Der Zug schien abgefahren. Zu lange allein gewesen, zu selbstbestimmt, zu starrköpfig, zu vehement den eigenen Freiraum verteidigt. Was vermisst ein Mann  schon, dem zu Recht vorgeworfen wurde, er sei mit dem Job liiert? Der Job bleibt ihm doch.

Die Stunden, die wirklich frei sind, wo auch der Kopf frei ist, wo nicht geplant wird für den nächsten Tag, sind rar.

Plötzlich fällt dir ein, dass da doch etwas war. Im Zeitalter von Internet und Emanzipation dauert es nicht länger als einen Tag und auf einschlägigen Seiten kann man sogar wählen, ob Traumpartner oder Seitensprung.

Die Zuschriften oder Antworten verblüffen dich. Mal wird direkt nach Zahlen gefragt, die nicht deine Finanzen meinen. Donnerwetter!  Frau weiß, was sie will und das möglichst schnell. Gestern noch belächelt, als eine Theorie, bei der ein Wunsch Vater des Gedankens war. Heute Tatsache.

Schaler Geschmack, den Namen schon vergessen, bevor das Laken kalt ist. Tja, Alter, das hast du dir selbst eingebrockt. Frauen verstehen? Ein Mann versteht was von dem, was er tut, nicht die, mit der er es tut.

 Weil der Tag mindestens 40 Stunden haben müsste um beides zu verstehen. Ein Arbeitstag hat locker zehn Stunden, mindestens an fünf Tagen in der Woche. So lange sind nicht mal Flitterwöchner bereit, einander in- und auswendig zu lernen, zu erforschen.

Der Job bringt Geld, Anerkennung, Lob, Bewunderung derer, die noch nicht da sind, wo du in ihrem Alter längst warst. Du hast die Möglichkeit zur Weiterbildung, die dich höher bringt. Anerkennung, Lob, Bewunderung – bekommt ein Mann das von einer Frau? Dann, wenn sie dich schon am Wickel hat? Wie sind die Aufstiegschancen? Geht nicht mit der Zeit eher alles im Alltagstrott unter? Wenn du  bekommst, was du brauchst, an Lob und Anerkennung, ist das Ertragen von Gängelei, Fremdbestimmung und Launen der Tribut, den du zollen musst, zollen willst?

Ein Single hat die Qual der Wahl zwischen all den Frauen, die keine Migräne haben, wenn du dich ihnen näherst. Ein Tanzkurs wird zum Tor der Welt. Auf dem Parkett fühlst du, wer zu dir passt. Kriecht sie fast in dich hinein, sobald du sie in den Armen hältst, wird sie dich ersticken mit ihrer Anhänglichkeit. Kannst du sie schwerer führen als eine Harley sich schieben lässt, droht der ständige Zweikampf. Ist sie wie eine Feder in deinen Armen, glaube dich nicht am Ziel deiner Wünsche. Nach dem Mund reden, überangepasst sein,  Harmoniesucht? Wie willst du da Gespräche auf gleicher Ebene führen? Zumindest startest du einen Versuch und merkst zu oft, dass sie auf einem anderen Planeten wohnt, dessen Anziehungskraft nur auf deine Körpermitte wirkt. Spontan überfällt dich die Erkenntnis, dass Magnete urplötzlich ihre Pole wechseln können. Irgendwann gibst du auf, machst dir klar, dass nur Unabhängigkeit, Freiheit und Selbstbestimmung das Leben lebenswert machen.

Ahnungslos und noch im Vollbesitz eigenen Willens lässt du dein Motorrad auf den Seitenständer kippen und schlenderst gemütlich durch die Reihen der Zweiräder, den Kaffeebecher in der Hand, nichtsahnend.

Plötzlich erblicken deine Augen den rundesten Hintern der Welt, verpackt in schwarzes Leder, dir entgegen gestreckt, während der Rest Mensch am Motor schraubt.

„Wenn der Hintern einem Mann gehört, wirst du auf der Stelle schwul!“ Das Hirn rattert wie eine alte Rechenmaschine.

„Äh, kann ich irgendwie helfen?“ Den Satz noch nicht ganz ausgesprochen, ärgerst du dich schon. Bestimmt kommt jetzt eine dumme Bemerkung, denn die Hände, die da schrauben, wissen, was sie tun.

„Ein Satz Schraubendreher wäre ideal, du kannst mir aber auch mit 5 Cent aushelfen“, kommt es unter dem weiblich geschwungenen Rücken hervor, auf den du jetzt starrst.

„5 Cent? Soll ich dir einen Lolly kaufen?“

„Quatsch! Damit repariere ich die Maschine!“

„Nie im Leben!“

„Wetten, dass doch?“

„Wette angenommen, hier ist das Geldstück.“

Wenig später ist dir klar, versteckte Schrauben an uralten Motorrädern lassen sich mit einem Geldstück prima festdrehen.

Wegen der verlorenen Wette musst du ihr Motorrad putzen. Natürlich unter ihrer Aufsicht. Da hast du was vergessen, hier war es nicht blank genug, dort war noch Wasser in den Motorrippen.

Deine Backenzähne mahlen knirschend doch du flehst innerlich „Ja, belehre mich, gängele mich, kritisiere was das Zeug hält aber sehe mich dabei mit diesen funkelnden Augen an, selbst wenn darunter ein Mund spöttisch grinst.“