Eines der wichtigsten, gesellschaftspolitischen Themen überhaupt scheint mir die Ungleichheit in der Liebesbeziehung zu sein.
Ich vermute, dass es egal ist, ob es sich um Liebe zwischen Frau und Mann, Mann und Mann oder Frau und Frau handelt.
Wenn sich zwei zusammen tun, weil sie sich lieben, ist die Intensität der Liebe oft nicht gleich verteilt. Oft liebt einer mehr als der andere, und wer mehr liebt, hat die größeren Verlustängste, denn er spürt die innere „Freiheit“, mit der der andere agiert. Und das macht ihn ängstlich.
Verlustängste, die nichts mit Besitzdenken zu tun haben, müssen sich nicht immer in Eifersucht äußern. Manche Verlustängste zeigen sich in einer totalen Verkrampfung, was die befürchtete, negative Wirkung auf den geliebten Menschen anbelangte. Denn wie sonst könnte der geliebte Mensch so frei agieren?
Ich bin beispielsweise ein extrovertierter Typ, der sein Herz auf der Zunge trägt und Konflikte anspricht. Und wenn dann keine Reaktion kam, befürchtete ich, Gefahren gesehen zu haben, wo überhaupt keine sind.
„...du musst immer alles so hoch spielen“, hörte ich dann.
Aber konnte es nicht sein, dass der Geliebten die Befürchtungen egal waren? Dass sie nicht das gleiche Bedürfnis nach Harmonie hatte wie ich selbst? Dass sie womöglich mit dem Herzen längst unterwegs war?
Diese Zweifel äußerten sich in allem, was ich von mir gab. Jede noch so kleine, unbedeutende Bemerkung durchdachte ich zig mal, bevor ich sie verarbeitete, was dazu führte, dass meine anderweitig noch so geschickt formulierten Sätze krampfhaft heraus kamen und ein Lächeln auf der Seite der Angesprochenen nach sich zogen.
War das Lächeln höhnisch oder kam mir das nur so vor?
Verlustängste verselbständigen sich. Die Verkrampfungen kommen, ohne dass einem bewusst wird, woher sie kommen. Man ist in der Defensive, verteidigt sich nur noch, immer aus dem Anlass, dass man sich seiner Wirkung auf den anderen nicht sicher ist.
Sowas wirkt sich auch auf den Partner aus. Oft weiß er nichts damit anzufangen, deutelt innerlich daran herum, gewinnt ein Überlegenheitsgefühl, ja der Übermacht, die Sache wird für ihn langweilig, weil man kalkulierbar ist.
Langeweile, egal aus welchem Grund, ist der Tod einer jeden Beziehung. Und Langeweile spürt der Unterlegene als wesentlich zersetzender als der Überlegene. Weil er sich für die Ursache der Langeweile hält. Mit Langeweile kann man keinen Partner „halten.“
Der Unterlegene, - so möchte ich denjenigen mit den größeren Verlustängsten nennen – kann schlecht auf den Partner zugehen und sagen, du, ich habe das Gefühl, dass unsere Beziehung nicht mehr auf der gleichen Ebene abläuft. Bitte komm zu mir auf meine Ebene...
Nein, der Überlegene muss den anderen in die Arme nehmen und deutlich machen, dass er sein Gefühl der Macht nicht ausnutzen wird, um sich Vorteile zu schaffen oder seine Kreise größer ziehen zu wollen. Das kann auch nonverbal geschehen. Aber es ist die Aufgabe des Überlegenen in einer Beziehung, sonst geht die Liebe und die gesamte Beziehung den Bach runter.
Nebenbei:
Ich habe meine Liebe und meine – damals - unbewussten Verlustängste soweit zurückgedrängt, dass ich wieder frei und meinen Fähigkeiten entsprechend agieren kann. Und mir wird staundend bekundet, dass ich mich völlig zu meinem Vorteil verändert hätte.
Sie hat die Ursache nie verstanden. Wie in dem Lied "Einer von Zweien"...*
Mag sein, aber mit der Liebe habe ich nichts mehr am Hut. Was nützt mir meine mentale Gleichwertigkeit oder gar Überlegenheit, wenn der Partner die Zusammenhänge nicht erkennt und aus jedem Tag eine Wettbewerbsveranstaltung macht, die zu Lasten der Zweisamkeit geht?
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* Song von „Ich und Ich“ zum gleichen Thema, aber ohne Ursachenforschung.
