Nirgendwo kann man so schön die Menschen studieren, als an einem hoffnungsvoll überfüllten Baggersee bei gefühlten 45° Celsius Außentemperaturen.

An einem Sonntag sind natürlich die Familien in der Überzahl. Oh Mann, die kommen da mit Sackkarren voller Proviant, Sonnenschirm, Strandmuschel, Luftmatratze, Gummiboot, und natürlich dem unverzichtbaren Delphin an. Dazu kommen dann noch mindestens 4 Decken, eine entsprechende Anzahl an Handtüchern und für Mama und Papa die Campingstühle. Nachdem sie ihr Revier in der Größe meiner kleinen aber feinen Dachwohnung abgesteckt haben, Mama und Papa sich auf ihren Campingstühlen unter dem Sonnenschirm erstmal entspannt eine Zigarette rauchen, laufen die Kinder mit ihren süßen Schwimmflügelchen und dem dauergrinsenden Gummidelphin kreischend in Richtung Wasser. Natürlich bekommen sie die Kurve vor meinem kleinen Handtuch nicht richtig und trampeln mir über die Hände. „Ach, das sind eben Kinder. Ich war ja auch nicht besser“ sage ich mir und wende mich wieder meinem Buch zu.
Aber irgendetwas ist in diesem Jahr anders. Was ist es nur? Ja, da höre ich es auch schon. An den Kindern merken wir eben, wie die Zeit vergeht. Waren es vor ein paar Jahren noch die Rufe: „Ann – Kathriiiiiin!!!!“ und „Sööööööören“!!!! , so kommt inzwischen die „Marie“ - und „Yannick“ – Generation ins schwimmfähige Alter.

Aber etwas ändert sich leider nie. Immer mehr Familien bevölkern den See und ich kann sie inzwischen in meinem Schwarz – Weiß – Denken in zwei Gruppen unterteilen. Bis zum Aufbau ihrer kleinen Sommerresidenz ist noch alles gleich. Aber nun kommt der kleine aber auffällige Unterschied. „entspannte“ und „verspannte“ Eltern.
Die entspannten Eltern bauen mit ihren Kids unter viel Lachen und Gekreische ihr Domizil für diesen schönen Tag auf, spritzen ausgelassen mit der Sonnenmilch durch die Gegend und Papa lässt sich von seiner übermütigen 5 Jährigen Tochter, unter lautem Gelächter, im See mal kräftig „döppen“!
Die verspannten Eltern bauen dagegen gestresst und unter viel Meckerei über die im Weg stehenden Kinder freudlos ihr nicht minder aufwendiges Domizil auf. Lieblos werden die Kinder von Mama mit Sonnencreme angeschmiert, während Papa schon richtig genervt ist und seine Zeitung liest. Die Kinder werden ins Wasser geschickt, weil Mama und Papa sich ja nun auch mal erholen wollen, indem sie schweigend nebeneinander sitzen.
Nein, da schau ich doch lieber wieder zu dem Vater, der sich gerade endgültig seiner Tochter ergibt und sie wie ein Pferd, wild galoppierend zu Mama bringt.

Ein Familiensonntag ist wohl nicht immer…bzw. für alle, schön.