S A T I R E :
Wir erinnern uns noch gut an die salbungsvollen Worte unserer Spitzenpolitiker: „Die Rente, erst ab 67 Jahre, ist dringend geboten. Wir können es uns nicht mehr leisten Menschen bereits mit 65 Jahren in den Ruhestand zu schicken ...“

Der amtierende Bundeswirtschaftsminister, Michael Glos, CSU, auch er ein vehementer Verfechter der Rente erst ab 67, ließ via Blöd-Zeitung verkünden: „Ich werde in diesem Jahr 65 und will danach nicht mehr Wirtschaftsminister sein, denn für die Zeit nach meinem 65. Geburtstag habe ich andere Pläne ...“

Nun muß ich zugeben, ich habe für die Zeit nach meinem 65. Lebensjahr auch „andere Pläne“ als immer weiter zu arbeiten, mir wird aber wohl aufgrund der unergründlichen Weisheit unserer Politiker, die in seltener Einigung (bis auf die Partei DIE LINKE.), Rente erst ab 67 Jahre zum Gesetz machten, nichts anderes übrig bleiben. Mal ganz davon abgesehen, dass ich trotz vieler Jahrzehnte Berufstätigkeit auch ab 67 Jahre wohl kaum über das Hartz IV-Niveau hinaus kommen werde. Im Augenblick verdränge ich den Gedanken, „weil es noch sooo lange hin ist.“

Und was hat das alles nun mit Minister Michael Glos, CSU zu tun? Es ist nicht so, dass ich ihn wirklich vermissen werde, schlafe ich doch auch jetzt schon regelmäßig vor dem Fernsehgerät ein, wenn er seine dynamischen Interviews gibt, es ist etwas anderes: Sollten Politiker, die uns Normalbürgern und Bürgerinnen, Opfer abverlangen (Rente mit 67 ist ein Opfer, denn viele Berufstätige sind bereits weit vor ihrem 65 Lebensjahr durch harte Arbeit, Nachtdienst und Ausbeutung so ausgelaugt und erschöpft, dass sie sich den Ruhestand wahrlich längst verdient haben), nicht für sich dieselben Maßstäbe anlegen?

Es stimmt schon, ein Minister ist einem enormen Stress ausgesetzt. Das zeigte doch erst kürzlich die Reaktion von Michael Glos, als er einem Polizisten, der ihm keine Sonderrechte einräumen wollte, damit drohte „dessen Karriere zu beenden“. Lt. taz fuhr der Ministerwagen anschließend dem Ordnungshüter auch noch über den Fuss (wer weiß, wie schwer gepanzerte Minister-Limousinen sind, kann den Schmerz vielleicht nachempfinden). Also, wenn Minister Glos nicht diesem unmenschlichen Stress ausgesetzt wäre, hätte er sicher „menschlicher“ reagiert, da bin ich mir ganz sicher!

Nur notorische Nörgler werden jetzt wieder davon anfangen, dass unsere Spitzenpolitiker (und Bundestagsabgeordneten) keinen Cent in ihre Alterssicherung einzahlen (das machen wir SteuerzahlerInnen für sie, man gönnt sich ja sonst nichts ...), dass die Pensionen, trotzdem sie nichts einzahlen, ein vielfaches der Durchschnittsrente ausmachen und sie auch sonst nicht so einen „müden und abgearbeiteten Eindruck“ machen, wie z.B. eine wirklich hart arbeitenden Nachtschwester, ein Polizeibeamter oder eine Kassiererin im Discount-Markt, die nach den neuen Öffnungszeiten häufig abends, am Wochenende und auf Abruf arbeiten muss, für ein lächerlich geringes Entgelt. Kleinlich, diese Nörgelei!

Also, Herr Glos, Sie sind mir schon ein schlaues Kerlchen. Sie haben Ihre „Schäfchen im trockenen“ und jetzt widmen Sie sich Ihren „anderen Plänen für die Zeit nach Ihrem 65. Geburtstag“ ...; lassen Sie mich raten: Ein gut bezahlter, stressfreier Aufsichtsratsposten in der Wirtschaft? Wäre doch gelacht, bei den Kontakten, die Sie im Wirtschaftsministerium geknüpft haben.

Lieber Michel Glos (CSU), alles Liebe, alles Gute und leben Sie wohl! Jetzt muss wohl ein anderer Komiker Ihren Platz innnerhalb des TV-Kabaretts einnehmen ...

© Jamerson akas Knüppel

Nachtrag:
Wie soeben verlautet, wird Minister Glos noch heute sein Rücktrittsgesuch einreichen. Sauber, Herr Minister! Jetzt gehen Sie also bereits im Alter von 64 Jahren in den Ruhestand.

P.S. Noch so ein Vorbild für die BürgerInnen: Der NRW-Verkehrssminister, der uns Autofahrer immer ermahnt, nicht zu rasen und die Straßenverkehrsordnung einzuhalten, wurde angeblich mit 110 km/h innerhalb einer geschlossenen Ortschaft geblitzt. Nein, nicht der Fahrer saß am Steuer, sondern der Minister himself. Ob derartiges Verhalten nun unbedingt das Vertrauen in die Politik und deren Glaubwürdigkeit fördert? Ich weiß es nicht, aber eines weiß ich: „ICH WILL NICHT MEHR, HOLT MICH HIER RAUS!“

(Diese Satire erscheint zeitgleich bei ZEIT-ONLINE)