"Die Eröffnungsfeier sollte der krönende Abschluß der langen Umbauarbeiten werden. Monatelang hatten Handwerker unser Einrichtungshaus, das ich gemeinsam mit meiner Frau und zwei Mitarbeitern leite, erweitert und verschönert. Doch der Staub und der Krach hatten an meinen Nerven gezerrt. Auch vielen der 80 Beschäftigten im Haus ging es nicht anders. Wegen einer Kleinigkeit kam es dann zum Streit. Ein leitender Mitarbeiter fühlte sich falsch verstanden und schlecht behandelt. In seiner Verärgerung sagte er mir, dass er kündigen werde. Ich fühlte mich im Recht und ein Wort gab das andere. Eine Verständigung war nicht möglich. Innerlich aufgebracht gingen wir auseinander.

    Etwas später wollte ich den Vorfall mit meiner Frau besprechen. In ihrem Büro traf ich auf den Mitarbeiter. Er legte seine Sichtweise dar. Auch die Vermittlungsversuche meiner Frau bewirkten nichts. Gewöhnlich verschließe ich mich in derartigen Situationen und bestehe auf meinen Standpunkt. Doch diesmal musste ich mir selbst eingestehen, dass auch ich überzogen reagiert hatte. Dieses Eingeständnis ermöglichte mir, meinen eigenen Standpunkt kritisch zu hinterfragen und den meines Mitarbeiters in einem neuen Licht zu sehen. Ehrlich gesagt: Das kostete mich aber etwas! Aber vielleicht gerade dadurch wurde ich nach und nach ruhiger und konnte wieder sachlich argumentieren. Das wirkte sich positiv auf mein Gegenüber aus und bald konnten wir das Mißverständnis ausräumen.

    Ich war echt froh, denn das Ganze hatte mir ziemlich auf der Seele gelegen."   H.H.