Gestern war auf der Arbeit wieder mal einer dieser Tage, die man am liebsten aus dem Gedächtnis streichen möchte. Ich bin Altenpflegerin und meistens läuft ja alles ruhig bei uns. Gestern leider nicht.

Wir haben zur Zeit eine Krebspatientin, der es sehr schlecht geht, sie braucht viel Aufmerksamkeit, muss gespritzt werden, hat Schmerzen, ihr ist übel (wir sind ein Altenheim, kein Krankenhaus, wir sind Laien in der medizinischen Versorgung solcher Patienten, müssen aber trotzdem irgendwie damit fertig werden. Faktisch sieht das so aus, dass sie leidet und ich zusehen muss, nicht viel tun kann).

Eine Bewohnerin hat Fieber und außerdem eine gerötete Stelle am Bein, ziemlich groß, der Arzt muss gerufen werden.

Jetzt ist das am Wochenende mit den Ärzten so eine Sache. Wir haben ja den notärztlichen Dienst und mit etwas Glück ist es jemand aus der Nähe und mit noch mehr Glück kommt er dann auch. Es gibt nämlich welche, die weigern sich strickt ins Altenheim zu kommen. Warum? Keine Ahnung, wahrscheinlich lohnt eine Behandlung nicht mehr? Noch schlimmer sind aber andere die kommen, aber so unmöglich sind......Das führe ich lieber nicht weiter aus, sonst bekomme ich noch Schwierigkeiten.

Nun gut, dieser kam, warf nur einen Blick auf das Bein, sagte: „Ja, das ist ein Erysipel, sie braucht sofort Antibiotika, ich stelle ein Rezept aus.“ Prima, es ist Samstag Nachmittag 16.30 Uhr, wie soll ich an die Medizin kommen?

Arzt: „Ja haben sie denn keinen Fahrdienst?“

Ich: „Doch, in der Woche schon, am Wochenende nicht.“

Arzt: „Dann muss das Medikament mit den Taxi gebracht werden, sie braucht es sofort.“

Ich: „Und die Kosten?“

Arzt: „Die muss die Patientin tragen. Oder denken Sie, ich könnte das Medikament besorgen?“ Er schaut mich vorwurfsvoll an und hält mir dann einen Vortrag, warum die Ärzte letztens gestreikt haben, dass unser Gesundheitssystem den Bach hinuntergeht, dass es noch schlimmer kommen wird und das es den Ärzten im Allgemeinen so schlecht geht.

Nein, ich hatte nicht angenommen, dass er für die Patientin in die Apotheke fahren wird. Was mich mehr stört ist, wie er mit den alten Menschen umgeht, sie irgendwie nicht als Menschen wahrnimmt. Aber das sage ich natürlich nicht. Hat ja auch eher mit menschlichen Qualitäten zu tun, weniger mit den Fähigkeiten als Arzt. Während wir uns noch unterhalten kommt meine Kollegin mit einem nächsten Fall, eine Bewohnerin fühlt sich nicht wohl, möchte ins Bett, hat einen Hustenanfall. Der Arzt schaut sich auch das an, diagnostiziert eine Bronchitis, verschreibt vorsorglich Antibiotika (das machen die immer bei den alten Menschen, keine großen Untersuchungen, gleich der Holzhammer).

Prima, wenn diese Patientin auch ein Antibiotikum braucht, dann können die beiden sich ja die Taxikosten teilen! Natürlich versuche ich vorher die Angehörigen anzurufen, die könnten ja das Medikament besorgen, aber sie sind nicht zu erreichen. Also doch das Taxi, 20 Euro wird es wohl kosten, sagt mir die Taxizentrale. Also gut.

Ich war jetzt bestimmt fast eine Stunde mit den Visiten und Telefonieren beschäftigt, die Medikamente müssten eigentlich verteilt werden, die Vorgänge müssen unbedingt im Computer dokumentiert werden, dafür werde ich aber erst nach Dienstschluss Zeit haben (21 Uhr). Bloß gut, dass ich schnell schreiben kann.
Ich bin hierbei absolut auf meine Mitarbeiter angewiesen, sie müssen dafür sorgen, dass der normale Betrieb weiterläuft (Abendbrotzeit). Da ich als Helferin vorläufig ausfalle und mit der Verwaltung von Krankheiten! beschäftigt bin müssen sie meine Arbeit mit erledigen. Zum Glück sind beide erfahren und wissen, was zu tun ist. Hätte ja auch sein können, dass ich mit Praktikanten zusammengearbeitet hätte. Dann geht es eher drunter und drüber. Also muss ich zufrieden sein.

Ich beschließe dann meinen Arbeitstag so gegen 21.40 Uhr, gehe nach Hause voller Mitgefühl für die Ärzte (sie haben es ja wirklich schwer, die Armen) und hoffe, dass der Sonntag ruhiger wird. Wünscht mir Glück!