmeiß ich das Mistding aus dem Fenster", wusste ich: Das ist mein Stichwort. Ganz gelassen zog ich eine Straßenkarte aus meiner Tasche, ganz ruhig erklärte ich, wo´s lang geht. "Runter vom Kreisel, rauf auf die `Peripherique exterieur`und immer auf der Ring-Autobahn bleiben bis zur Abfahrt Richtung Metz." Die personifizierte Kompetenz sozusagen. Nach etwas 100 Kilometer muckte die Andere doch tatsächlich noch mal auf und meldete sich zu Wort, woraufhin er ihr mit sanftem aber bestimmten Knopfdruck den Mund verbot. Meine Welt war wieder in Ordnung. Ich lass mir doch von einem Navigationsgerät nicht den Mann wegnehmen.