Es fing harmlos an.

Ein monatlicher Bekanntentreff zu einem Frühstücksbrunch.

(um Vorzubeugen-nicht aus PN)

Meist läuft es entspannt ab. Plaudereien.

Nicht diesmal. Eine der Teilnehmerin ließ den Kopf hängen und erzählte auf Nachfrage, das nach 15 Ehejahren sie jetzt erfahren hatte, dass ihr Mann eine Geliebte hätte.

Kein ONS, eine Affäre, die länger ging.  

 

Ich weiß, Frauen tun es ebenso, doch hier gehts mir in meinem Artikel speziell um die Ehefrau.

 

Der ganze Tisch geriet in helle Aufregung. Viele waren sich einig.

Die Geliebte wurde verdammt, der Mann zwar auch, dennoch nicht so hart im Urteil, wie die Geliebte. Die Ehefrau bekam sämtlichen Zuspruch. Wurde getröstest, heilig fast schon gesprochen.

Armes Opfer, arme Unschuldige. Viele von euch werden die Klischees kennen. Die Sprüche auch, die im allgemeinen darüber fallen. Hier war es nicht anders. Von Rachevorschlägen, bis Trost und Zuspruch. 

 

Nun steht hinter jeder Geschichte eine Vorgeschichte und verschiedene Sichtweisen, Wahrnehmungen. Und normalerweise sollte ein Urteil (sofern man eins geben muß) auf Hintergründe basieren aller Beteiligten. Natürlich fehlten die auch hier. Die gesamten Hintergründe. Und obwohl auch ich sie nicht wusste, hatte ich dennoch eine andere Meinung. 

 

Ist die Geliebte tatsächlich die Schuldige? Das Monster? Die Zerstörerin? Der Vamp, der gnadenlos verführt? 

Natürlich gibt es verschiedene Arten von Affären, Gründe, warum ein Mann so etwas tut. Und manchmal ist es tatsächlich so, das ein Mann keinen besonderen Grund hat, sich ausserehelich zu vergnügen. Einfach nur so. Mir jedenfalls fiel es schwer im Chor der Verdammung einzufallen.

Ich sehe eine Ehefrau nicht als unbeteiligten Part in so einer Dreiecksgeschichte. Ich glaube zu einem hohen Prozentsatz stimmt etwas nicht in der Ehe, wenn eine Dritte hinzukommen kann. Ist eine Ehefrau tatsächlich so ahnungslos, das sie nicht über Monate, ja Jahre manchmal bemerkt, das ihr Mann eine Zweitfrau hat?

Sind da nicht doch Signale, die sie vielleicht einfach nicht bemerken will? Und ist sie doch ahnungslos, ist es nicht zu einfach,alles auf eine böse entartete Geliebte zu schieben, die da kommt und alles zerstört, was doch gut war? War etwas gut, was sich so dann angeblich zerstören lässt?

Vielleicht war es nur für sie gut, nicht aber für den Ehemann.  

 

Ich verstehe den Schmerz einer Ehefrau, die in ihren Kokon gelebt hat und es dann so verarbeiten muss, aber meist weist eine Ehefrau einfach alles von sich. Schiebt es auf die Geliebte, auf den Mann. Und in meinen Augen, macht eine Ehefrau es sich zu leicht, wenn sie alles auf die beiden anderen schiebt,meist auf die Geliebte.

Ist eine Geliebte, die sich in einen Mann verliebt, der verheiratet ist und es weiß, automatisch in der Pflicht es zu lassen? Kann auch sie nicht einfach hilflos verliebt sein und diesen Mann wollen, der doch auch sie will? Wir alle kennen das Gefühl von Liebe und das es sich oftmals nicht vernünftig steuern lässt. Sie glaubt, sie hofft, sie wartet... manchmal vergebens, manchmal mit einem Happy End.

 

Mir nur fällt es schwer, dass eine Geliebte noch immer den Ruf der Zerstörerin hat und die Ehefrau fast als Heilige behandelt wird. Ich glaube zu einem hohen Prozentsatz passiert es einfach.

Im Laufe der Ehe entliebt sich vielleicht einer und im Trott des Alltages und der Gewohnheit, die mit "glücklich sein miteinander" verwechselt wird.

Die Schwierigkeit beginnt, sich aus diesem Gewohnheitstrott zu lösen ins unbekannte Neuland.Und so manchem Mann gelingt es schlecht, er braucht Zeit Bindungen zu lösen, die in Jahren entstanden sind. Heim, Kinder, gemeinsame Freunde, Verwandte, Rituale usw 

 

Ich weiß, dieses Thema hat noch viele Aspekte.

Meine Gedanken kreisen grad um die Ehefrau, die es sich in den meisten Fällen zu einfach macht, sich als schuldlos darstellt und vom Umfeld darin oftmals noch bestärkt wird.

Damit tut man ihr keinen Gefallen, denke ich.