Ich hatte mich gerade auf die Kante einer Stufe gesetzt und wechselte das Objektiv meiner Kamera.

Die Aufnahmen in der Hitze machten ganz schön müde. Was gäbe ich jetzt für ein Glas eiskaltes Mineralwasser. Gerade träumte ich mir ein beschlagenes Glas besagten Inhalts vor die Augen als ich mich beobachtet fühlte.

Ich drehte meinen Kopf ein wenig zur Seite und sofort fiel er mir auf. Lässig lümmelte er auf einem dicken Ast und starrte zu mir herüber. Seine Augen hatten so etwas...ich konnte meinen Blick nicht von ihm lassen. Ohne zu blinzeln sah er unentwegt zu mir. Seine Augäpfel bewegten sich, er musterte mich langsam und genüsslich. Seine ganze Haltung zeigte mir, dass er hier der King war. Auch ich musste zugeben, dass es hier kein männliches Exemplar gab, das mithalten konnte.

Das Licht schien durch die wenigen Blätter und tauchte seinen schlanken Körper in ein Olivbraun. Seine Muskeln spielten unter seiner schimmernden Haut. Mit wurde heiß. Ich nahm den bunten Seidenschal und öffnete den Knoten unter meinem Kinn. Diese Geste schien ihn zu ermutigen.

Er ließ geschickt seinen Körper in die Schieflage kippen, ruckte kurz und schon baumelte sein Schwanz von diesem Ast herunter. Ich schätzte ihn auf gut 25 cm Länge. Gerade begann er, mit der Zunge Leckereien aus einer Schale zu schlecken und das alles, ohne mich aus den Augen zu verlieren.

„Oh, sie sind das Objekt seiner Begierde! Ich dachte schon, Yao würde sich endlich um Rinita kümmern.“

Der junge Mann hinter mir lächelte mich an und zeigte auf Yao.

„Wenn sie mal etwas mit den Schultern zucken, wird er richtig aufdrehen, das macht ihn nämlich unheimlich an, “ wusste der Bursche. Ich tat was mir geraten wurde und staunte nicht schlecht. Nun ruckte Yao, bis sein Schwanz wippte, dazu streckte er die Zunge weit heraus und glotzte mich immer noch lauernd an.

„Haben die hier alle so ein seltsames Balzritual? Das habe ich ja noch nie erlebt,“ gab ich zu.

„Yao ist noch recht jung, er übt noch, doch sie sind einfach unwiderstehlich mit diesem farbigen Tuch um den Hals. Nehmen sie das mal ab und halten sie es an die Scheibe,“ schlug er vor.

Kaum nahm ich das Tuch von Hals, sprang Yao mir entgegen und versuchte, mit seinen Krallen ein Loch in das dicke Glas seines Terrariums zu kratzen.

„Rinita, das junge Weibchen, hat noch nicht diese kräftigen Farben. Ich fürchte, die kann Yaos Liebe in diesem Jahr nicht mehr erringen. Ihre Farben sind einfach viel lockender, weil kräftiger,“ erklärte der Echsenfreund.

„Ich schenke Rinita mein Tuch und sagen sie ihr bitte, ich hätte nie die Absicht gehabt, ihren Mann zu umgarnen und Leguaneier will ich auch nicht legen!“

Bevor mir das Schuppentier einen Kuss mit seiner langen Zunge geben würde, schnappte ich meinen Fotokram und ging zu den Fröschen, mit dem festen Vorsatzes, auch hiervon keinen zu küssen.