In der Wüste, weißt du, gibt es nur Sand und Steine so weit du sehen kannst. Und den Himmel natürlich, den gibt es überall. Palmen und Gras sind so selten wie ein weißes Kamel. Sie gibt es nur in Oasen, wo Wasser aus der Erde kommt.
Einst lebte ein alter Emir mit seiner Tochter -er nannte sie Prinzessin - in so einer Oase tief in der Wüste. Seine Frau war vor langer Zeit gestorben. Nun war ihm die junge schöne Prinzessin das allerliebste auf der Welt , und er behüttete sie wie seinen Augapfel.
"Geh nicht aus dem Schloßgarten und hüte dich vor der grünen Schlange" warnte er wohl tausendmal,"Sie ist listig und will nur dein Verderben!"
Eines Tages als die Prinzessin am Brunnen mit ihrem roten Ball spielte, erblickte sie die Schlange und fürchtete sich. Sie war aber auch durch die vielen Warnungen des Vaters neugierig geworden, sa dass sie der Schlange schließlich in die Wüste folgte. Lange, ja Stunden lang, ging die Prinzessin der Schlange nach und wurde immer müder, matter und sehr durstig.--
Als die Schlange plötzlich unter einem Stein verschwand, merkte das Mädchen, dass es sich verlaufen hatte.
Vor Schreck und Erschöpfung sank es ohnmächtig in den heißen Wüstensand.
Sicher wäre die schöne Prinzessin verdurstet, wäre nicht ein junger Beduine zufällig vorbei geritten und hätte sie gerettet. Er gab ihr zu trinken und brachte sie so schnell sein Pferd laufen konnte zu einem Arzt in der Stadt. "Behüte das Mädchen bis es zu sich kommt", sagte er"Ich bin bald zurück und bringe es heim."
Der Beduine fand das Mädchen schön und wünschte es sich zur Braut. Er wusste aber nicht,dass es die Tochter des reichen und mächtigen Emirs war.
Als der Emir erkannte, dass sein Kind verschollen war, ließ er überall verkünden: Derjenige, der meine Tochter rettet und wohlbehalten zurückbringt, soll sie zur Frau erhalten und noch reich mit Gold belohnt werden.
Davon erfuhr auch der Arzt, der geldgierig und verschlagen war. Er brachte die Prinzessin zu dem Emir und gab sich als tapferer Retter aus. Als der Beduinenjunge einige Tage danach im Palast erschien und seinen Retterlohn forderte, ließ ihn der Emir in den Kerker sperren, denn er hielt ihn für einen Betrüger.
Aber später kamen ihm Zweifel. Tat er dem Jungen Unrecht? In seiner Gewissensnot bat er einen weisen Wesir um Rat und befolgte dessen kluge Weisung.
Er rief den Beduinenjungen und den Doktor zu sich und sprach:" Einer von euch kann nur der Retter meiner Tochter sein. Da ich nicht weiß wer es ist, teile ich den ausgesetzten Lohn. Entscheidet: Einer soll die Prinzessin zur Frau erhalten, der andere sein Leben lang von Gold umgeben sein." Der geldgierige Arzt rief sofort:" Gold, Gold, Gold !!" Der Junge aber schüttelte den Kopf." Mir liegt nichts am Gold. Schenkt mir eure Tochter zur Frau und macht mich damit zum glücklichsten Menschen auf der Welt!"
Da erkannte Der Emir den wahren Retter und die Hochzeit wurde mit großen Prunk gefeiert.
Der betrügerische Arzt aber musste lebenslang bei Wasser und Brot in einem goldenen Käfig büßen. Damit hielt der Emir sein Wort, denn nun war der Bösewicht sein Leben lang von Gold umgeben, genau wie er es versprochen hatte.
Die Prinzessin und die Schlange
Märchen für ein fünfjähriges Mädchen
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