Eigentlich hatte ich mich auf der Homepage von Achim Reichel um zwei Karten für seine Geburtstagsparty beim NDR beworben, wo sie für die „Aktuelle Schaubude“ am 30.1.2009 aufgezeichnet wurde. Eigentlich hatte ich die beiden Karten mit einigem Glück gewonnen. Eigentlich wollten Gabi Flöckchen und meine Wenigkeit anfangs auch nur zum Achim nach Hamburg fahren. Eigentlich meinten wir dann aber, wir hängen ein paar Tage dran und sehen uns die Stadt an, da kommt man von Duisburg und Bergheim ja nicht jeden Tag hin. Eigentlich buchte ich im Netz, weil Gabi die Dame so mag, eine Hafenrundfahrt der besonderen Art mit Olivia Jones, der berühmt-berüchtigten Hamburger Transe. Und ja, eigentlich wollten wir am Samstag dann um 18 Uhr pünktlich am Treffpunkt an der U3 bei Sankt Pauli sein. Hamburgs Taxifahrer sind erstens sehr schweigsam (was manchmal ja durchaus von Vorteil sein kann), und zweitens sehr pünktlich. Drittens fahren sie weg, wenn man nicht auf die Sekunde genau an der Straße steht. Wir kamen um genau zwei Minuten zu spät aus der Edel-Bruchbude, die die Vermieterin, unsere Frau Sauerklunker (Name kann leicht variieren), im Netz blumig unter „Urlaub mit Hund“ angeboten hatte, und sahen nicht mal mehr die Rücklichter der Taxe. Auf die telefonische Nachfrage bei Hamburg 666666, wo denn unser Taxi geblieben sei, wurden wir mit einem freundlichen „In dem Ton schon mal gar nicht!“ und recht angenehmen Auflegen charmant ab-beschieden, und als wir mit dem Taxi der Konkurrenz eine Viertelstunde zu spät am Treffpunkt waren, war Olivia natürlich schon weg. Aber es sollte ja eine Hafenrundfahrt werden, und klug, wie wir Duisburg-Bergheimer nun einmal sind, sagten wir uns, dass eine Rundfahrt nur auf einem Schiff stattfinden kann, und so ein Schiffe legt nun einmal an den bekannten Stellen ab. Das meinten auch die netten Damen im Touristik-Center an den Landungsbrücken, sagten uns aber auch, dass Olivias Hafenrundfahrten erst ab Märt (frühestens) statt fänden. Was wir gebucht hatten, sei eine Kiez-Tour. Okäääiiii … wir sind ja durchaus flexibel und kiezten also mal los, um die Dame und ihre, sicherlich zahlreich angetretene, Gruppe auf dem Kiez eben abzufangen. Im Flyer waren ja die Stationen aufgelistet, an denen eingekehrt werden sollte. Kaffee Keese … da wusste man nichts von Olivia und Kiez-Tour … Boutique Bizarre, die nächste Station auf dem Flyer … da hatte Olivia schon lange Hausverbot … Die Davidswache, auch ne Station … keine Ahnung von Olivia. „Aber versucht es mal in ihrer Kneipe, da geht sie am Ende immer mit ihren Leuten hin …“ Okäääiii … da landeten wir auch nach etlichen weiteren Stationen, die keine solchen waren. Nur war die Kneipe dunkel und hatte zu. Der Türsteher vom „Safari“, schräg gegenüber, kläret uns dann auf, dass Olivia Jones schon seit über einer Woche nicht mehr gesehen worden sei und die Kneipe geschlossen habe. Ähnliches erfuhren wir auch in der Kneipe nebenan, einer urigen, herrlichen alten Reeperbahn-Pinte. Olivia, sagte die süße Frau Wirtin, sei schon seit einer Woche auf einer Schönheitsfarm, da hinge auch ein Schild in der Kneipentür. Naja, das haben wir dann auch fotografiert, und die Olivia haben wir nicht gesehen. Sie war, wie wir später erfuhren, übrigens auf einer Schokoladenmesse. Gabi und ich, wir sahen uns die Schau im „Safari“ an, wovon besonders ihr der poppende Dracula für immer im Gedächtnis bleiben wird (so wie sie später im Schlaf seufzte), und am anderen Tag die Schönen der Nacht im „Pulverfass“, was uns Olivia Jones‘ Abwesenheit vom Kiez herzlich vergessen ließ. Die in den Sand gesetzten 78 Euro holen wir uns natürlich wieder, wozu hat man das Schild fotografiert (wer Lust hat, siehe mein Album von Hamburg 2009) und die Tickets. Ach, und ja … Als ich wieder in Bergheim war, fand ich eine Mail der Veranstalter vom 30. Januar vor, in der es hieß, die Tour fände nicht statt. Wir finden diese Art der direkten Kommunikation mehr als vorbildlich! Man stelle sich vor, die Veranstalter (die selbst überrascht von Olivias plötzlicher Absenz waren) hätten uns auf Handy benachrichtigt – nicht auszudenken! Oder die vielem „Stationen“, die von ihrer Auflistung im Flyer nichts wussten, hätten mitgeteilt, dass ihr Name gar sträflichst missbraucht worden sei. Ich hatte für gestern Abend eigentlich einen Vortrag im „Goldenen Hamster“ hier in Bergheim angeboten, für den sich auch tatsächlich 43 erwachsene Personen, drei Meerschweinchen und 72 Zwerghamster angemeldet hatten, für jeweils 39 Euro Teilnahmegebühr (Hamster und Meerschweinchen mit Studentenausweis die Hälfte). Ich denke mir mal, den Herrschaften werde ich nun auch langsam mal schreiben, dass der Vortrag leider nicht statt finden kann. Der Olivia Jones wünschen wir aber auch weiterhin recht viele Gäste auf den nicht statt findenden Touren, und dass sie sich auf der Schoko-Messe nicht zu sehr die Kalorien auf die Rippen zieht. Wir freuen uns schon auf die nächste gelungene Kiez-Tour mit ihr, darf auch eine Hafenrundfahrt sein, und auf die Schönen der Nacht im „Pulverfass“, die übrigens … äääh … … auch nix davon wussten, dass die Olivia mit ihren Kieztouristen bei ihnen einkehren würden-wollten-sollten … Olivia – wenn du jetzt bald von der Messe zurück bist: Wir danken dir für den schönen Abend bei dir auf dem Kiez! Wie heißt es so schön in deinem Flyer? „Reeperbahn erleben mit Olivia Jones!“ Das haben wir, moin moin und hummel hummel und schüttel schüttel! Genau wie den „Urlaub mit Hund“ bei der Frau Sauerkötter im Kellerverhau und garantiert hundeausbruchssicheren Grundstück. Nein, werte Frau Sauerampfer, es war allein der Fehler unseres Yorckis Niedels, dass er plötzlich vor quietschenden Reifen mitten auf der Straße stand, weil er nicht zugehört hatte, als sie, naja, leicht leise und zugeknöpft, uns ihre Internet-Annonce nachträglich einschränkten: „Naja, für so kleine Hunde gilt das ja nicht …“ Dass Sie, werteste Frau Sauerklümper, die Kaution dann auch einbehielten und noch zehn Euro draufschlugen, weil unsere Hunde sich in Ihrem eisigen Kellergewölbe – man stelle sich vor!“ – bewegt und, potzblitz!, gebellt (!!!) haben, findet auch unser vollstes Verständnis! Und dass Sie uns Ihren Rechtsanwalt so lieb ans Hertz legten, weil unsere Hunde sich in Ihrer „Urlaub-mit-Hund-Wohnung“ im miefig-kalten Kellergeschoss unter dem – inserierten – Wintergarten wie Hunde zu benehmen herausnahmen, verdient bereits den vollsten Respekt! Ihr Kühlschrank, der Gabi beim Öffnen mitsamt Inhalt auf und über die Füße kippte, ist ebenso eines besonderen Lobes wert wie die abgebrochene Nachttischlampe, an der ich mir das Handgelenk blutig geschnitten habe. Also, Frau Sauerhummer – wir finden, Sie sollten sich bei der Olivia Jones eintragen, damit sie ihre geprellten Kiez- und Hafentouristen, die von weither kommen und so viel Geld bezahlen, vielleicht standesgemäß bei Ihnen einquartiert. Nur bitte … dann nicht mit einem kleinen Hund, und ganz, ganz bittebitte auch keine Raucher.