Ein Sommertag.... die Sonne scheint mich schon im Bett an, denn ich habe das Rollo halb offen. Ich rekele mich, strecke ein Bein aus dem Bett, freue mich auf das Aufstehen. Wir sind drei Parteien hier im Haus und ich bin die Einzige, die nicht mehr arbeitet. Ich bin Rentnerin schon mit 55 Jahren aus Krankheitsgründen. Meine Mitmenschen also rüsten sich für einen Arbeitstag. Ich habe lange Zeit gebraucht, um zu akzeptieren, daß ich nicht mehr tauge für die Arbeit. Es hat sich mir jahrelang der "Magen herumgedreht", wenn ich hörte, daß sich meine Mitbewohner, meine Nachbarn, etc. zur Arbeit begaben. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich dann noch im Bett lag. Ich habe aber jetzt gottlob den Punkt erreicht, an dem es nicht mehr so ist. 

 

Ich steige also an diesen Morgen aus dem Bett, begebe mich in die Küche, bereite mein Frühstück, öffne die Küchentür, die direkt nach draußen führt in meinen kleinen Garten. Ich rieche den Duft des Sommers. Es hat über Nacht geregnet, die Pflanzen glänzen im satten Grün. Ich hole die Gartenstuhl-Auflage und setze mich mit meinem Frühstück nach draußen. Die Vögel singen, die geschäftigen Geräusche meines Umfeldes dringen an mein Ohr und ich genieße es. Genieße die Geräusche ohne schlechtes Gewissen, genieße meinen Garten, mein Frühstück... Der Sohn meiner Cousine kommt aus dem Haus, sieht mich und ruft mir ein "Guten Morgen" zu. (Aus Spaß droht er manchmal an, mir einen Eimer Wasser über den Kopf zu gießen, wenn er zur Arbeit geht und mich schon gemütlich in meinem Garten sitzen sieht. Ich sitze nämlich dann direkt unter dem Fenster seines Ankleideraumes.) Menschen aus unserer Straße kommen vorbei, um Brötchen zu holen, ein netter Gruß fliegt hin und her. 

 

Ich gehe mit einem zweiten Kaffee herum und spreche mit den Pflanzen, bewundere die Rosen am Bogen, die voller Knospen sind und kann den Blütenrausch kaum erwarten. 

 

Ich beschließe, meinen Rasen zu mähen. Als ich fertig bin, ruft mich eine liebe Freundin an und erzählt mir von ihrem Urlaub auf Mallorca. Wir kommen ins reden und eine Stunde ist schnell herum. Ich mache weiter mit der Pflege meines Gartens, da klingelt das Telefon. Mein Sohn ist dran und redet ein wenig und ich freue mich, seine Stimme zu hören. Ich bin mittlerweile so richtig schön schmutzig von der Gartenarbeit, da kommt eine Freundin vorbei. Ich lasse alles stehen, setzte mich mit ihr in die Sonne und wir tauschen Gedanken aus. Irgenwann am frühen Nachmittag bin ich fertig, begebe mich unter die Dusche, fühle mich wie neu, setze mich auf mein Rad und besuche meine Mutter, die in einem Altenpflegeheim lebt. Sie ist 96 Jahre alt. Das Pflegeheim besitzt einen wünderschönen Garten, aber die alten Leutchen sitzen vor dem Haupttor. Sie wollen etwas mitbekommen. Sie wollen mit jemanden reden. Ich hole meine Mutter mit dem Rollstuhl heraus und scherze mit den alten Leuten. Die Gesichter hellen sich auf und ich spüre, wie gut es ihnen tut, mal mit jemanden zu reden und zu scherzen. Anschließend besorge ich noch Blumendraht, um dem "Rankelzeugs"  die Möglichkeit zu geben, sich festzuhalten. Ich habe nämlich Drahtseile über meine Terrasse gespannt und die möchte ich mit dem Blumendraht verbinden, um ein Blätterdach zu erzeugen. Auf dem Rückweg besuche ich noch eine Bekannte, die sich freut, mich zu sehen.

 

Abends kommt mein Sohn mit Bratwürstchen vorbei und wir essen gemeinsam auf der Terrasse. Wir trinken einen gut gekühlten Wein dazu und freuen uns über den warmen Abend.

 

Ein ganz unspektakulärer Tag geht dem Ende zu... 

 

Aber:

 

Ich habe ohne schlechtes Gewissen mein Rentendasein genossen.

Ich habe anderen Leuten eine Freude mit meinem Besuch gemacht.

Ich habe alten Leuten ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert.

Ich habe dem ganz gewöhnlichen Tag das Schöne abgerungen.

 

Ich bin dem Schicksal und mir selber sehr dankbar, daß ich gelernt habe, solche  "unspektakulären" Tage zu genießen.

 

Ich wünsche allen, die unzufrieden mit Sich und Ihrem Dasein sind, daß sie es auch lernen..

 

Allen einen schönen Sommertag