Eine Berlinerin kommt in den Himmel …
Sie heißt Lieselotte. Woran sie gestorben ist? Hm …ja … hm
… im Zweifelsfall hat sie sich tot gelacht.
Lieselotte kommt also an die erstmögliche Himmel-Eintritts-
Pforte. Petrus mustert sie über den Rand seiner apostolischen
Augengläser ob ihres Outfits, rasselt wiederholt mit seinem
himmlischen Schlüssel - Bund, als müsse er sich noch sehr
gründlich überlegen, ob er überhaupt aufzumachen gewillt
sein möchte. Schließlich öffnet er - wenn auch immer noch
etwas zögerlich - diese erstmögliche Himmeleingangs-Pforte.
Lieselotte wundert, aber freut sich:
„Wat denn, gleich innen Himmel? Ick dachte, ick muß erstma
inne Vorhölle oder sowat?“
„Die Vorhölle hat doch Papst Benedikt XVI. gerade erst ganz
unerwartet abgeschafft, mein Kind“, meint Petrus leutselig.
„Ach, so ... hm … und Fegefeuer ooch nich?“
„Ist überfüllt … die aus der Vorhölle sind ja jetzt alle dort … da
muß erst aufgestockt werden … hast du Glück gehabt, mein
Kind, daß du gerade jetzt gestorben bist.“
Petrus sucht einen aus seinen vielen Schlüsseln heraus und
ruft nach seinem kleinen Hilfsengel, dem Angelito. Der aber
scheint nicht sogleich zu hören. Da ergreift doch diese Berliner
Göre blitzschnell eben jenen Schlüssel und läßt einen
durchdringenden Pfiff ertönen, daß die nächstliegenden
Wolken erzittern und vor Schreck ein paar Tropfen in ihre
himmlischen Pluderhosen fallen lassen … und Petrus wahrlich
nicht anders kann, als nochmals vorwurfsvoll über seine
apostolischen Augengläser blicken:
„Im Vorhimmel kann ich das gerade noch einmal – aber auch
zugleich zum letzten Mal – durchgehen lassen … mach das
nie wieder … sonst …“
„Sonst, wat?“ Lieselotte will es etwas genauer wissen.
„Na, sonst … hm … normaler Weise … aber ist ja überfüllt …
das Fegefeuer … ,“ murmelt Petrus in seinen apostolischen
Bart.
Angelito ist inzwischen herbeigeeilt – auf dem pausbäckigen
Engelsgesichtchen noch immer den Ausdruck des Erstaunens
über den ungewöhnlichen Pfiff auf dem Schlüssel.
„Begleite diese Seele Lieselotte zu ihrer Wolke Numero
77.888.999.“
„Kannst Lizzy zu mir sagen … aber Moment mal, Petrus … ick
will schon jern wissen, wer da so meene Nachbarn sind,
versteh mir nich falsch …“
Petrus runzelt seine apostolische Stirn.
„Linke Wolke ist für Oskar Lafontaine vorläufig reserviert,
rechts von dir Karl Marx, vor dir …“
„Stopp- stopp- stopp, Petrus … nee, nee, nee, nee, nee … det
jibt Ärjer… und den willste nich wirklich … Karl Marx ja, aber
Lafontaine … nee, danke!“
„Hm… dann links von dir Margot Honecker… später mal,
wenn sie denn aus dem Fegefeuer entlassen wird …hinter
dir“
„P e t r u s, nee, doch d i e nich … wirklich nich … also bitte,
Petrus!“
„Eigentlich gehörst du in die Vorhölle und hast hier überhaupt
keine… Also letzter, aber allerletzter Vorschlag:
Links Gregor Gysi später mal, rechts Friedrich Nietzsche,
hinter dir…“
haut die Lieselotte gleich noch mal dazwischen:
„… hinter mir Beethoven und vor mir Marc Chagall … dann
akzeptiere ich auch den Gysi …“
Ein Handy klingelt und Angelito sagt:
„Petrus, du hast einen Anruf vom Chef … der Himmelvater will
dich dringend sprechen.“
„Glück gehabt, Lieselotte oder von mir aus auch ´´Lizzy´´, daß
ich keine Zeit mehr für dich habe … also gut … diese
verdammten Berliner … die kriegen doch immer alles, was sie
wollen mit ihrer vorlauten Schnauze …“
„… also das mit dem ´´verdammt´´ und das mit der
´´Schnauze´´…das geht gerade noch mal unbeanstandet so
durch, Petrus … weil wir ja im Vorhimmel sind “, grinst Lizzy
und schwebt mit Angelito ihrer vorläufig vorhimmlischen
Wunschwolke entgegen …
© Alexa Rostoska
