Sie lief über die Straße, ihr war kalt und sie war hungrig, schließlich war sie den ganzen Tag umsonst durch die Gegend gezogen. Wenigstens gab es da diesen einen Platz an den sie immer wieder zurückkehren konnte. Dort liebte man sie, gab ihr Nahrung, Wärme und schenkte ihr die Aufmerksamkeit, die so sehr genoss. Die meisten freuten sich wenn sie sich näherte, aber es gab auch immer wieder Menschen die sie fortjagten. Besonders häufig waren es Menschen die kleine Kinder hatten. Sie wollten nicht dass sie in die Nähe ihrer Kleinen kam. Sie verstand es zwar nicht, aber es war ihr letztlich auch egal. Meistens spürte sie wann sie erwünscht war, und wann nicht. Sie hatte da gute Instinkte...

Noch drei Häuserblocks und sie wäre wieder in der Wärme, wieder dort wo man ihr etwas essbares geben würde. Eigentlich wollte sie ihren Weg ohne Unterbrechungen gehen, aber sie nahm plötzlich etwas war, einen Geruch. Er war wunderschön und zog sie völlig in seinen Bann. Sie schaute sich um und folgte ihrer Nase zu der Quelle des Geruchs. Ein rechteckiger Kasten mit einer Türe davor, ja, aus ihm kam der Geruch. Die Türe erinnerte sie an die Klappe durch welche sie schlüpfte wenn sie abends zu jenen Menschen ging die ihr so viel Liebe entgegenbrachten. Der Geruch war so wundervoll und diese Klappe mit all den Erinnerungen die sie in sich trug – sie schlüpfte hindurch und rieb sich an dem Fetzen Stoff der darin lag. Gab sich dem Geruch voll hin – bis sich schlagartig die Klappe schloss und ein gehässiges Lachen ihr Angst in die Glieder trieb...

Die Klappe öffnete sich und etwas dass wie eine Hand aussah, jedoch ganz anders roch, griff roh nach ihr. Sie biss und fauchte, aber es schien diesem Hand-Dings nichts auszumachen. Sie wurde grob geschüttelt und spürte wie der Schmerz ihr Genick durchzuckte. Sie schrie noch sehr oft in dieser Nacht und wehrte sich nach Kräften, aber es nutzte nichts und niemanden störte es. Keiner kam um ihr zu helfen und sie begriff nicht wieso man ihr dies etwas antat. Sie hatte doch niemand etwas zu Leide getan und niemals hatte man ihr so weh getan..

Als Kinder sie am nächsten Morgen in dem kleinen Vorgarten fanden, fingen sie an zu weinen. Sie hörte es, aber weinen konnte sie mit ihren leeren Augenhöhlen nicht mehr. Sie hatte sich an eine kleine Mauer gelehnt und ihr Leid leise und wimmernd in die nun umgebende Dunkelheit gemaunzt. Einer der Jungs lief nach Hause und holte seine Mutter, welche wiederum mit ihr zu einem Tierarzt ging. Er konnte nicht viel mehr machen als sie einzuschläfern. Da sie keine Tätowierung und kein Halsband trug, konnte er sie auch keinem Besitzer einordnen...

Einige Tage später sah man Zettel an Laternen hängen. Sie zeigten eine kleine Katze, wie sie zufrieden auf einer Decke saß und sich die Pfoten leckte. Ein kleines Wesen zwar nur, welches aber vermisst wurde weil man es liebte...

Nachtrag:

Ein früherer Kollege erzählte mir einmal dass er auf seinem Weg nach Hause eine Katze gefunden hatte. Ebenfalls schwer verletzt und mit blutigen Augenhöhlen. Er hatte sie zu einem Tierarzt gebracht, welcher dann jedoch nichts mehr tun konnte. Sie musste maunzend hinter ein paar Mülltonnen gelegen haben...

Bei mir lebt ebenfalls eine Katze und ich kenne dass Zutrauen welches dieses kleine Tier mir und den meisten anderen Menschen entgegen bringt. Und jedes mal wenn ich davon lese oder höre dass wieder Tierfänger unterwegs sind, packt mich eine brennende Wut. Leute die ihr Kinder und auch Tiere habt, passt auf sie auf, denn sie sind in unserer wahnsinnigen Gesellschaft auf euren Schutz angewiesen.

Kinder und Tiere, dass sind die beiden einzigen Gruppen die keine wirkliche Lobby haben...