In einer Stadt hatten sich zwei Marktfrauen einen Platz gesucht, auf dem sie ihre Obststände errichteten.

Dort standen sie nun und warteten auf Kundschaft.

Es kam eine junge Frau, die sich die Stände und die Ware ansah.

Die eine Marktfrau hatte sehr schönes Obst, frisch und saftig. Sie stand einfach hinter ihrer Ware und sagte nichts weiter. Die junge Frau dachte: das ist wunderbares Obst, ich denke das werde ich nehmen. Ich will mir aber auch den anderen Stand ansehen.

Das Obst am anderen Stand war weniger frisch und sah längst nicht so gut aus.

Nein, dachte die Frau, das will ich nicht.

Die Marktfrau sprach sie aber an und sagte:

Ach, junge Frau, ich stehe hier schon so lange und niemand kauft etwas bei mir. Mein Mann kann nicht mehr arbeiten und die Kinder hungern. Ich muss aber doch etwas verdienen um meiner Familie zu helfen.

Ach, wenn doch jemand etwas kaufen würde. Es ist doch nicht schlecht, was ich hier habe.

 

Da bekam die junge Frau Mitleid und kaufte Obst bei der Frau. Sie dachte: ach, die andere hat so schöne Früchte, da wird schon jemand kommen oder ich kaufe dort beim nächsten Mal.

Aber die junge Frau wusste nicht, dass ein merkwürdiger Zauber auf diesem Ort lag und tsie die einzige war, die diesen Platz besuchte.

 

So ging das nun immer weiter, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

Immer wieder erzählte die Marktfrau mit den weniger guten Früchten schlimme Geschichten und die Frau kaufte dort immer wieder aus Mitleid.

 

Wenn die Marktfrau mit den nicht so guten Früchten nach Hause kam, fragte ihr Mann immer, wie es ihr denn ergangen sei. Er arbeitete hart um die Familie zu ernähren und es fehlte ihnen an nichts.

Ach, sagte die Marktfrau dann zu ihrem Mann, ich habe wieder nichts verkauft. Niemand will meine Ware.

Ich weiß gar nicht, was ich noch machen soll. Es ist so schrecklich.

Der Mann sagte dann: ach, das tut mir so Leid für Dich. Aber sorge dich nicht, ich habe gut verdient und wir leiden keine Not. Vielleicht hast du nächstes Mal mehr Glück.

 

Sie nahm dann Geld von ihrem Mann und den Verdienst vom Obststand steckte sich die Frau in die eigene Tasche und sie wurde still und leise immer wohlhabender, ohne dass jemand etwas ahnte.

Und sie dachte bei sich: wie leicht die Leute doch zu täuschen sind...

 

Eines Tages kam die junge Frau wieder auf den Markt und sah, dass der Stand mit den guten Früchten fort war. Niemand wusste etwas über die Frau. Die junge Frau erkundigte sich eine Weile immer wieder, ob der Stand nun wo anders sei. Aber auch das konnte ihr niemand sagen.

 

Lange, lange Zeit später, als die junge Frau längst aufgehört hatte, sich nach der Marktfrau mit den guten Früchten zu erkundigen, hatte sie eines Abends noch etwas zu erledigen.

Sie ging aus dem Haus und die Strasse entlang. Die Sonne begann bereits unterzugehen.

Auf ihrem Weg traf sie eine magere, schwarz gekleidete Frau mit einem Gesicht wie aus Eis und Stein, auf dem schon lange kein Lächeln mehr einen Platz gefunden hatte. Ihre Augen glitzerten feindselig.

Sie trug einen Korb, in dem es von giftigen Schlangen und Skorpionen wimmelte, die sich der jungen Frau zornig entgegen reckten.

 

Die junge Frau erschrak und trat einen Schritt zur Seite. Sie sprach die schwarze Frau aber an:

Du liebe Zeit, was trägst du da mit dir herum? Wer bist du, dass so einen Korb mit dir herum schleppst?

 

Die Frau sagte: ich war einmal die Marktfrau mit den guten Früchten, die du nie wolltest.

Der Schmerz darüber, dass meine Ware verschmäht wird, wurde mit der Zeit immer größer.

Irgendwann hat der Schmerz mich und mein Obst verwandelt. Das ist was du nun siehst.

 

Die junge Frau war betroffen. Sie sagte: Das tut mir so Leid. Ich wollte deine Früchte immer, aber ich hatte so viel Mitleid mit der anderen. Deshalb habe ich dort gekauft.

 

Oh, antwortete die ehemalige Marktfrau, ja, die andere... Sie ist nun reich geworden. Ihr Mann hat schwer gearbeitet und ihr alles gegeben, was sie brauchte und was sie mit dem Obst verdient hat, hat sie ihm verheimlicht.

 

Die junge Frau war zunächst sprachlos. Dann sagte sie: kannst du diesen schlimmen Korb nicht einfach irgendwo abstellen und diese Ungeziefer loswerden?

 

Nein, sagte die schwarze Frau, es ist ein Fluch, der aus dem Schmerz geboren wurde.

Nur wenn jemand diese „Ware“ will, kann der Fluch gebrochen werden.

 

Da wandte sich die junge Frau traurig ab, denn sie wusste, dass sie es nicht über sich bringen würde, ihre Hand nach den Schlangen und Skorpionen auszustrecken.