Ihr kennt alles das Lied, damals gesungen von Jürgen Marcus. Wahrscheinlich war der Texter grade verliebt, als er den Text zum Lied schrieb. Genau dieses „...was einmal war ist vorbei und vergessen und zählt nicht mehr“, ist es, was alle möchten.

 

Ich beziehe mich hier mal versuchsweise auf das „Nanananananaaaa“, was direkt nach dem Titel kommt. Nana, nanu, stimmt das auch? Woran kann man erkennen, ob man verliebt ist?

 

Sprüche wie „der Himmel hängt voller Geigen“, beschreiben das Gefühl nur äußerst ungenau. Wo sollte man die auch aufhängen, wo der Himmel doch keine Haken hat.

 

Auch die berühmten „Schmetterlinge im Bauch“ würden höchstens eine Gastritis verursachen, wenn die Viecher erst einmal ihre Exkremente in der Magenschleimhaut versenken. Außerdem hätten wir die bald verdaut und mit dem Verliebtsein wär’s schnell vorbei.

 

Die „rosarote Brille“ bringt es auch nicht, wie ich letzt feststellen musste, als ich mir extra eine rosarote Sonnenbrille zulegte, um Verliebtheit zu spüren. Ich spürte nur spöttische Blicke, weil Männer in meinem Alter mit einer rosaroten Brille auf der Nase nicht allzu gut rüber kommen.

 

Am besten lassen wir mal eine Frau erklären, was Verliebtsein bedeutet. Männer können das zwar auch, aber meist weniger romantisch als Frauen. Männer denken da eher an die Spesen, die anfallen, um eine Frau für sich einzustimmen. Wobei dann immer noch keiner die Gewissheit hat, dass die Investition sich auch auszahlt.

 

„Plötzlich wusste ich, dass er derjenige ist, den ich schon immer wollte, ohne mir je darüber klar gewesen zu sein, was ich wirklich wollte. Ich hatte mir immer große, dunkelhaarige Männer vorgestellt und immer kleine, straßenköterblonde bekommen. Aber jetzt, jetzt wusste ich es. Er war ein Mann mit tiefgründigen Augen. Einer, der das ganze Gefühl der Welt in seiner Iris trägt“, schwärmt die oben genannte, verliebte Frau.

 

„Ich sah ihn immer wieder an, ich konnte gar nicht anders. Seine Augen wirkten im Hirn, im Herzen und in der Hose weiter, und immer, wenn ich ihn ansah, wäre ich am liebsten in ihn hinein gekrabbelt. Alternativ: er hätte auch in mich hinein krabbeln dürfen. Krabbeln musste auch nicht unbedingt sein.“

 

Ich als Mann finde das ungerecht. Wenn ich sofort in eine Frau hinein will, wenn ich sie sehe, sagen alle: typisch Mann. Aber wenn eine Frau in mich hinein will oder ich in sie hinein soll, ist das was Edles, Heiliges, Romantisches.

 

„Wir haben uns geküsst. Mann, dachte ich, das sind keine Küsse, das sind räumlich versetzte Vereinigungen. Diese Harmonie des Zungenspiels, die Passgenauigkeit seiner Lippen, um 75 Grad versetzt auf den Meinigen, das war schon was. Dafür würde ich jede Tafel Ritter Sport Traube Nuss liegen lassen.“

 

Klingt gut, nicht?

 

„Und dann diese Haut-an-Haut-Kontakte. Als ginge es darum, einen Weltrekord in Berührungsfläche zu veranstalten. Um jeden Quadratzentimeter, wo seine Haut nicht an meiner liegt, ist es schade, und wenn ich dann spüre, wie sein Atem heftiger wird und die Fläche sich um einen nicht unmaßgeblichen Anteil in der Schrittgegend erhöht, fühle ich es erst recht: Hier gehe ich nicht eher weg als bis es passiert.“

 

Tja, und was tut ein armer Mann in unserem Alter dann? Beten natürlich. Dass er durchhält, dass er ihren Wünschen gerecht wird, dass sie ihn mit den Augen so oft wie möglich  um Wiederholung bittet.

 

Was sagt sie dazu? „Plötzlich bin ich wieder jung. Ich vergesse den ganzen Mist, den ich mit Männern erlebt habe und genieße das fahrige Streicheln, Drücken, Knabbern und Lecken, und ich will um Himmels Willen nicht daran denken, dass auch dies irgendwann einmal wieder vorbei sein wird.“

 

Und du als Mann wünscht es dir auch und bist neidisch, dass du deine Gefühle nicht so schön in Worte kleiden kannst.

 

Jürgen Marcus konnte es. Er hatte Recht: Heute fängt ein neues Leben an...

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© Jürgen Berndt-Lüders

Bildquelle: STAR DIVISION CD. 10.000 Cliparts und Fotos