Schon in der Schule warn sie ihm zuwider:
die anderen Jungs sangen schmutzige Lieder,
die Mädels liebkosten sich, mochten sich sehr
doch zogen über die Freundinnen her,
sobald die nicht da waren, völlig versaut.

Wohl dem, der Kunibert völlig vertraut
Der Kunibert ist eine ehrliche Haut.

Dann später, mit zwölf, in der Früh-Pubertät,
probierten die Jungs, ob’s bei ihnen schon geht.
Die Mädels, sie testeten stets ihre Macht
wohl über die Jungs, haben ihn ausgelacht
Er mochte das nicht, hat verächtlich geschaut.

Wohl dem, der Kunibert völlig vertraut
Ich sage euch ja: eine ehrliche Haut.

Noch später, beim Handwerk, wurd er nur gemobt,
dabei hat er niemals schwarz heimlich gejobt.
Niemand hat gemerkt, dass er gradlinig dachte
und dass er auch niemals was Schädliches machte.
Zum Dank haben sie ihn dann auch noch beklaut.

Wohl dem, der Kunibert völlig vertraut
Ich sage es nochmal, 'ne ehrliche Haut.

Die Welt war verdorben, die Welt war so schlecht,
er hat sich dann endlich an allen gerächt.
Die anderen trieben ihr schändliches Spiel.
Nur ehrlich und aufrichtig sein war sein Ziel.
Und er hat nur stets auf Korrektheit gebaut.

Wohl dem, der Kunibert völlig vertraut
Und noch einmal sag ich’s: ‚Ne ehrliche Haut.

Heut ist unser Kunibert wirklich der Mann,
vor dessen Besitz man nicht falsch parken kann.
Und von seiner Frau ist er lang schon geschieden,
mit ihrer Beziehung war sie nicht zufrieden.
Heut ist sie von so einem Rock-Freak die Braut.

Wohl dem, der Kunibert völlig vertraut
Er war bis zum Tode ‚ne ehrliche Haut.

Als Kuni dann tot, klopft am Himmel er an,
zu Gott sagt er, "ich hab niemals Böses getan."
Gott sagt ihm: „Nichts Böses, bestimmt auch nichts Gutes.
Es gibt doch nichts Gutes, Kerl, außer man tut es.“
Der Kuni wird schweigen, er war niemals laut.

Ich denke, dass Gott ihm dann nicht mehr vertraut
Er war eine penetrant ehrliche Haut.

© Jürgen Berndt-Lüders