Wo kommst Du denn auf einmal her, kannst Du mir deinen Namen sagen?
Jeden Morgen zwischen 8°° und 9°° holten roter Kleinbusse behinderte Kinder von zu Hause ab. Sie wurden zur Schule gebracht.

Es waren neun Stück, zwischen acht und vierzehn Jahren. Alle kannten ihren Fahrer und stürmten schon los wenn sie das rote Auto sahen. Mit Handschlag begrüßte er alle seine Schützlinge, half ihnen sich anzuschnallen und verstaute den Rollstuhl. Fröhlich ging es weiter bis er alle eingesammelt hatte. Er sang mit ihnen um die Wette. Und alle hatten ihren Spaß.

Am Nachmittag holte er seine Rasselbande ab und los ging es nach Hause. Einige waren so erschöpft, dass sie im Bus einschliefen. Dann kam der verhängnisvolle Tag. Wieder wurden die Kinder von der Schule abgeholt, doch dieses Mal hatte der richtige Fahrer mit seinem Kollegen eine Schicht getauscht weil er zum Arzt musste. Beide Fahrer kannten sich. Er schärfte ihm noch die Anzahl ein. Da aber die Kinder auf ihren Fahrer fixiert, und er nicht bei dem Auto stand rutscht Katrin die aller jüngste in einen anderen Bus hinein, als der Fahrer einen Rollstuhl verstaute.

Vorher hatte er gezählt und alle angeschnallt, so war dann seine Fuhre voll. Ab ging die Post. Katrin war ziemlich klein und deswegen sah er sie im Rückspiegel nicht sitzen. Und sie war auch nicht angeschnallt. Als er die ersten ausgeladen hatte, sie wohnten in einer Straße nicht weit von einander, da bemerkte er das bisschen Kind, sie war so zierlich, fast wie eine größere Puppe.

Ein gewaltiger Schreck durchfuhr ihn. Wo kommst Du denn auf einmal her, kannst Du mir deinen Namen sagen? So ein kleines Mädchen, er schätzte sie auf höchstens sechs, stand nicht auf seiner Liste, er hatte sie auch bei früheren Fahrten nicht bemerkt. Man sah ihr nicht an, dass sie schon acht war und sie sprach nicht. Sofort telefonierte er mit seinen Kollegen, wem ein Mädchen fehlte.

Und ausgerechnet der Ersatzfahrer suchte sie schon überall. Mittlerweile waren alle Kinder zu Hause nur die kleine Katrin lag schlummernd auf der Sitzbank. Um fünf Uhr sollte sie zu Hause sein, und nun war es fast sieben. Ihren Eltern waren ganz verzweifelt, sie dachten schon an eine Entführung Sie telefonierten mit den anderen Eltern und als sie Bescheid kamen dass sie alle wohlbehalten daheim waren kannte ihre Sorge keine Grenzen.

Dann hupte das Auto und sie stürzten hinaus um ihren kleinen Engel abzuholen. Große Erleichterung auf beiden Seiten. Der Fahrer erklärte den Sachverhalt. Seitdem tragen alle behinderten Kinder die mit dem Bus fahren eine Erkennung um den Hals, dass so was ja nie wieder vorkommen wird.