Da war dieses Gefühl, ein unbeschreibliches Gefühl, das ich mir selbst beschrieben hatte. Beim anschließenden Durchlesen habe ich dieses „unbeschreibliche“ Gefühl wieder erkannt und dachte mir: Geht doch. Unbeschreibliches ist also beschreibbar. Unglaubliches und Unerklärbares ist ebenfalls beschreibbar wie das Unmögliche. Im Grunde genommen ist alles beschreibbar, besser gesagt... unbeschreiblich - beschreibbar.

 

Das Gegenstück des Schreibens ist ja das Lesen, d.h. schreibt keiner, kann keiner etwas lesen. Liest keiner, schreibt... man weiß es nicht. Die Motive des Schreibens sind ebenso vielfältig wie die des Lesens. So mancher, der schreibt, liest auch, aber nicht jeder, der liest, schreibt. Schreiben ist ein kreativer Prozess und eine Konfrontation mit sich selbst und dem Leser..., Lesen nicht immer. Der Leser verfolgt die Spur der Geschichte oder des Autors, der Schreiber legt sie. Es ist eine Jagd mit unbestimmtem Ausgang. Ist die Spur aufgenommen, liegt der Schreiber möglicherweise an einem Strand oder ist gerade beim Einkaufen oder er legt bereits eine neue Spur.

 

Leser, die man zur Jagd tragen muss, lesen meistens Bildbände oder sie gehen ins Kino und sehen sich Filme ohne Untertitel an. Bei Querlesern fehlt meist die Vertikale, bei Schnell - und Vielschreibern oft ein nachvollziehbarer Inhalt. Es gibt ja sehr belesene Menschen, auch beschriebene Menschen, aber nicht nur in Autobiographien. Einige davon werden lediglich von Interpol oder Verwandten in Vermissten - oder Erbfällen gesucht. Es gibt Leseratten und Bücherwürmer..., vergleichbares für Schreiberlinge ist mir nicht bekannt. Wer liest, bildet sich sagt(e) man, na ja... kommt halt doch darauf an was und wer schreibt..., der schreibt eben.

 

Aus 26 Buchstaben (ohne Umlaute), die zumindest auf meiner Tastatur sind, ein Gedicht, eine Geschichte oder einen ganzen Roman zu zimmern ist sicher nicht so einfach, zumindest wenn man bestrebt ist, einen gewissen Zusammenhang erkennen zu lassen. Sollte es spannender sein oder sogar noch etwas komisch, dann wird es schon schwieriger. Aber mit Ziegelsteinen, einem einzigen Material und Form, lassen sich Häuser, ja sogar Brücken und Kirchen bauen. Unglaublich, aber in diesem Moment gerade beschrieben. Merken Sie nun wie`s geht?

 

Schreiben macht Freude und befreit, es zehrt und zerrt am Schreiberling. Es kommt einer geistig - seelischen Geburt gleich..., manches Mal mit einem Kaiserschnitt oder aber einer wunderbaren Hausgeburt ohne Komplikationen. Wer schreibt, möchte sich auch messen mit sich selbst oder anderen und auch gemessen werden. Dies ist dann der Lohn seiner „Arbeit“, der sich durchaus auch in Form von Kritiken oder Missachtung zeigen kann. Auch das ist ein wichtiger Moment für den Schreiberling. Manche verpuppen sich dann für eine Zeit und andere wiederum werden dadurch sehr schnell zu einem Schmetterling.


 Über das Lesen und Schreiben im neuen Platinnetz


 Platinnetz misst sich selbst an der Anzahl ihrer Mitglieder wie jede andere Plattform auch, und das ist legitim wie auch notwendig. Es verweigert aber einem sehr aktiven Teil seiner Mitglieder - den Autoren -, einen wichtigen Gradmesser ihres Tuns, nämlich den der Anzahl der Leser ihrer Artikel, er verschwand klammheimlich, bei Nacht und Nebel.

 

Natürlich sind alle bisherigen Gradmesser wie Sternvergabe (diese besonders), Leseranzahl und Kommentare (am wenigsten) in Frage zu stellen, möchte dies jedoch aus Platzgründen hier vermeiden. Aber die Anzahl von Lesern eines Artikels dem Autor und den Lesern vorzuenthalten ist meines Erachtens ein absolutes „No Go“! Fast alle Autoren hier sind Amateure und mit Herzblut dabei - und das nicht nur beim Schreiben - und dieser wesentliche Faktor wird einfach eliminiert und das auch noch ohne die Betroffenen (Autoren) wie auch alle anderen Mitglieder darüber zu informieren. (An die Möglichkeit einer vorherigen Befragung wage ich nun nicht einmal mehr zu denken). Die Artikelrubrik ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Plattform, auch und gerade mit ihr lebt Platinnetz und sie wird auch dementsprechend nach „Außen“ beworben, nicht ohne Grund.

 

Nicht ohne Grund ist auch der immense Schwund und Weggang vieler Schreiberlinge zu Lasten der Qualität dieser Rubrik. Und dies ist ebenso Fakt wie die Tatsache, dass hierbei bereits ein erheblicher Image schaden für diese Plattform entstand. Ich möchte nur daran erinnern, dass man ein Spiegelei nicht mehr in die Schale bekommt. Alles, aber auch alles wird heutzutage gemessen und muss/möchte sich messen lassen (nicht nur im Bereich Medien). Die Hörer im Rundfunk wie Zuschauer im TV und Film (Quote ist angesagt), Kunden im Supermarkt, Zuschauer egal wo, und die Künstler..., am Beifall. Apropos, nichts Schlimmeres als ein enden wollender Beifall (ein Buchtitel von Friedrich Torberg). Kommentare sind die ehrlichste Form einer konkreten Äußerung des Lesers..., unbestritten. Eine Tageszeitung misst sich an der Anzahl ihrer Leser (wird auch daran gemessen), Verlage tun dies zwangsläufig auch und Buchautoren messen sich an der Zahl ihrer verkauften Bücher und werden auch entsprechend daran gemessen.

 

Und wir Schreiberlinge mit dem Status des Amateurs werden in dieser neuen Plattform auf die Sternvergabe reduziert und mit den qualitativ zwar sehr wichtigen Kommentaren garniert, aber quantifiziert wird nun nicht mehr, entgegen dem Bedürfnis eines (fast) jeden Schreiberlings. Und wer dies als Autor nicht zugibt, der traut sich halt nicht. Wir spielen nun als lose Gruppe in diesem Theater hinter dem Vorhang auch bei halb vollem Saal, brauchen damit auch keine Kostüme mehr..., und keinen Beifall. Und keiner weiß, wann dieses Stück zu Ende geht, aber jeder weiß, wann es begann. Uns Schreiberlingen bleibt nur noch der verstohlene Blick durch den Spalt des Vorhanges in die vordere Reihe der Kommentare. Das Publikum ahnend und vermutend schreiben wir nun weiter Artikel und stochern im Nebel unseres Hauches hinter der Bühne..., nur noch auf Gehör hoffend in die Tasten hauend, die unsere kleine Welt bedeuten. Das Publikum nimmt uns weiterhin wahr, nicht aber unsere nun verstümmelte Wahrnehmung und den Verlust der Freude am Applaus.


 © Peter Braun