Ein Spaziergang durch Dresden Teil1
Ich gehe sehr oft und gern mit meinem Fotoapparat durch meine Heimatstadt und entdecke immer wieder Neues und Interessantes. Einige meiner Fotos habe ich hier veröffentlicht.
Dresden - die jung gebliebene alte Stadt an der Elbe - ist wirklich eine Perle unter den deutschen Städten.
Wir Dresdner sind mächtig stolz darauf, obwohl wir natürlich wissen, dass es viele schöne Städte in Deutschland und in der Welt gibt. Außerdem ist es nicht unser - der heutigen Generation - Verdienst, dass Dresden durch seine barocken Bauten Weltruhm erlangt hat. Was uns zu tun bleibt, ist, diese Schönheit zu bewahren, und den Ruf nach Frieden und Versöhnung in die Welt zu tragen.
Besonders freuen wir uns, wenn wir Gäste haben, denen wir mit Vorliebe und voller Stolz unser schönes Dresden zeigen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Sonne scheint oder ob es regnet. Dresden ist ganz einfach immer schön.
Es stört uns Dresdner auch nicht, dass man uns wegen unseres Dialekts nicht überall in Deutschland mag. Wir haben ja unsere wunderschöne Stadt, die trotz unseres Dialekts Jahr für Jahr Anziehungspunkt für Tausende von Touristen ist. Die Kritiker vergessen außerdem, dass es die sächsische Kanzleisprache war, die Martin Luther durch seine Bibelübersetzung zur Grundlage des heutigen Hochdeutschs gemacht hat.
Lassen wir diese Betrachtungen.
Ich lade Sie ein, zu einem kleinen Spaziergang durch meine Heimatstadt Dresden.
Im Zwinger
Wir beginnen unseren Rundgang im Zwinger - dem Wahrzeichen Dresdens schlechthin. Ein Ensemble von barocker Schönheit und Harmonie - und dann dieser unromantische Name - Zwinger. Man denkt bei diesem Wort doch sofort an Bären oder andere gefährliche Raubtiere. Hat man hier vielleicht mitten in der Stadt einmal Bären gehalten oder Löwen dressiert? Mitnichten - "Zwinger" ist ein Wort aus dem Festungsbau und bezeichnet den Zwischenraum zwischen der äußeren und der inneren Festungsmauer. Hier, wo die Elbe einen kleinen Bogen macht und die äußere Begrenzung die Elbe war, ist ein ziemlich großer, freier Zwischenraum vorhanden gewesen.
Man stelle sich vor: August der Starke, der seit 1694 Kurfürst von Sachsen war, stand an einem der zahlreichen Fenster seines Residenzschlosses und ließ seinen Blick hinüber zur Elbe schweifen. Und immer war da dieser öde leere Platz. Das verletzte das ästhetische Empfinden unseres Kurfürsten erheblich. Er war ja zudem als Liebhaber alles Schönen zumindest in Sachsen weithin bekannt. Da begann er zu träumen, und es entstand vor seinem geistigen Auge ein kleines architektonisches Meisterwerk. Beeinflusst durch die Prachtbauten Ludwigs XIV., auf den er immer mit etwas Neid blickte, brachte August der Starke seine Phantasien zu Papier. Es gibt bis heute erhaltene Skizzen, die das belegen. Er legte diese Skizzen dem Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann vor und der begann im Jahre 1709 mit Hilfe des Bildhauers Balthasar Permoser ein barockes Meisterwerk aus Sandstein zu bauen.
Es entstand ein zur Elbe offenes Ensemble aus Pavillons und Galerien gegenüber dem Residenzschloss, genau richtig für höfische Feste und Bälle. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Hochzeitsfeierlichkeiten anlässlich der Vermählung des Kurprinzen mit der Habsburgerin und Kaiserstochter Maria Josepha 1719 im Zwinger stattfanden. Zwar noch nicht restlos fertiggestellt - der Glockenpavillon wurde erst 1783 von Hofbildhauern vollendet - wurde der Zwinger zu diesem Anlass weiß gestrichen, die Kupferdächer erstrahlten blau, und die Kronen und Wappenkartuschen glänzten vergoldet. Man kann sich die überwältigende Wirkung auf die angereisten Hochzeitsgäste vorstellen.
Wir überqueren über eine kleine Holzbrücke den Wassergraben, in dem sich Karpfen aller Größen tummeln, und gelangen durch das Kronentor in den Zwingerhof. Seine majestätische Ausstrahlung und seinen Namen hat das Kronentor von der von polnischen Adlern getragenen Königskrone - Symbol der polnischen Königswürde, die August der Starke von 1697 bis zu seinem Tode 1733 innehatte.
Die gepflegten Wege, Rasenflächen und symmetrisch angelegten Springbrunnen im Innenhof erinnern tatsächlich ein klein wenig an Versaille, obwohl diese Gestaltung des Innenhofes zu Augusts Zeiten noch gar nicht vorhanden war.
Rechts begrüßt uns das Glockenspiel aus Meißner Porzellan im Glockenpavillon zu jeder vollen Stunde mit einer kleinen Melodie.
Links vor dem Wallpavillon sind noch die Bühne und die Sitzreihen vom letzten Zwingerkonzert aufgebaut.
Das ist Romantik pur im barocken Ambiente, wenn es langsam dunkel wird, die Laternen angehen, die Springbrunnen leise plätschern und dazu Operettenmelodien oder Ballettmusik erklingen - es sei denn, ein plötzlicher Regenschauer macht dem romantischen Zauber ein jähes Ende.
Über die Treppe des Wallpavillons erreichen wir das Nymphenbad - so genannt nach den in Stein gehauenen weiblichen Wesen an den Wänden. Das ist ein wahres Kleinod barocker Baukunst, hier findet die Harmonie von Bau- und Wasserkunst ihren vollendeten Ausdruck. Versteckt in den Mauern des Zwingers und sicher vor neugierigen Blicken hat an diesem verschwiegenen Ort so manches heimliche Rendezvous stattgefunden. Welche Frau hätte an diesem romantischen Plätzchen einem Manne widerstehen können - und wenn der Verehrer der für seine Liebesabenteuer bekannte König höchst persönlich war - schon gar nicht. Die altehrwürdigen Mauern könnten bestimmt so manche Geschichte erzählen, aber sie schweigen diskret.
Überlassen wir das Nymphenbad den Liebespaaren und Touristengruppen und schlendern wir auf der Galerie vorbei am mathematisch-physikalischen Salon und den Bildhauerwerkstätten, in denen es ständig Skulpturen des Zwingers zu reparieren, restaurieren oder zu ersetzen gibt. Sonne, Wind, Regen und der "Zahn" der Zeit nagen an dem weichen Sandstein, sodass es für die Bildhauer im Zwinger immer viel zu tun gibt.
Wir verlassen den Zwinger durch den Semperbau, jenen Bau, der erst über 100 Jahre später durch den Hofarchitekten Gottfried Semper dem Ensemble des Zwingers hinzugefügt wurde. Die Sammelleidenschaft Friedrich Augusts III. hatte dazu geführt, dass der Platz für die Gemälde im Johanneum nicht mehr ausreichte. Man brauchte ein neues Gebäude. So bekam der durch den Bau der Semperoper bereits berühmt gewordene Gottfried Semper den Auftrag, die Nordseite des Zwingers durch ein als Gemäldegalerie geeignetes Bauwerk zu schließen. Im Stil der italienischen Hochrenaissance erbaut, fügt es sich harmonisch in die Pavillons des Zwingers ein und kann doch seine Verwandtschaft und Ähnlichkeit mit der Semperoper nebenan nicht leugnen.
Die Semperoper und der Theaterplatz
Und nun stehen wir hier auf dem Theaterplatz vor einem der schönsten Opernhäuser der Welt - der Semperoper. Sie hat Dresdens Ruhm als Musikstadt mitbegründet und ist eines der wenigen Bauwerke in Dresden, die nichts mit August dem Starken zu tun haben. Über 100 Jahre nach seinem Tode, im Jahre 1841 wurde das neue Königliche Hoftheater eröffnet.
Viele berühmte Komponisten, Dirigenten, Musiker und Sänger wirkten hier und waren begeistert - vom Publikum und von der hervorragenden Akustik, die sogar die der Mailänder Scala in den Schatten stellen soll.
Semper wollte nicht nur einen Tempel der Musik schaffen, ihm ging es um einen Tempel der Kunst. Nicht nur der Opernbesuch sollte für den Besucher ein Höhepunkt werden - was ohnehin nicht in Sempers Hand lag. Er wollte den Opernbesuch zu einem allseitigen Kunsterlebnis machen, das mit dem Betreten der Oper beginnt, in der Pause im Foyer mit seinen Säulen und Deckenmalereien fortdauert, im Zuschauersaal mit dem großen Kronenleuchter und dem bildnerischen Schmuck seinen Höhepunkt findet und beim Verlassen der Oper noch lange nachklingt.
Wir wenden unseren Blick zur Elbe. Dort steht als nördliche Begrenzung des Theaterplatzes das Restaurant "Italienisches Dörfchen". Der Name erinnert an die italienischen Bauarbeiter, die von 1739 bis 1755 hier in Zelten gewohnt haben, als sie unter Leitung des italienischen Architekten Gaetano Chiaveri die Katholische Hofkirche bauten.
Im Mittelpunkt all der historischen Kunst- und Kulturbauwerke rund um den Theaterplatz steht das König-Johann-Denkmal. Johann förderte und liebte die Kunst und die Literatur. Eine seiner unvergänglichen Taten war die Übersetzung von Dantes "Göttlicher Komödie" ins Deutsche. Wir Dresdner meinen, dass er zu Recht über den Theaterplatz reitet. Der hohe Sockel des Denkmals ist bei schönem Wetter ein beliebter Ruheplatz und Fotostandort.
Zur Brühlschen Terrasse
Über die monumentale Freitreppe an der Elbseite des Theaterplatzes kommen wir zur Brühlschen Terrasse.
Wer war dieser Brühl, dessen Name einem in Dresden fast genau so oft begegnet wie der Augusts des Starken?
Heinrich von Brühl, sächsischer Edelmann, kam als Page an den sächsischen Hof. Durch Intelligenz, Zielstrebigkeit und ein paar Intrigen arbeitete er sich besonders unter Friedrich August III. zum Premierminister hoch. Für den Sohn Augusts des Starken wurde Brühl bald unentbehrlich, weil dieser, für Politik weniger interessiert und ambitioniert, sich lieber den schönen Künsten widmete. So nahm Brühl immer mehr Einfluss auf das politische Geschehen. Er strebte eine Landverbindung zwischen Sachsen und Polen an und zog damit den Hass und Zorn des Preußenkönigs auf sich, der dann auch den Siebenjährigen Krieg dazu nutzte, alle Schlösser und Güter Brühls verwüsten und zerstören zu lassen. Das ist aus kunsthistorischer Sicht sehr schade, weil Brühl vor allem sich selbst gegenüber nicht knausrig war und einige der schönsten Schlösser und Paläste in und um Dresden besaß.
Erhalten geblieben ist uns die Terrasse, die auf Geheißen Brühls auf dem ehemaligen Wall - Reste der alten Stadtbefestigung sind heute unter der Brühlschen Terrasse wieder freigelegt worden und können besichtigt werden - nach Plänen des bekannten Barockbaumeisters Knöffel angelegt wurde. Kein geringerer als Goethe war es, der dieser von Brühlschen Prachtbauten gesäumten Terrasse mit Blick auf die Elbe und die Neustadt den Namen "Balkon Europas" gegeben hat. Die prächtigen Bauten des Grafen Brühl wurden Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen, geblieben sind der Sekundogenitur - der Palast des jeweils zweitgeborenen Sohnes, heute ein Restaurant -, die Kunstakademie mit der weithin sichtbaren gläsernen Kuppel und dem vergoldeten Engel darauf und gegenüber dem Brühlschen Garten das Albertinum.
Im Albertinum befinden sich die Gemäldegalerie "Neue Meister", die antike Skulpturensammlung und das Münzkabinett.
Wir verweilen einen kurzen Augenblick dort, wo vor uns schon viele berühmte Leute gestanden haben und schauen über die Elbe zum Neustädter Markt. Dort steht der „Goldene Reiter“, ein Denkmal Augusts des Starken, das nach seinem Tod dessen Sohn aufstellen ließ.
Majestätisch und im goldenen Glanz sitzt August der Starke auf seinem Pferd und reitet nach Polen. Das war schon nicht einfach als König von Polen und Kurfürst von Sachsen gleichzeitig allen Verpflichtungen nachzukommen, obwohl nicht anzunehmen ist, dass August die weite Reise nach Warschau zu Pferde gemacht hat. Die königlichen Kutschen boten da doch etwas mehr Bequemlichkeit.
Werfen wir einen Blick zurück zur Freitreppe, hinter der sich majestätisch die Kathedrale - die Katholische Hofkirche - erhebt.
Wir Dresdner sind mächtig stolz darauf, obwohl wir natürlich wissen, dass es viele schöne Städte in Deutschland und in der Welt gibt. Außerdem ist es nicht unser - der heutigen Generation - Verdienst, dass Dresden durch seine barocken Bauten Weltruhm erlangt hat. Was uns zu tun bleibt, ist, diese Schönheit zu bewahren, und den Ruf nach Frieden und Versöhnung in die Welt zu tragen.
Besonders freuen wir uns, wenn wir Gäste haben, denen wir mit Vorliebe und voller Stolz unser schönes Dresden zeigen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Sonne scheint oder ob es regnet. Dresden ist ganz einfach immer schön.
Es stört uns Dresdner auch nicht, dass man uns wegen unseres Dialekts nicht überall in Deutschland mag. Wir haben ja unsere wunderschöne Stadt, die trotz unseres Dialekts Jahr für Jahr Anziehungspunkt für Tausende von Touristen ist. Die Kritiker vergessen außerdem, dass es die sächsische Kanzleisprache war, die Martin Luther durch seine Bibelübersetzung zur Grundlage des heutigen Hochdeutschs gemacht hat.
Lassen wir diese Betrachtungen.
Ich lade Sie ein, zu einem kleinen Spaziergang durch meine Heimatstadt Dresden.
Im Zwinger
Wir beginnen unseren Rundgang im Zwinger - dem Wahrzeichen Dresdens schlechthin. Ein Ensemble von barocker Schönheit und Harmonie - und dann dieser unromantische Name - Zwinger. Man denkt bei diesem Wort doch sofort an Bären oder andere gefährliche Raubtiere. Hat man hier vielleicht mitten in der Stadt einmal Bären gehalten oder Löwen dressiert? Mitnichten - "Zwinger" ist ein Wort aus dem Festungsbau und bezeichnet den Zwischenraum zwischen der äußeren und der inneren Festungsmauer. Hier, wo die Elbe einen kleinen Bogen macht und die äußere Begrenzung die Elbe war, ist ein ziemlich großer, freier Zwischenraum vorhanden gewesen.
Man stelle sich vor: August der Starke, der seit 1694 Kurfürst von Sachsen war, stand an einem der zahlreichen Fenster seines Residenzschlosses und ließ seinen Blick hinüber zur Elbe schweifen. Und immer war da dieser öde leere Platz. Das verletzte das ästhetische Empfinden unseres Kurfürsten erheblich. Er war ja zudem als Liebhaber alles Schönen zumindest in Sachsen weithin bekannt. Da begann er zu träumen, und es entstand vor seinem geistigen Auge ein kleines architektonisches Meisterwerk. Beeinflusst durch die Prachtbauten Ludwigs XIV., auf den er immer mit etwas Neid blickte, brachte August der Starke seine Phantasien zu Papier. Es gibt bis heute erhaltene Skizzen, die das belegen. Er legte diese Skizzen dem Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann vor und der begann im Jahre 1709 mit Hilfe des Bildhauers Balthasar Permoser ein barockes Meisterwerk aus Sandstein zu bauen.
Es entstand ein zur Elbe offenes Ensemble aus Pavillons und Galerien gegenüber dem Residenzschloss, genau richtig für höfische Feste und Bälle. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Hochzeitsfeierlichkeiten anlässlich der Vermählung des Kurprinzen mit der Habsburgerin und Kaiserstochter Maria Josepha 1719 im Zwinger stattfanden. Zwar noch nicht restlos fertiggestellt - der Glockenpavillon wurde erst 1783 von Hofbildhauern vollendet - wurde der Zwinger zu diesem Anlass weiß gestrichen, die Kupferdächer erstrahlten blau, und die Kronen und Wappenkartuschen glänzten vergoldet. Man kann sich die überwältigende Wirkung auf die angereisten Hochzeitsgäste vorstellen.
Wir überqueren über eine kleine Holzbrücke den Wassergraben, in dem sich Karpfen aller Größen tummeln, und gelangen durch das Kronentor in den Zwingerhof. Seine majestätische Ausstrahlung und seinen Namen hat das Kronentor von der von polnischen Adlern getragenen Königskrone - Symbol der polnischen Königswürde, die August der Starke von 1697 bis zu seinem Tode 1733 innehatte.
Die gepflegten Wege, Rasenflächen und symmetrisch angelegten Springbrunnen im Innenhof erinnern tatsächlich ein klein wenig an Versaille, obwohl diese Gestaltung des Innenhofes zu Augusts Zeiten noch gar nicht vorhanden war.
Rechts begrüßt uns das Glockenspiel aus Meißner Porzellan im Glockenpavillon zu jeder vollen Stunde mit einer kleinen Melodie.
Links vor dem Wallpavillon sind noch die Bühne und die Sitzreihen vom letzten Zwingerkonzert aufgebaut.
Das ist Romantik pur im barocken Ambiente, wenn es langsam dunkel wird, die Laternen angehen, die Springbrunnen leise plätschern und dazu Operettenmelodien oder Ballettmusik erklingen - es sei denn, ein plötzlicher Regenschauer macht dem romantischen Zauber ein jähes Ende.
Über die Treppe des Wallpavillons erreichen wir das Nymphenbad - so genannt nach den in Stein gehauenen weiblichen Wesen an den Wänden. Das ist ein wahres Kleinod barocker Baukunst, hier findet die Harmonie von Bau- und Wasserkunst ihren vollendeten Ausdruck. Versteckt in den Mauern des Zwingers und sicher vor neugierigen Blicken hat an diesem verschwiegenen Ort so manches heimliche Rendezvous stattgefunden. Welche Frau hätte an diesem romantischen Plätzchen einem Manne widerstehen können - und wenn der Verehrer der für seine Liebesabenteuer bekannte König höchst persönlich war - schon gar nicht. Die altehrwürdigen Mauern könnten bestimmt so manche Geschichte erzählen, aber sie schweigen diskret.
Überlassen wir das Nymphenbad den Liebespaaren und Touristengruppen und schlendern wir auf der Galerie vorbei am mathematisch-physikalischen Salon und den Bildhauerwerkstätten, in denen es ständig Skulpturen des Zwingers zu reparieren, restaurieren oder zu ersetzen gibt. Sonne, Wind, Regen und der "Zahn" der Zeit nagen an dem weichen Sandstein, sodass es für die Bildhauer im Zwinger immer viel zu tun gibt.
Wir verlassen den Zwinger durch den Semperbau, jenen Bau, der erst über 100 Jahre später durch den Hofarchitekten Gottfried Semper dem Ensemble des Zwingers hinzugefügt wurde. Die Sammelleidenschaft Friedrich Augusts III. hatte dazu geführt, dass der Platz für die Gemälde im Johanneum nicht mehr ausreichte. Man brauchte ein neues Gebäude. So bekam der durch den Bau der Semperoper bereits berühmt gewordene Gottfried Semper den Auftrag, die Nordseite des Zwingers durch ein als Gemäldegalerie geeignetes Bauwerk zu schließen. Im Stil der italienischen Hochrenaissance erbaut, fügt es sich harmonisch in die Pavillons des Zwingers ein und kann doch seine Verwandtschaft und Ähnlichkeit mit der Semperoper nebenan nicht leugnen.
Die Semperoper und der Theaterplatz
Und nun stehen wir hier auf dem Theaterplatz vor einem der schönsten Opernhäuser der Welt - der Semperoper. Sie hat Dresdens Ruhm als Musikstadt mitbegründet und ist eines der wenigen Bauwerke in Dresden, die nichts mit August dem Starken zu tun haben. Über 100 Jahre nach seinem Tode, im Jahre 1841 wurde das neue Königliche Hoftheater eröffnet.
Viele berühmte Komponisten, Dirigenten, Musiker und Sänger wirkten hier und waren begeistert - vom Publikum und von der hervorragenden Akustik, die sogar die der Mailänder Scala in den Schatten stellen soll.
Semper wollte nicht nur einen Tempel der Musik schaffen, ihm ging es um einen Tempel der Kunst. Nicht nur der Opernbesuch sollte für den Besucher ein Höhepunkt werden - was ohnehin nicht in Sempers Hand lag. Er wollte den Opernbesuch zu einem allseitigen Kunsterlebnis machen, das mit dem Betreten der Oper beginnt, in der Pause im Foyer mit seinen Säulen und Deckenmalereien fortdauert, im Zuschauersaal mit dem großen Kronenleuchter und dem bildnerischen Schmuck seinen Höhepunkt findet und beim Verlassen der Oper noch lange nachklingt.
Wir wenden unseren Blick zur Elbe. Dort steht als nördliche Begrenzung des Theaterplatzes das Restaurant "Italienisches Dörfchen". Der Name erinnert an die italienischen Bauarbeiter, die von 1739 bis 1755 hier in Zelten gewohnt haben, als sie unter Leitung des italienischen Architekten Gaetano Chiaveri die Katholische Hofkirche bauten.
Im Mittelpunkt all der historischen Kunst- und Kulturbauwerke rund um den Theaterplatz steht das König-Johann-Denkmal. Johann förderte und liebte die Kunst und die Literatur. Eine seiner unvergänglichen Taten war die Übersetzung von Dantes "Göttlicher Komödie" ins Deutsche. Wir Dresdner meinen, dass er zu Recht über den Theaterplatz reitet. Der hohe Sockel des Denkmals ist bei schönem Wetter ein beliebter Ruheplatz und Fotostandort.
Zur Brühlschen Terrasse
Über die monumentale Freitreppe an der Elbseite des Theaterplatzes kommen wir zur Brühlschen Terrasse.
Wer war dieser Brühl, dessen Name einem in Dresden fast genau so oft begegnet wie der Augusts des Starken?
Heinrich von Brühl, sächsischer Edelmann, kam als Page an den sächsischen Hof. Durch Intelligenz, Zielstrebigkeit und ein paar Intrigen arbeitete er sich besonders unter Friedrich August III. zum Premierminister hoch. Für den Sohn Augusts des Starken wurde Brühl bald unentbehrlich, weil dieser, für Politik weniger interessiert und ambitioniert, sich lieber den schönen Künsten widmete. So nahm Brühl immer mehr Einfluss auf das politische Geschehen. Er strebte eine Landverbindung zwischen Sachsen und Polen an und zog damit den Hass und Zorn des Preußenkönigs auf sich, der dann auch den Siebenjährigen Krieg dazu nutzte, alle Schlösser und Güter Brühls verwüsten und zerstören zu lassen. Das ist aus kunsthistorischer Sicht sehr schade, weil Brühl vor allem sich selbst gegenüber nicht knausrig war und einige der schönsten Schlösser und Paläste in und um Dresden besaß.
Erhalten geblieben ist uns die Terrasse, die auf Geheißen Brühls auf dem ehemaligen Wall - Reste der alten Stadtbefestigung sind heute unter der Brühlschen Terrasse wieder freigelegt worden und können besichtigt werden - nach Plänen des bekannten Barockbaumeisters Knöffel angelegt wurde. Kein geringerer als Goethe war es, der dieser von Brühlschen Prachtbauten gesäumten Terrasse mit Blick auf die Elbe und die Neustadt den Namen "Balkon Europas" gegeben hat. Die prächtigen Bauten des Grafen Brühl wurden Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen, geblieben sind der Sekundogenitur - der Palast des jeweils zweitgeborenen Sohnes, heute ein Restaurant -, die Kunstakademie mit der weithin sichtbaren gläsernen Kuppel und dem vergoldeten Engel darauf und gegenüber dem Brühlschen Garten das Albertinum.
Im Albertinum befinden sich die Gemäldegalerie "Neue Meister", die antike Skulpturensammlung und das Münzkabinett.
Wir verweilen einen kurzen Augenblick dort, wo vor uns schon viele berühmte Leute gestanden haben und schauen über die Elbe zum Neustädter Markt. Dort steht der „Goldene Reiter“, ein Denkmal Augusts des Starken, das nach seinem Tod dessen Sohn aufstellen ließ.
Majestätisch und im goldenen Glanz sitzt August der Starke auf seinem Pferd und reitet nach Polen. Das war schon nicht einfach als König von Polen und Kurfürst von Sachsen gleichzeitig allen Verpflichtungen nachzukommen, obwohl nicht anzunehmen ist, dass August die weite Reise nach Warschau zu Pferde gemacht hat. Die königlichen Kutschen boten da doch etwas mehr Bequemlichkeit.
Werfen wir einen Blick zurück zur Freitreppe, hinter der sich majestätisch die Kathedrale - die Katholische Hofkirche - erhebt.
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