Ich hatte selbst an meinen Haaren herumgeschnitten, und das Ergebnis war nicht gerade günstig. Also mußte ich unbedingt am nächsten Morgen zum Friseur. Obwohl der Friseursalon in unmittelbarer Nachbarschaft liegt, stand ich schon sehr früh auf - zu Recht. Schon bald warteten mit mir mehrere Frauen. Es hätte schon längst geöffnet werden müssen. Unruhe, Ungeduld, und schließlich Unmut machten sich breit. Nach einer beträchtlichen Wartezeit öffnete eine Friseuse den Laden. Die anderen Kolleginnen seien leider nicht da, erklärte sie uns.
Einige der Frauen konnten nicht länger warten und gingen schimpfend weg. Die Atmoshäre unter den Zurückgebliebenen wurde immer gespannter. Die Friseuse wurde sichtlich nervös. Eine Frau neben mir sagte, dass ihr ganz übel sei, weil sie noch nicht einmal eine Tasse Kaffee getrunken habe. Und da kam mir ein Gedanke, in dieser etwas schwierigen Situation einen kleinen positiven Beitrag zu leisten. Unter dem Vorwand, nach meinen Kindern sehen zu müssen, lief ich schnell nach Hause.
Aber während ich den Kaffee aufsetzte, Milch und Zucker einpackte und die Thermoskanne bereitstellte, kamen mir Zweifel und ich kam mir doch recht blöd vor. Schließlich konnte ich mich mit einem solchen 'Übereifer' blamieren und für nicht ganz normal gehalten werden. Andererseits war das doch alles ganz einfach: eine Frau hatte noch nicht gefrühstückt, und die andere, die um die Ecke wohnt, bringt ihr eine Tasse Kaffee.
Als ich dann eintraf, war dann doch ein großes Hallo, alle lachten, und als der Kaffee dann unter den Wartenden die Runde machte, war die Situation merklich entspannter. Und ich war richtig froh! Als ich die kleine Geschichte abends in unserer Familie erzählte, sagten meine Kinder: "Mami, das hast du gut gemacht!".
