Die wenigsten Menschen behalten ihr Leben lang ihre natürliche Haarfarbe - und das ohne ein einziges graues Haar. Doch es gibt diese Ausnahmen, auch wenn ich persönlich keinen einzigen dieser glücklichen Zeitgenossen(innen) kenne. In meinem Umfeld bewegen sich nur Personen, die nervös werden, wenn nach dem Färben schon nach kurzer Zeit erneut nachgewachsene graue Haare zu sehen sind. Besonders Frauen (ich bin keine Ausnahme) sind da sehr empfindlich.
Da gibt es nur eine Lösung: Entweder färbt man das Haar in einer umständlichen Prozedur selbst oder man überlässt diese Tätigkeit seinem Friseur. Letzteres ist nicht gerade billig, wie jeder weiß. Doch wer läuft schon gerne ergraut durchs Leben? Es gibt ja Frauen, denen graues Haar wirklich gut steht. Ich gehöre nicht zu ihnen. Leider, könnte ich sagen, denn in diesem Fall müsste ich nicht so viele Stunden bei meinem Friseur verbringen.
Auf der anderen Seite sind die Friseurstunden auch ganz erholsam. Da wird wahlweise Kaffee oder ein kaltes Getränk serviert und man kann nach Herzenslust in irgendwelchen Zeitschriften schmökern, die man sich selbst nicht kaufen würde. Vor kurzem habe ich beim Lesen einer solchen Zeitschrift etwas Ungersetzliches getan: Das war die Sache mit dem Backrezept, das ich ganz spontan aus einer Frauenzeitschrift gerissen habe. Heimlich natürlich. Hoffentlich hat niemand etwas gemerkt.
Warum "dürfen" Männer graues Haar haben, Frauen jedoch besser nicht? Ein Mann sieht mit ergrautem Haar "interessant" aus, finden viele meiner Geschlechtsgenossinnen. Eine Frau mit grauen Strähnen im ansonsten dunklen oder hellen Haar nennt kaum jemand "interessant". Da denkt man im Stillen eher: "Sie könnte auch mal wieder zum Friseur gehen..."
Vielleicht stellt sich eines Tages ja heraus, dass Haarfarben schlimme Krankheiten auslösen können. Dann wird sich möglicherweise niemand mehr Gedanken um das Problem der früh ergrauten Haarpracht machen. Ich will aber nicht hoffen, dass dieser Fall jemals eintreten wird.
Bild: Gerd Altmann/pixelio
