Nach etwa 6 Wochen hörte die Helga plötzlich auf zu arbeiten. Wir hatten unsere "Frühstücksparty" schon länger aufgegeben, und ich wollte mich erstmal zurück halten, weil die Mädchen sonst ja doch auch ein bisschen den Respekt verlieren könnten.
Die Mädels druckten so ein bisschen herum, grinsten mich an, und mir war dann schon ganz schnell klar, dass etwas im Busch war oder sollte ich besser im Bauch sagen. Wo ist die Helga fragte ich und erhielt als Antwort, sie sei wohl zu ihrer Familie nach Rehoboth gefahren. Der geneigte Leser sollte wissen, dass damals Rehoboth die größte Stadt der Coloureds war. Dort durften seinerzeit also keine Weißen und auch keine Schwarzen wohnen. Ja, so war das und nach etwa 9 Monaten erfuhr ich dann noch, dass ein gesunder Knabe das Licht der Welt erblickte.
Mit meinem job ging es recht gut, da ich doch recht schnell lernte. Sogar mit dem alten Terp in der Küche kam ich relativ gut klar, obwohl ich schon das Gefühl hatte, dass er ein alter Nazi war, der in Süd-West untergeschlupft war. Beweise hatte ich natürlich nicht, und zu der Zeit war es mir auch nicht so wichtig. Ich hatte mit mir selbst zu tun. Später bekam ich dann ein Zimmer im gegenüber liegendem Block und das Allerschärfste war, dass es direkt gegenüber der Polizeistation war, allerdings im 2. Stock. Es lief in der Zeit so mancher "Bunter Abend" bei uns, und das war auch so eine Art code Wort bei uns. Bunt für Coloured, es waren also die Bunten, und wenn wir einen bunten Abend planten, dann war klar, dass es um eine Party mit eben diesen Mädels ging.
Inzwischen war ich auch im Atlantik Hotel bekannt sowie im Yacht-Club, da wir ja als Hotelangestellte uns untereinander alle kannten.
Ja und dann war noch etwas ganz besonderes zu berichten. Die Piloten der South-West-Airlines schliefen ein oder zweimal die Woche bei uns, bevor sie dann nach Lüderitz-Bucht weiterflogen. Und so ergab es sich doch hin und wieder, dass sie einen Platz frei hatten und einer von uns mit fliegen konnte. Wir flogen also dann am Dienstag hin, blieben bis Donnerstag und konnten dann, falls wieder ein Platz frei war, zurück fliegen. Wenn kein Platz auf dem Rückflug frei war, dann "mussten" wir halt noch ein par Tage dort bleiben.

Dieser Flug war schon ein kleines Abenteuer, weil die Piloten manchmal ganz tief über die Wüste flogen, wir dann Schiffsrümpfe aus dem Sand ragen sahen, wobei die See bestimmt so ca. 500m weiter manchmal auch noch viel weiter erst anfing. Dann gab es auch ein Oase, in der jede Menge Wild zu sehen war, und wir uns fragten, wie die Tiere dort hingekommen waren. Und immer mal wieder ein Schiffswrack, das sich teilweise aus dem Sand erhob. Die Landebahn in Lüderitz war auch nur aus Gravel und als wir dann endlich unten waren, sahen wir um uns herum ein paar Geisterhäuser. Da war glaube ich nicht ein einziges bewohnt. In Lüderitz konnten wir im Kapshotel umsonst übernachten, da es auch zur South-West-Breweries gehörte.

Von der Helga hörte ich dann nichts mehr, auch nicht von dem Kind, und ich muss ehrlich sagen, dass ich zu der Zeit auch nicht böse darüber war.
Ich hatte dann später noch mit einem anderen jungen Mädchen aus dem Mermaid Hotel das Vergnügen, und auch da gab es wieder einen Treffer. Aber auch da kam ich gut und ungeschoren heraus.
Irgendwann wollte ich aber aus dem Hotelgeschäft raus und hörte, dass die South-West-United-Agency einen Reisenden suchte. Ich flog dann also mit nach Windhoek, sollte dann am Freitag dort sein und gleich mit einem crashkurs anfangen. Oh oh, da bin ich erst einmal fürchterlich versackt in der Kaiserkrone, in der ich auch wohnte, und zur Firma kam ich dann doch erst am Dienstag, vorher hatte ich mich einfach zu sehr geschämt mit meinem verkaterten Gesicht.
Komischerweise wurde ich trotzdem genommen und ....

beim nächsten mal weiter.