Ein Platiner hat mir geschrieben: „Die Gefahr ist dabei aber, das man immer härter wird und irgendwann nur noch aus Narben besteht.“ Ich denke er hat Recht. Man kassiert in seinem Leben eine Menge Narben. Aber ich denke den einen macht es härter, den Anderen vielleicht empfindsamer. Es kommt immer darauf an, was für ein Typ man ist und welcher Art die Verletzung war die man erlitten hat.

Es gibt Narben, die ein Verlust eines geliebten Menschen, bei uns hinterlässt. Für die einen ist es eine Narbe, die ihn noch härter macht, weil er es vielleicht als ungerecht empfindet, dass dieser Mensch sterben musste weil er denkt es hätte ihm mit ganz viel guten Willen vielleicht doch geholfen werden können. Oder bei einem Unfall, wenn einer so von heute auf morgen aus dem Leben gerissen wird. Die Narben die empfindsamer machen sind die wenn man sich dem Schicksal fügen muss. Wenn einer lange krank war, man ihn begleitet hat und seine Qualen gesehen hat, dann gibt es auch Narben, aber das sind die Narben die empfindsamer machen. Weil man anfängt alles zu überdenken. Da ist dann keine Wut und kein Frust. Es ist dann eher eine Erleichterung, dass die Qualen des geliebten Menschen ein Ende haben.

Dann gibt es noch Narben, die man von seinen Eltern bekommt. Wenn man als Kind merkt man wird vielleicht nicht geliebt. Wenn eine Mutter der Tochter die Schuld daran gibt, dass sie so ein unglückliches Leben führt, weil sie ja heiraten musste, weil ja die Tochter unterwegs war und wenn sie Tochter dadurch bestraft, dass sie ihr die Liebe die ihr zustände, entzieht. Das sind ganz, ganz tiefe und schwere Narben. Das sind aber auch Narben die empfindsam machen und dafür sorgen, dass man sich einen Panzer anlegt damit keiner mehr die Narben berühren kann. Die Narben die noch härter machen sind die, wenn Kinder geschlagen werden von den Eltern und diese Ohnmacht zu spüren bekommen die man hat wenn ein Erwachsener einen schlägt. Das sind Narben die ganz hart machen. Wenn man als Kind Ungerechtigkeit erfährt, z.B. weil man aus irgendwelchen Gründen bei einer Pflegefamilie aufwachsen muss und dort ein Mensch dritter Klasse ist, weil die leiblichen Kinder bevorzugt werden. Das sind auch Narben die hart machen.

Narben die Schicksalsschläge einem beibringen. Wenn ein Mensch der einem sehr nahe steht sich das Leben nimmt. Man immer das Gefühl hat man hätte es verhindern können, wenn man sich mehr gekümmert hätte. Das gibt wieder Narben die sehr empfindsam machen. Oder der betrunkene Busfahrer, der einen ganzen Bus voll Menschen auf dem Gewissen hat nur weil er getrunken hat. Narben die hart machen.

Ich denke Narben die einen hart machen da sind Sachen passiert, wo sich Ärger und Frust aufbaut. Wo man seine eigenen Grenzen spürt, seine Ohnmacht und das Gefühl hat ein anderer hatte Schuld. Und wenn dieser Andere sich der Norm entsprechend verhalten hätte, dann hätte diese Narbe verhindert werden können.

Narben die empfindsam machen sind Narben, wo man Zweifel hat ob man nicht selbst daran Schuld hat. Oder wenn Sachen passieren, an denen keiner Schuld hat wie z. B. ein Taifun, ein Flugzeugunglück bei dem ein Motor versagt hat, solange nicht nachgewiesen werden konnte, dass ein anderer geschlampt hat und es deshalb passiert ist, wenn das Schicksal mit einer unheilbaren Krankheit zuschlägt und man so hilflos ist und guten Willens zu helfen, aber nicht helfen kann. Wenn man sich etwas nicht erklären kann.

Alles in allem Narben haben wir wohl alle, der eine mehr der Andere weniger. Aber ohne Narben kommen wir wohl nicht durchs Leben. Aber ob diese Narben wirklich notwendig sind durch das Leben zu kommen, darüber lässt sich wirklich streiten. Sicher bewirken sie teilweise, dass man Verhaltensweisen ändert oder in manchen Sachen falsch oder über reagiert. Aber ob das wirklich einen Lebensweg beeinflusst? Wenn man zu einer Sache nein gesagt hat, weil die Narben sagen nein das darfst du nicht, wir könnten wieder aufbrechen, aber tief im Herzen spürt man hätte lieber ja gesagt und bereut innerlich seine Entscheidung weil man sich nicht getraut hat den Versuch zu machen. Das weiß ich noch nicht so genau, darüber muss ich noch mal nachdenken.

Auf jeden Fall hat mich der Spruch einer Platinerin sehr beeindruckt.

Narben auf der Haut, sind ein Zeichen, das du gelebt hast.
. Narben auf der Seele, ein Zeichen, das du geliebt hast


Ich wünsche Euch allen ganz wenig Narben auf Eurem weiteren Lebensweg..

WP