Am Freitagmorgen habe ich mit viel Vorfreude meinen Koffer gepackt, das Auto beladen und mich auf die Fahrt zu meinem Liebsten in den Westerwald gemacht.

Wie immer hat mein Lieblingssender HR1 die Fahrt aufgelockert. Ich kann ihn fast bis zur Haustüre meines Ziels hören.

Es wurden Stau und Behinderungen in der Frankfurter Innenstadt gemeldet. Aufgebrachte Bauern, die mit ihren Traktoren auf dem Weg zur Börse waren, um zu demonstrieren.

Sie fühlen sich im Stich gelassen. Trotz täglicher, schweren Arbeit , um für die Menschen Nahrungsmittel anzubauen und zu ernten, Viehwirtschaft zu betreiben, für Milch und Butter zu sorgen, unseren Hunger zu stillen, wird ihre Arbeit nicht wirklich honoriert.

Der Druck auf die Preise der Nahrungsmittel steigt immer mehr, sie sind der freien Marktwirtschaft ausgesetzt und leben teils nur noch von der Hand in den Mund.

Das Thema beschäftigt mich auch heute, an Pfingstsonntag, bei Müsli mit viel frischem Obst, aufgefüllt mit Multivitaminsaft, denn wir beide ekeln uns vor Milch.

Feuer und Flamme sein, ein neues Thema in HR1 und die Sprache kommt auch auf die Bauern.

Existenzangst, Druck und Leid reichen aus, dass eine Gruppe von Menschen von flammender Empörung erfasst wird, sich organisiert und durch eine Demo auf die Missstände aufmerksam macht.

Ich bekomme einen Artikel zu lesen. Ein Unternehmensberater analysiert die Lebensmittelpreissituation in Deutschland.

Ich wusste es nicht, fast nirgendwo in Europa sind die Lebensmittel so billig wie hier.

Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, wie viel Wertschätzung ich Lebensmittel entgegen bringe.

Schätze ich Milch, wenn sie nur 50 Cent kostet weniger, als wenn sie 1 Euro kosten würde?

Preispolitik, für mich als ganz gewöhnlicher Bürger, der keine Marktwirtschaft studiert hat, ein Buch mit sieben Siegeln.

Die Zaubermeister der Preise haben einen Namen, sie nennen sich Aldi, Lidl, Metro, Mediamarkt.

Für die kleinen Zauberlehrlinge bleibt da kein Platz. Sie verschwinden von der Bildfläche.

Und die Großen  nehmen neue Märkte in Österreich, Schweiz und England ein und machen nicht einmal vor der U.S.A. halt. Doch das ist Marktwirtschaft, von der ich nichts verstehe.

Was ich verstehe, ist die Geschichte, die mir meine Eltern und Großeltern erzählt haben.

Es gab im letzten Jahrhundert eine Zeit, sie nannte sich der 2. Weltkrieg und da gab es Hunger.

Da wurden Milch und andere Nahrungsmittel ganz anders geschätzt, der Bauernstand hatte einen anderen Wert.

Aus den ausgebombten Großstädten wurden blasse, ausgehungerte Kinder aufs Land geschickt. Das nannte sich Kinderlandverschickung.

Da waren die Bauern, mit ihren Höfen, die letzte rettende Insel. Ein Land, wo Milch und Honig floss. Kein Überfluss….doch es reichte um sich satt zu essen.

Später der Schwarzhandel….da war Butter und  Speck auch mal einen Pelzmantel oder einen Perserteppich wert. Eine Zeit, die wir uns nicht herbeiwünschen….nein wirklich nicht.

Aber wir sollten nicht aus den Augen verlieren, dass die Menschen, die Nahrungsmittel erzeugen, heute nicht als Hungerleider dastehen sollen.

Das haben sie nicht verdient.

Und wenn heute Milliarden für in Schieflage geratene Banken ausgegeben werden, ein Automobilbauer gestützt wird….wobei nicht klar ist…ob eine Insolvenz auf Dauer unabhängiger und stärker gemacht hätte….darf jeder verstehen, wenn die Bauernschaft vor Empörung brennt.

 

Denn von Salat ist noch keiner satt geworden……sie wollen auch Schwein haben.

 Marlies